Klima-Risiko-Index: Deutschland stark von Wetterextremen betroffen

In Deutschland sind es vor allem die Dürresommer der vergangenen Jahre, die zu hohen Schäden geführt haben. [EPA-EFE/FRIEDEMANN VOGEL]

Pünktlich zum virtuellen Climate Adaption Summit hat der Berliner Thinktank Germanwatch seinen diesjährigen Klima-Risiko-Index veröffentlicht. Der globale Süden leidet tendenziell stärker unter Wetterextremen als der Norden. Doch auch Deutschland gehörte in den vergangenen 20 Jahren zu den 20 am massivsten betroffenen Ländern weltweit. 

Während beim CAS2021 (Climate Adaption Summit 2021, 25.-26. Januar) zwei Tage lang über Möglichkeiten diskutiert wurde, wie man die globale Wirtschaft und das gesellschaftliche Leben weltweit an den Klimawandel anpassen kann, zeigt der Klima-Risiko-Index an welcher Stelle die Menschheit bereits versagt hat. Der Index des Berliner Thinktanks Germanwatch betrachtet die durch Extremwetter verursachten Todeszahlen und Sachschäden aus dem Jahr 2019 sowie der letzten 20 Jahre (2000-2019).

2019 standen Mosambik und Simbabwe an der Spitze des Negativ-Rankings. Beide wurden schwer vom Zyklon Idai getroffen, dem bis dahin verheerendsten Wirbelsturm, der jemals im westlichen Indischen Ozean beobachtet wurde. Zusammen mit Malawi verzeichneten die drei ostafrikanischen Länder insgesamt mehr als 1100 Todesopfer und Gesamtschäden in Höhe von über sieben Milliarden US-Dollar.

Puerto Rico, Myanmar und Haiti haben laut dem Langfrist-Index der vergangenen 20 Jahren die größten wetterbedingten Verluste erlebt. Auch Deutschland taucht überraschend weit oben auf dieser Liste auf. Mit mehr als 10.700 Todesopfern, zum Beispiel infolge von Hitzewellen, sowie wirtschaftlichen Schäden in Höhe von rund 3,5 Milliarden Euro pro Jahr liegt Deutschland weltweit auf Platz 18.

Besonders Menschen in Entwicklungsländern betroffen

Insgesamt kamen zwischen 2000 und 2019 mehr als 475.000 Menschen als direkte Konsequenz von über 11.000 Extremwetterereignissen zu Tode. Die wirtschaftlichen Schäden beliefen sich auf über zwei Billionen Euro.

Die Tendenz, die sich aus dem Datensatz ablesen lässt, deutet laut Germanwatch darauf hin, dass “besonders Menschen in Entwicklungsländern unter den Folgen von Wetterextremen zu leiden hatten.” Im Jahr 2019 seien große Schäden insbesondere durch schwere Wirbelstürmen und die darauffolgenden Überflutungen sowie Erdrutsche verursacht worden. Diese Entwicklung decke sich mit dem Stand der Klimawissenschaft. Mit jedem Zehntelgrad Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur steige auch die Anzahl schwerer tropischer Wirbelstürme, heißt es im Klima-Risiko-Index.

Vera Künzel, eine der Index-Autorinnen von Germanwatch, fordert aufgrund der besonders prekären Lage in Ländern wie Haiti, den Philippinen oder Pakistan, wo sich die Menschen kaum noch von Wetterextremen erholen können, eine stärkere Politik hin zu mehr Klimaresilienz: “Internationale Politikprozesse müssen einerseits bewirken, dass technische und finanzielle Unterstützung bereitgestellt wird, damit diese Länder sich besser an die Folgen der Klimakrise anpassen können. Sie müssen andererseits aber auch anerkennen, dass diese Anpassung nur noch teilweise möglich ist.”

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Unterstützung für betroffene Menschen

Im Bezug auf den CAS2021 fügte sie hinzu: “Wer über Klimaanpassung redet, sollte daher auch bereit sein, über die Bewältigung nicht vermeidbarer Schäden und Verluste zu sprechen und die Frage beantworten, wie die Hauptbetroffenen dabei unterstützt werden sollen.”

Die Autoren des diesjährigen Klima-Risiko-Indexes merken zudem an, dass der internationale klimapolitische Prozess im Jahr 2020 stagniert sei. “In der Diskussion um das langfristige Finanzierungsziel und eine angemessene Unterstützung für Anpassung sowie Schäden und Verluste mussten die Forderungen nach Fortschritt auf 2021 und 2022 verschoben werden.” Schleunigst müsse der Bedarf an Unterstützung für betroffene Länder ermittelt und bereitgestellt werden, fordern die Autoren. Zusätzlich müssten Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel umgesetzt werden.

Beim CAS2021 haben sowohl der US-Klimabauftragte John Kerry als auch Chinas Vizepremierminister Han Zheng, Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron weitreichende finanzielle Mittel für die Klimaanpassung angekündigt. Macron sicherte insgesamt zwei Milliarden Euro zu. Merkel erhöhte den bisherigen deutschen Beitrag für die Klimaanpassung in Entwicklungsländern von 50 Millionen auf 170 Millionen Euro. Weitere 100 Millionen Euro sollen zudem in einen Klimaanpassungsfond fließen für die sogenannten LDCs (Least Developed Countries), die am wenigsten entwickelten Länder.

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