Klein, aber überaus unfein: Mikroverunreinigungen im Wasser

Pestizide, Arzneimittelrückstände, Hormone: Für Kläranlagen sind derartige Reststoffe im Abwasser eine Herausforderung. [shutterstock_DedMityay]

Eine neue Studie des französischen Nationalen Instituts für Agrarforschung (INRAE) beschäftigt sich mit sogenannten „Mikroverunreinigungen“, die auch nach der Aufbereitung in Kläranlagen noch im Wasser gefunden werden können. Zwar mangele es weiterhin an belastbaren Datenmengen, doch man könne unbestreitbar feststellen, dass die Mikro-Partikel Auswirkungen auf die Umwelt haben. EURACTIV Frankreich berichtet.

Pestizide, Kohlenwasserstoffe, Arzneimittelrückstände, Hormone: Für Kläranlagen sind derartige Reststoffe im Abwasser eine Herausforderung. Aufgrund ihrer geringen Konzentration im Wasser – im Rahmen von Mikro- oder Nanogramm pro Liter – werden diese Moleküle als „Mikroverunreinigungen“ bezeichnet. Ihr Ursprung sind menschliche Einwirkungen. Und sie scheinen unweigerlich in unsere Wasserwege zu gelangen.

Laut der Studie des INRAE, die am Montag in der Fachzeitschrift Water Research veröffentlicht wurde, haben die winzigen Konzentrationen dieser Moleküle „potenziell erhebliche Auswirkungen“ auf Wasser-Ökosysteme sowie möglicherweise gar auf die menschliche Gesundheit.

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Keine ausreichenden Daten

Für die Studie wurde allerdings nur ein Drittel der 286 Mikroverunreinigungen analysiert, die nach vorheriger Forschung bereits bekannt waren und von der EU als vorrangig eingestuft werden.

„Der Mangel an Rohdaten und Informationen über die Auswirkungen dieser Substanzen auf die Gewässer hat uns dazu gezwungen, uns auf lediglich 88 Moleküle zu konzentrieren,“ räumt Dominique Patureau, Forscherin am Labor für Umweltbiotechnologie des INRAE, gegenüber EURACTIV Frankreich ein.

Dennoch sei in der Studie festgestellt worden, dass diese Mikroverunreinigungen eine signifikante Wirkung haben, insbesondere im Hinblick auf ihre Umweltauswirkungen. Den Forschenden zufolge könnten diese winzigen Stoffe allein für das Aussterben einer Wassertierart alle zehn Jahre verantwortlich sein.

Zu den „Hauptverantwortlichen“ gehören dabei Pestizidstoffe wie Cypermethrin (ein Molekül, das in Insektiziden enthalten ist), Hormone wie Östrogen sowie das weit verbreitete Antibiotikum Amoxicillin.

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„All diese Moleküle finden sich in unseren Gewässern und sind das Ergebnis menschlicher Aktivitäten,“ erklärt Patureau: „Pestizide stammen natürlich von landwirtschaftlich genutzten Flächen, durch die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln. Hormone und Arzneimittelrückstände stammen hingegen zum größten Teil direkt von dem, was wir Menschen – aber auch Nutztiere und sogar Haustiere – konsumieren.“

Anders ausgedrückt: Unsere Körper bauen nicht alle Stoffe ab, die wir zu uns nehmen, ein großer Teil davon landet dementsprechend in der Toilette und somit im Abwasser.

Moleküle, die „niemals auf den Markt hätten kommen sollen“

Während einige Substanzen wie beispielsweise das Hormon Estradiol recht gut abgebaut werden, kontaminieren andere, wie polychlorierte Biphenyle (PCB), die Ökosysteme weiterhin, manchmal sogar noch nach mehreren Jahrzehnten.

Obwohl PCB als giftig und krebserregend eingestuft werden und in Frankreich seit 1987 verboten sind, wurden auch sie in den Abwässern von Kläranlagen nachgewiesen. „Das sind nun einmal sehr hartnäckige Substanzen, die nur schwer abgebaut werden. Sie hätten eigentlich nie auf den Markt gebracht werden dürfen,“ so die INRAE-Wissenschaftlerin.

Die zumindest etwas positivere Feststellung: Während die Auswirkungen von Mikroverunreinigungen auf die Gewässer und das Leben darin „unbestreitbar“ seien, sind die Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit weniger offensichtlich. Laut der Studie dürften die potenziellen Effekte auf Menschen wohl recht gering sein.

Die Begründung dafür ist einleuchtend: „Schließlich sind wir nicht wie andere Arten ständig im Wasser. Und wir trinken das Wasser, wie es aus den Kläranlagen kommt, auch nicht direkt,“ heißt es in der Studie.

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Dennoch bleibe man beim INRAE vorsichtig: Die Forscherin Patureau weist diesbezüglich einmal mehr auf den „deutlichen Mangel an Daten“ über den potenziellen Zusammenhang zwischen Mikroverunreinigungen in unseren Flüssen und der menschlichen Gesundheit hin.

In Frankreich bemüht man sich indes bereits darum, diese Art von Verunreinigung der Gewässer zu reduzieren. Seit 2017 ist die Verwendung phytosanitärer Produkte auf staatlichen Flächen verboten. Im Rahmen ihrer neuen Strategie Ecophyto II+ hat sich die Regierung zudem verpflichtet, den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln insgesamt bis 2025 um 50 Prozent zu reduzieren.

Dies erscheint sinnvoll, denn auch die Säuberung der Gewässer hat ihren stolzen Preis: Laut dem „Mikroverunreinigungsplan“ des Umweltministeriums für 2016-2021 werden die Kosten für die Beseitigung von einem Kilogramm Pestiziden im Wasser zur Schaffung von Trinkwasserressourcen auf 60.000 bis zu 200.000 Euro geschätzt.

[Bearbeitet von Tim Steins]

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