Kapazitäten für Erneuerbare Energien 2019 weltweit auf Rekordniveau

Eine Detailansicht von Solarmodulen in Dresden. [EPA-EFE/FILIP SINGER]

Der Anteil Erneuerbarer Energien an der weltweiten Stromerzeugung ist im vergangenen Jahr erneut gestiegen. Die durch Investitionen finanzierten Kapazitäten lagen 2019 sogar auf einem Rekordniveau. Das geht aus einem aktuellen Bericht über globale Investitionen in Erneuerbare Energien hervor.

Im vergangenen Jahr sind weltweit rund 280 Milliarden Dollar in den Ausbau Erneuerbarer Energien investiert worden – rund ein Prozent mehr als im Vorjahr, aber rund zehn Prozent weniger als im Rekordjahr 2017. 

Das zeigt der Report “Global Trends in Renewable Energy Investment 2020”, der gestern (10. Juni) vom UNEP-Collaborating Centre der Frankfurt School of Finance & Management und dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) vorgestellt wurde. Der Bericht zeigt zukünftige Trends auf, da er die Kapazitäten in den Blick nimmt, die im vergangenen Jahr finanziert wurden, aber erst in den nächsten Jahren erreicht werden.

Trotz eines nahezu gleichbleibenden Investitionsniveau erreichte die finanzierte Kapazität im vergangenen Jahr mit 184 Gigawatt ein Rekordniveau.  

“Das zeigt, dass solche Investitionen attraktiver werden”, sagt Professor Dr. Ulf Moslener, Mitherausgeber des Reports und Wissenschaftlicher Leiter des Frankfurt School-UNEP Collaborating Centre. Für das gleiche Investment wie im Jahr 2018 konnte man im vergangenen Jahr rund 12 Prozent mehr Kapazität bekommen. 

Größter Anteil fällt auf Wind- und Solarenergie

Rund zwei Drittel der 184 Gigawatt entfielen 2019 auf die Solarenergie – damit erreichte der Energieträger trotz eines im Vergleich zum Vorjahr leicht gesunkenen Investitionsniveaus den bisher höchsten Wert der finanzierten Kapazität. Im Bereich der Windkraft stiegen nicht nur die Investitionen im vergangenen Jahr auf ein Rekordniveau, auch die finanzierten Kapazitäten erreichten 2019 ein Allzeithoch. 

“Wind- und Solarenergie werden immer günstiger und entwickeln sich weltweit zu einer wettbewerbsfähigen sauberen Alternative zu den fossilen Energien”, hebt Bundesumweltministerin  Svenja Schulze (SPD) hervor. 

Der weltweite Trend steht jedoch in einer gegenläufigen Entwicklung zu den Zahlen aus Deutschland. Denn im Vergleich zum Vorjahr ist das Investment Deutschlands in Erneuerbare Energien im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2018 um rund 30 Prozent gesunken. Vor allem der Bereich der Windenergie verzeichnet Deutschland, bedingt durch lang anhaltende Diskussionen über Regularien für den Ausbau von Windkraftanlagen,  im vergangenen Jahr einen starken Investitionseinbruch.

Karsten Sach, Leiter der Abteilung Internationales, Europa, Klimaschutz im BMU zeigt sich dennoch zuversichtlich: “Ich glaube, wir schaffen es, durch finanzielle Anreize und die Auflösung politischer Differenzen auch in Deutschland wieder eine Aufbruchstimmung in der Branche anzuregen”. 

Deutschland im europäischen Vergleich vorne

Insgesamt sind die Investitionen in Kapazitäten für Erneuerbare Energien in Europa im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2018 gesunken. Neben Deutschland verzeichnete auch England einen massiven Einbruch der Investitionen um rund 40 Prozent. Ein starker Investitionsanstieg von rund 25 Prozent im Vergleich zu 2018 wurde hingegen für Spanien und die Niederlande dokumentiert.

Doch der Bericht zeigt auch, dass kein anderer Staat in Europa mit Blick auf das Investitionsvolumen des gesamten vergangenen Jahrzehnts so viel Geld in eine nachhaltige Energieversorgung investiert hat wie die Bundesrepublik. Im gleichen Zeitraum lag Deutschland gemessen am Investitionsvolumen im weltweiten Vergleich auf dem vierten Rang hinter China, den USA und Japan. 

Noch Luft nach oben

Auch wenn sich abzeichnet, dass die Investments in Erneuerbare Energien die Investments in fossile Energieträger übersteigen und die prozentualen Anteile an der Stromerzeugung sukzessive größer werden, zeigt der Bericht auch, dass der Weg zu einer ökologischen Transformation noch lang ist. Denn trotz eines Höchststands an finanzierten Kapazitäten und eines leichten Anstiegs im Vergleich zum Vorjahr, wurden 2019 nur rund 13 Prozent des weltweiten Strombedarfs mit Erneuerbaren Energien gedeckt.

Moslener appelliert daher an die Regierungen, Unternehmen und Konsumenten, jetzt nicht nachzulassen: “Die Pariser Klimaziele sind mehr als nur politische Ziele. Sie sollen ernsthaften Schaden für die Menschen abwenden”. 

Nach Meinung der Experten reicht auch die Verpflichtung von 87 Regierungen, bis 2030 zusätzlich neue Kapazitäten für 826 Gigawatt an Erneuerbaren Energien zu schaffen, nicht aus, um dem Klimawandel zu begegnen: “Diese Ziele und Investments liegen weiter hinter dem zurück, was zur Bekämpfung des Klimawandels erforderlich ist”, sagt Christine Grüning, Senior Project Manager an der Frankfurt School. 

Erneuerbare Energien “am Scheideweg”

“Die Erneuerbare Energien befinden sich an einem Scheideweg”, sagt Moslener. Gerade jetzt, wo zahlreiche Konjunkturprogramme zur Überwindung der Corona-Pandemie verabschiedet würden, gelte es, langfristig in Klimaschutz zu investieren. Zumal für weniger Geld mehr Erzeugungskapazitäten als je zuvor gekauft werden können. 

Sowohl das Wiederaufbauplan der Europäischen Kommission als auch das in der vergangenen Woche von der Bundesregierung präsentierte Konjunkturprogramm machen zumindest  Hoffnung, dass die Politik diese Chance erkennt. Sach ist sich sicher: „Ein entscheidender Schub wird dann kommen, wenn wir auf EU-Ebene darüber diskutieren, wie wir es schaffen können, die EU-Klimaziele anzuschärfen. Das wird die größte Aufgabe der deutschen Umwelt-Ratspräsidentschaft werden, die wir mit großer Kraft und Zuversicht angehen werden.“ 

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