Katzenvideos, Pornos und Netflix: Ein ökologisches Problem

Eine Lösung: Digital Detox. [Dan Dickinson / Flickr]

Sich durch YouTube klicken, Pornos im Internet sehen oder das klassische Binge-Watching von Serien wie Game of Thrones: Dies sind wachsende Bedrohungen für die Klimaziele, zeigt eine am vergangenen Donnerstag veröffentlichte französische Studie.

Die durch Online-Videos verursachten Treibhausgasemissionen haben laut einer Studie von The Shift Project, einem französischen Think-Tank, ein „alarmierendes Niveau“ erreicht.

Im Jahr 2018 wurden auf diese Weise 300 Millionen Tonnen CO2 ausgestoßen. Das entspricht den jährlichen Kohlendioxidemissionen Spaniens bzw. einem Prozent der globalen Emissionen, erklärten die Forscherinnen und Forscher. Auffällig dabei ist: Der überwiegende Teil davon entfällt auf Entertainment.

„Dieser Bericht zeigt, dass die meisten Videos, die rund 80 Prozent des Internetverkehrs ausmachen, zu Unterhaltungs- oder Werbezwecken konsumiert werden,“ erläutert Hugues Ferreboeuf vom Shift Project.

Umweltfaktor Internet

Große Rechenzentren mit tausenden Computern stecken hinter unseren Cloud-Diensten und Smartphones. Deren Energiebedarf ist gewaltig. Dabei gäbe es Möglichkeiten, diese Rechenzentren umweltfreundlicher zu betreiben.

Laut der Studie werden 21 Prozent dieser Unterhaltungs- oder Werbevideos auf Streaming-Plattformen wie YouTube konsumiert. Weitere 34 Prozent sind sogenannte Videos-on-Demand, zum Beispiel Filme oder Serien auf Plattformen wie Netflix oder Amazon Prime.

Weitere 18 Prozent sind Videos, die in sozialen Netzwerken gepostet und geteilt werden – während Pornografie mit 27 Prozent „nur“ auf Rang zwei liegt.

„Unsere aktuellen Konsum-Muster sind direkt verantwortlich für unsere Unfähigkeit, unseren CO2-Fußabdruck zu reduzieren. Dennoch neigen wir nach wie vor dazu, uns an der Idee zu stoßen, diese Muster zu verändern,“ räumt Ferreboeuf ein.

Dabei wäre eine solche Veränderung seiner Ansicht nach „nicht nur möglich, sondern angesichts der Klimakatastrophe auch wünschenswert.“

Zeit für kollektives „Digital Detox“?

Das Shift Project schlägt daher (ironischerweise in einem Video mit sarkastischem Titel) vor, das Video-Streaming auf eine Stunde pro Tag zu beschränken. Außerdem fordert die Institution mehr „digitale Nüchternheit“. Also: weniger Game of Thrones, Katzenvideos und Pornos sowie weniger häufiges Austauschen technischer Geräte. So könne man effektiv globale Emissionen reduzieren.

„Nüchtern“ bedeute in dieser Hinsicht, „unsere Verwendungen und Konsum-Muster so neu zu erfinden, dass sie mit den klimatischen Bedingungen vereinbar sind,“ sagt auch der Hauptautor der Studie, Maxime Efoui-Hess.

CO2-Emissionen: Langsam wird es eng

Es wird zunehmend unwahrscheinlicher, dass der globale Temperaturanstieg auf 1,5°C begrenzt werden kann.

Neben der Veränderung des individuellen Verhaltens seien neue Gesetze und eine Änderung der Gestaltung von Videoplattformen erforderlich. Funktionen wie Autoplay oder eingebettete Videos, die darauf abzielen, den Videokonsum zu maximieren, sollten nach Ansicht des Think-Tanks eingegrenzt werden.

Matthieu Auzanneau, Geschäftsführer von The Shift Project, fasst zusammen: „Wenn wir es mit der Energiewende ernst meinen, müssen wir auch die wachsenden Auswirkungen des Digitalsektors berücksichtigen.“

[Bearbeitet von Frédéric Simon und Tim Steins]

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