Deutschland werde Pläne zur Anerkennung des Beitrags der Kernenergie zum Klimaschutz in der EU anerkennen und „nicht ablehnen“. Zudem wolle man sich Atomstrom-Wasserstoff nicht versperren.
Jörg Kukies, Staatssekretär im Kanzleramt, sagte in Paris, Deutschland werde den Beitrag der Kernenergie zu den Dekarbonisierungszielen der EU „anerkennen und nicht ablehnen.“
Er erklärte weiter, dass Deutschland französischen Wasserstoff importieren werde, der aus Kernenergie hergestellt wurde.
„Wir werden keine Barrieren errichten oder Regeln schaffen, die Wasserstoff aus Kernenergie verbieten oder diskriminieren“, betonte Kukies auf einer Podiumsdiskussion des Jacques-Delors-Instituts
Wasserstoff kann durch Elektrolyse von Wasser hergestellt werden; dabei entsteht ein Gas, das bei der Verbrennung kein CO2 ausstößt. Frankreichs Kernkraftwerke gelten als eine potenzielle Quelle für wettbewerbsfähigen Wasserstoff.
Deutschland und Frankreich sind seit jeher in der Frage der Kernenergie zerstritten.
Während Frankreich nach Jahren des Zögerns und der Unterfinanzierung inzwischen wieder voll auf Atomkraft setzt, will die Bundesregierung bis 2035 100 Prozent der Elektrizität des Landes aus erneuerbaren Energien gewinnen.
Hinzu kommen Gaskraftwerke für Notfälle, die nach Angaben der Regierung mit Wasserstoff betrieben werden sollen. „Ich denke, dass wir damit radikal und aggressiv vorgehen“, sagte Kukies in Paris.
Der Ausstieg aus der Kernenergie im eigenen Land bei gleichzeitigem Import von Wasserstoff aus Frankreich sei eine „sehr überzeugende Dichotomie“, fügte der Spitzenbeamte hinzu, da dies die EU ermutige, ihren Energiemix zu diversifizieren, anstatt von einer einzigen Quelle abhängig zu sein.
Die französische Premierministerin Elisabeth Borne sagte unterdessen letzte Woche, sie habe „Fragen“ zu Deutschlands Energiestrategie, da das Land seine letzten Kernkraftwerke im April 2023 abschalten wolle.
Frankreich an der Spitze der EU-Atomkraftbefürworter
Frankreich kämpft seit langem dafür, dass nuklear erzeugter Wasserstoff nach den neuen europäischen Vorschriften als „grün“ gilt und somit für öffentliche Fördermittel infrage kommt, da die EU den Import russischer Energiequellen aufgibt.
Frankreich war auch führend in der Entwicklung der Kernenergie und hat sich kürzlich für die Anerkennung der Kernenergie als CO2-arme Energiequelle in der EU eingesetzt.
EURACTIV enthüllte zuletzt, dass Frankreich an der Spitze einer neuen „EU-Atomallianz“ mit 10 anderen Mitgliedstaaten stehen würde, um über die gesamte nukleare Versorgungskette hinweg „enger zusammenzuarbeiten“ und relevante „strategische Projekte“ zu fördern – eine Allianz, der Deutschland nicht angehört.
Kukies scheint zwar anzudeuten, dass nuklear erzeugter Wasserstoff nicht diskriminiert werden darf, aber er machte auch deutlich, dass die Kernenergie nur bis zu einem gewissen Grad zur Unterstützung des grünen Wandels in der EU beitragen kann.
CO2-arme Kernenergie sei nicht erneuerbar und dürfe im Rahmen der EU-Richtlinie über erneuerbare Energien nicht als „gleichwertig“ mit erneuerbaren Energien eingestuft werden, fügte er hinzu.
Frankreich besteht derzeit darauf, dass Atomkraft in die Erneuerbaren-Richtlinie aufgenommen wird, was die Verhandlungen verzögert.
Eine Überarbeitung zielt derzeit darauf ab, dass bis 2030 45 Prozent des gesamten Energiebedarfs der EU aus erneuerbaren Energien stammen sollen.
[Bearbeitet von Nikolaus Kurmayer/Frédéric Simon/Nathalie Weatherald]



