„Katastrophale Erderwärmung“: Produktion fossiler Brennstoffe muss um sechs Prozent jährlich sinken

Im Jahr 2019 gaben die G20-Länder 130 Milliarden Dollar für die Subventionierung fossiler Brennstoffe aus. [stevepb / Pixabay]

Die Regierungen der Welt müssen die Produktion fossiler Brennstoffe im kommenden Jahrzehnt jedes Jahr um sechs Prozent reduzieren, wenn das 1,5°C-Ziel erreicht und die katastrophale Erderwärmung begrenzt werden soll, so eine neue Studie.

Die weltweite Produktion von fossilen Brennstoffen wird voraussichtlich um mehr als 120 Prozent über dem Wert liegen, der für eine Anpassung an das 1,5°C-Ziel des Pariser Klimaabkommens erforderlich ist. Dies geht aus einem groß angelegten Bericht hervor, der heute vom UN-Umweltprogramm und anderen Forschungsgruppen veröffentlicht wurde.

„Dieser Bericht wirft ein Licht darauf, wie Regierungsmaßnahmen in vielen Fällen das Risiko eines „Lock-in“ in fossile Energieträger bergen,“ warnte Måns Nilsson, Exekutivdirektor des Stockholm Environment Institute, das an der Studie beteiligt war.

Es sei „an der Zeit, sich eine bessere Zukunft vorzustellen und dafür zu planen.“

Ombudsfrau: EU hat Klimarisiken von Gasprojekten nicht ordentlich geprüft

Die Europäische Kommission hat Erdgasprojekten einen Prioritätsstatus gewährt, ohne deren Auswirkungen auf den Klimawandel angemessen zu bewerten, so die Ombudsfrau der Europäischen Union in einer Entscheidung am Dienstag (17. November).

Der Production Gap Report des UNEP, der erstmalig im Jahr 2019 vorgelegt wurde, misst die Diskrepanz zwischen den Zielen des Pariser Abkommens und der geplanten Produktion an fossilen Brennstoffen. Der diesjährige Bericht befasst sich zudem mit den Auswirkungen der COVID-19-Pandemie und der Frage, wie Konjunkturmaßnahmen einen grünen Übergang fördern könnten.

Um mit den Pariser Zielen übereinzustimmen, müsste die Produktion von Kohle, Öl und Gas demnach um elf, vier bzw. drei Prozent sinken. Im Bericht wird jedoch geschätzt, dass die Produktion für jeden dieser Energieträger stattdessen bis 2030 um zwei Prozent wachsen wird.

„Die verheerenden Waldbrände, Überschwemmungen und Dürren dieses Jahres und andere sich anbahnende extreme Wetterereignisse erinnern uns eindringlich daran, warum es uns gelingen muss, die Klimakrise zu bewältigen,“ so Inger Andersen, Exekutivdirektorin des Umweltprogramms der Vereinten Nationen. „Wenn wir versuchen, die Wirtschaft nach der COVID-19-Pandemie wieder anzukurbeln, werden Investitionen in CO2-arme Energie und Infrastruktur gut für Arbeitsplätze, für die Wirtschaft, für die Gesundheit und für saubere Luft sein.“

Es wird erwartet, dass aufgrund von COVID-19 die Produktion fossiler Brennstoffe um bis zu sieben Prozent gedrosselt wird. Doch obwohl die Verlangsamung voraussichtlich nur vorübergehend sein wird, könnte sie auch einen potenziellen Wendepunkt in der Produktion fossiler Brennstoffe markieren, hofft das UNEP.

Warum der Ölpreis verrückt spielt

Was für Zeiten: Käufer bekommen Rohöl geschenkt und dazu noch eine Prämie. Liegt das nur am Coronavirus oder an den Besonderheiten des Ölmarktes? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

In diesem Jahr haben die erneuerbaren Energien zum ersten Mal die fossilen Brennstoffe bei der Stromerzeugung in der EU überholt und damit einen „symbolischen Moment“ in der Wende des EU-Stromsektors markiert, so Analysten.

Der Einbruch des Ölpreises in diesem Jahr hat die Verwundbarkeit der von fossilen Brennstoffen abhängigen Regionen und Gemeinden verdeutlicht, so Ivetta Gerasimchuk vom International Institute for Sustainable Development in Kanada. „Die Regierungen sollten die Mittel zur Konjunkturbelebung auf die wirtschaftliche Diversifizierung und den Übergang zu sauberer Energie lenken, die langfristig ein besseres Wirtschafts- und Beschäftigungspotenzial bietet“, sagte Gerasimchuk, die ebenfalls zu den Hauptautoren des Berichts gehört, daher. „Dies mag eine der größten Herausforderungen des 21. Jahrhunderts sein, aber es ist notwendig und machbar,“ fügte sie hinzu.

Im Jahr 2019 gaben die G20-Länder 130 Milliarden Dollar für die Subventionierung fossiler Brennstoffe aus – das Vereinigte Königreich, die Türkei und Saudi-Arabien nicht mitgerechnet.

Seit Beginn der Pandemie haben die G20 laut Energy Policy Tracker insgesamt 234,73 Milliarden Dollar für fossile Brennstoffe bereitgestellt, verglichen mit 151,29 Milliarden an Subventionen für saubere Energie.

Kein einziger Kohle-, Öl- oder Gaskonzern würde die Pariser Klimaziele erreichen

Keiner der weltweit größten Kohle-, Öl- und Gaskonzerne ist auf gutem Wege, die Klimaerwärmung bis 2050 auf 2°C zu begrenzen, so eine neue Studie.

Derweil sind die Konjunkturgelder im EU Recovery Fund auch für fossile Energieträger wie Erdgas verfügbar – trotz der Einwände von Umwelt-NGOs sowie diverser Politikerinnen und Politiker links der Mitte.

Europa ist laut dem World Energy Outlook 2019 der größte globale Gasimporteur und könnte die globale Produktion somit beeinflussen, indem es seine eigene Nachfrage nach fossilen Brennstoffen reduziert.

Der Bericht skizziert des Weiteren sechs Handlungsfelder für Regierungen, um das Thema fossile Brennstoffe in Konjunkturplänen einzubauen, darunter die Reduzierung der staatlichen Unterstützung für fossile Brennstoffe, eine stärkere Unterstützung für eine gerechte Energiewende, verbesserte Transparenz und globale Zusammenarbeit.

„Die Forschung zeigt überdeutlich, dass uns eine schwere Klimakatastrophe droht, wenn die Länder der Welt weiterhin fossile Brennstoffe auf dem derzeitigen Niveau produzieren – ganz zu schweigen von ihren geplanten Steigerungen,“ mahnte Michael Lazarus, einer der Hauptautoren des Berichts und Direktor der US-Abteilung des Stockholm Environment Institute.

[Bearbeitet von Frédéric Simon]

EU-Staaten gaben während der Krise mehr für fossile Brennstoffe als für saubere Energie aus

Frankreich, Deutschland und Italien haben während der Coronavirus-Krise zusammen 44 Milliarden Dollar für fossile Brennstoffe ausgegeben, gegenüber 29 Milliarden Dollar für saubere Energie.

EU-Parlamentarier zerstritten über Erdgas im Just Transition Fund

Am heutigen Montag wird der Regionalausschuss des EU-Parlaments über einen Entwurf des Just Transition Funds abstimmen, der als hoch umstritten gilt. Ausgerechnet im Umweltausschuss hatte sich eine Front von Abgeordneten formiert, die die Förderung von Erdgas fordert.

Greenpeace: Polnischer Kohleausstieg "schon" 2035 problemlos möglich

Polen könnte selbst unter einem „Business as usual“-Szenario im Jahr 2035 komplett aus der Kohleenergie aussteigen. So heißt es jedenfalls in einem Greenpeace-Bericht, für den die neuesten Pläne der Regierung für den nationalen Energiesektor analysiert wurden.

Subscribe to our newsletters

Subscribe