Kein einziger Kohle-, Öl- oder Gaskonzern würde die Pariser Klimaziele erreichen

Keines der 59 weltweit größten Unternehmen für fossile Brennstoffe hat einen langfristigen Plan, wie die jeweiligen Emissionen auf die Klimaziele angepasst werden können. [Aneil Lutchman/ Flickr]

Keiner der weltweit größten Kohle-, Öl- und Gaskonzerne ist auf gutem Wege, die Klimaerwärmung bis 2050 auf 2°C zu begrenzen, so eine neue Studie, die am gestrigen Mittwoch (7. Oktober) veröffentlicht wurde.

Während einige Öl- und Gasunternehmen wie Shell und BP Pläne für eine CO2-neutrale Entwicklung vorgelegt haben, hat keines der 59 weltweit größten Unternehmen für fossile Brennstoffe einen langfristigen Plan, wie die jeweiligen Emissionen bis 2050 auf ein 2°C-Klimaziel ausgerichtet werden könnten. Das zeigt eine Untersuchung der Transition Pathway Initiative (TPI).

„Investoren waren in diesem Jahr Zeuge einer Flut von bedeutenden Klimaankündigungen der großen Unternehmen im Bereich der fossilen Brennstoffe. Daher ist es auffällig, dass diese unabhängigen Untersuchungen immer noch zeigen, dass die Verpflichtungen nicht mit der Begrenzung des Klimawandels auf 2°C übereinstimmen,“ kritisierte Adam Matthews, Ko-Vorsitzender der TPI.

TPI ist eine globale Initiative, die von Anlagenbesitzern geleitet und von Anlagenmanagern unterstützt wird und die die Bereitschaft von Unternehmen für den Übergang zu einer CO2-armen Wirtschaft bewertet. Die Autoren des Berichts, die an der London School of Economics forschen, bewerteten Unternehmen nach ihrer CO2-Performance und stellten dabei fest, dass nur sieben Unternehmen die Emissionsziele im Einklang mit den „Pariser Zusagen“ von 2015 erfüllen konnten.

Diese Zusagen, die mit den von den Ländern im Rahmen des Pariser Klimaabkommens zugesagten Emissionsreduktionen in Einklang stehen, reduzieren die Emissionen laut dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen nur bis zu einer Erwärmung von 3,2°C und werden daher allgemein als unzureichend angesehen, um die schlimmsten Auswirkungen des Klimawandels zu verhindern.

Das Pariser Abkommen hat das übergeordnete Ziel, die globale Erwärmung auf 2°C zu reduzieren. Offenbar ist keines der geprüften Unternehmen diesbezüglich auf dem richtigen Weg.

Im Vergleich dazu sind viele Unternehmen im Stromversorgungssektor besser vorbereitet: 39 würden die Pariser Zusagen und 22 das ehrgeizigere Ziel „unter 2°C Erderwärmung“ erfüllen.

Der Hauptverfasser des Berichts, Professor Simon Dietz, erklärte, dieser Unterschied sei auf eine stärkere Regulierung des Elektrizitätssektors zurückzuführen. Außerdem sei das Kerngeschäftsmodell dieser Unternehmen nicht gefährdet, da es bereits Technologien zur Dekarbonisierung von Elektrizität gebe.

Er fügte hinzu: „Für Öl- und Gasunternehmen ist der Weg zur Angleichung an Pariser Kriterien eine viel größere Herausforderung für ihre allgemeine Geschäftsgrundlage. Einige Unternehmen haben begonnen, sich mit dieser Herausforderung auseinanderzusetzen – aber noch keines hat sie gemeistert.“

Die insgesamt sieben Unternehmen – fünf Öl- und Gasunternehmen und zwei Kohleunternehmen – mit Emissionszielen, die den Pariser Zusagen entsprechen, sind alle europäisch. Dies dürfte als Beleg angesehen werden, dass die EU bei der Energiewende nach wie vor deutlich vor den chinesischen und amerikanischen Kollegen liegt.

Matthews betonte aber, dass es auch „sinnvolle Maßnahmen“ amerikanischer Unternehmen zur Reduzierung der CO2-Emissionen gebe.

Bemerkenswert ist, dass die Unternehmen, die in einer CDP-Studie im Jahr 2018 die ersten fünf Plätze für die höchsten Investitionen in erneuerbare Energien belegten, dem 2°C-Benchmark am nächsten kommen.

Während zwar kein Unternehmen über einen Weg verfügt, das 2°C-Ziel tatsächlich zu erreichen, nähern sich Shell, Eni und Total dem Zielwert immerhin an. Auch bei ihnen sind jedoch noch zusätzliche Maßnahmen erforderlich, um den Richtwert zu erreichen.

Eine Reihe großer Energiekonzerne haben ebenfalls versprochen, Netto-Null-Emissionen zu erreichen – was bedeutet, dass sie bis 2050 so viele Emissionen kompensieren müssten, wie sie produzieren.

Im Sommer dieses Jahres hat der Verband der europäischen Ölraffinerieindustrie, zu dessen Mitgliedern Shell und Total gehören, einen 650 Milliarden Euro schweren Plan zur vollständigen Dekarbonisierung von Verkehrskraftstoffen bis 2050 skizziert und erklärt, dass es nach der COVID-19-Krise „für die Kraftstoffindustrie keine Rückkehr zum business as usual“ geben könne.

Dies wird zum Teil durch den Trend in der Automobilindustrie hin zu Elektroautos ausgelöst.

Die TPI moniert jedoch, dass diese Aussagen einmal mehr ehrgeiziger sein könnten als die tatsächlichen Pläne.

[Bearbeitet von Frédéric Simon]

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