Klimawandel: Frankreichs Winzer suchen nach klimaresistenten Rebsorten

Das Weingut Veuve Cliquot. [MustangJoe/Flickr]

Die Traubenlese in Frankreichs berühmter Anbauregion Beaujolais ist in vollem Gange. Gleichzeitig arbeiten Forscher daran, eine Antwort auf die durch den Klimawandel bedingten Probleme – eine der größten Gefahren für die Weinindustrie – zu finden.

Während Saisonarbeiter ihre Zelte aufbauen und Traktoren mit Trauben gefüllte Bottiche wegfahren, untersuchen Forscher ein Stück Land, auf dem experimentelle Rebsorten angebaut werden.

Sie wollen herausfinden, welchen Sorten es in diesem außergewöhnlich trockenen Jahr in Frankreich am besten erging. Die Ernte wird durch Trockenheit und Hitze in dieser Region voraussichtlich um ein Viertel zurückgehen. Die Beaujolais-Region ist weltweit für ihre leichten Weine wie Brouilly, Morgon und Julienas bekannt.

„Die mit den gelben Blättern, denen Blattwerk am Hauptstamm der Rebe fehlt, die mit den verdorrten Trauben wollen wir nicht“, sagt Jean-Michel Desperrier vom Forschungszentrum Sicarex der Beaujolais-Winzer.

Er beaufsichtigte ein Expertenteam, das die Trauben pflückte, wog und sortierte. Sie könnten in den kommenden Jahren eine Schlüsselrolle beim Schutz der milliardenschweren Weinbranche Frankreichs spielen.

Der Sommer 2003 war der heißeste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Seither wissen die Winzer um den Klimawandel und seine Folgen für ihre Arbeit.

Der diesjährige Sommer war nur eine weitere Erinnerung daran. Frankreich verzeichnete den drittheißesten Juli seit 1900. Außerdem fiel weniger als die Hälfte der normalen Regenmenge.

Durch die hochsommerliche Hitzewelle reiften die Trauben im Beaujolais schneller. Die Ernte begann schon am 24. August, und damit einen ganzen Monat früher als etwa vor zwei Jahren.

Im Moment „hat die Erwärmung positive Auswirkungen auf nördliche Weingüter wie das unsere. Sie schafft eine schönere Traube, die reifer ist“, sagt Bertrand Chatelet, Sicarex-Direktor. Sie sei Krankheiten wie Schimmelbefall, die mit Luftfeuchtigkeit im Zusammenhang stehen, weniger ausgesetzt.

In Zukunft soll es mehr extreme Trockenperioden oder schwere Regenfälle geben, was auch für die Trauben schädlich ist.

Hitze bedeutet mehr Zucker in den Trauben und deshalb eine höhere Alkoholkonzentration – ein Umstand, mit dem die Winzer lernen müssten, umzugehen.

In Europa wurden bereits mehrere Forschungsprogramme gestartet, um mit den Unterschieden durch den Klimawandel umzugehen. Frankreichs nationales landwirtschaftliches Forschungsinstitut führt LACCAVE-Programm durch, das das Problem untersucht und Wege zur Anpassung erforscht.

Die Anpassungsbemühungen im Beaujolais konzentrieren sich auf die wichtigste Traubensorte der Gegend, die violette Gamay-Traube. Die Winzer suchen nach einer Gamay-Varietät, die den abwechselnden Trockenperioden und starkem Regen standhält und dennoch genug süße Trauben produziert.

Idealerweise geht es dabei um große Trauben mit dicker Beerenhaut und lockeren Bündeln, die die Trocknung an der Luft ermöglichen. Das schützt sie vor Schimmel. Trauben mit dicker Beerenhaut produzieren auch mehr Tannin, was für eine schöne Farbe des Weins sorgt.

„Das ist alles, worauf wir schauen“, sagt Desperrier.

Doch die Forscher haben die perfekte Kombination noch nicht gefunden.

Einer der vielversprechendsten Ansätze kommt aus Pully, einem Gebiet in der Westschweiz am Genfer See: Eine Kreuzung aus der Gamaret-Varietät, die von der deutschen Traube Reichensteiner abstammt, und einer Gamay-Traube.

Ein Hybrid würde auch für den Beaujolais funktionieren. Als Verschnittwein kann ihm eine weitere Untervarietät hinzugefügt werden.

„Aber bitten Sie einen Burgunderwinzer, der nur mit Pinot Noir arbeitet, die Sorten zu wechseln und es wird nicht so einfach sein“, sagt Herve Quenol, Forschungsdirektor am Nationalen Zentrum für wissenschaftliche Forschung (CNRS).

„Es geht nicht darum, ob es 2050 noch Weinberge in Frankreich gibt. Die tatsächliche Sorge ist zu wissen, ob wir in der Lage sein werden, Wein mit denselben Charakteristika zu produzieren und die Sortenveränderung und die Lage der Weinberge zu vermeiden“, sagt der Klimawandel-Experte.

Der Klimawandel bedrohe bereits die Weinproduktion in Nordafrika und Teilen Argentiniens, die komplett von Bewässerung abhängig sind, so Quenol.

Die Forscher schicken die Trauben zu einer Einrichtung in der Nähe. Dort werden sie einer Reihe von Tests unterzogen, um sie auf Dinge wie den Zucker- und den Säuregehalt zu untersuchen.

Doch die meisten Trauben werden zu Wein verarbeitet. Jede Sorte kommt in verschiedene Flaschen. So wollen die Forscher vergleichen, welche Sorte sich am besten an den Klimawandel anpassen könnte. Und natürlich, welches die schmackhafteste Lese ist.

Hintergrund

Die EU ist mit 17 Milliarden Litern Wein pro Jahr der weltweit führende Weinproduzent. Das sind 45 Prozent der weltweiten Produktion. Der Klimawandel ist ein wichtiges Problem für die Europäische Union. Denn die Produktion in anderen Regionen zieht an. In nur zehn Jahren ist China auf den zweiten Platz weltweit geklettert, mit 800 Millionen Hektar an Rotweinbergen. Die Produktion in der EU verlangsamt sich hingegen. Frankreich bleibt vor Italien an der Spitze der EU-Weinproduzenten.

Frankreichs wichtigste Weinregion, Bordeaux, könnte bis zum Ende des Jahrhunderts zu heiße werden, um Qualitätswein produzieren zu können. Klimatologen prognostizieren ein Anstieg der Durchschnittstemperatur von 14 Grad auf 18,8 Grad. In der Region Aquitaine um Bordeaux steigen die Temperaturen schneller als in beinahe jeder anderen französischen Region.