Japan will jetzt auch Netto-Null

Japan wird sich dem Ziel der EU anschließen, bis 2050 Netto-Null-CO2-Emissionen zu erreichen, kündigte Premierminister Yoshihide Suga am Montag an.

Bislang hatte sich das Land verpflichtet, die Emissionen bis 2050 um 80 Prozent gegenüber dem Stand von 2010 zu reduzieren, wobei das Netto-Null-Ziel für einen undefinierten Zeitpunkt in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts festgelegt wurde.

Das asiatische Land werde nun sein Klimaziel erhöhen und das Datum für die Erreichung des Netto-Null-Emissionsziels auf 2050 vorziehen, sagte Suga in seiner ersten politischen Rede vor dem japanischen Parlament seit seinem Amtsantritt im vergangenen Monat.

Die Bekämpfung des Klimawandels werde nicht länger eine „Beschränkung“ des Wirtschaftswachstums angesehen, sagte der japanische Premierminister vor Parlamentsabgeordneten.

In Brüssel begrüßte die Europäische Kommission die Ankündigung. „Ich beglückwünsche Japan zu einem Ziel, das sich alle Industrienationen setzen sollten, um den Klimawandel zu stoppen“, sagte Ursula von der Leyen, die Präsidentin der Europäischen Kommission.

„Japan ist ein guter Freund und Verbündeter, und wir freuen uns darauf, mit ihm auf Netto-Null-Emissionen im Jahr 2050 hinzuarbeiten. Die Welt kommt für das Klima zusammen“, fügte sie auf Twitter hinzu.

Auch Frans Timmermans, der Exekutiv-Vizepräsident der Kommission und Beauftragter für den europäischen Green Deal, begrüßte die Ankündigung: „Japan zeigt globale Führungsstärke, indem es ein Netto-Null-Klimaziel für 2050 festlegt und seine Verpflichtung im Rahmen des Pariser Klimaabkommens einhält“.

Nippon ist unter erheblichen Druck geraten, Chinas Netto-Null-Ziel bis 2060 und Südkoreas Pläne zur Einführung eines Netto-Null-Ziels bis 2050 zu erreichen.

Japan, das die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt und der fünftgrößte Emittent von Treibhausgasen ist, wurde auch wegen seiner starken Abhängigkeit von Kohle kritisiert und ist aktuell das einzige G7-Land, das noch Kohlekraftwerke baut.

Suga sagte, seine Regierung werde die Politik in Bezug auf Kohlekraftwerke „radikal ändern“ und fügte hinzu, seine Regierung werde „maximale Anstrengungen“ unternehmen, um eine „grüne Gesellschaft“ zu erreichen.

Japans Klimapolitik wird gegenwärtig im Climate Action Tracker als „höchst unzureichend“ eingestuft – was bedeutet, dass sein national festgelegter Beitrag, der als Teil des Pariser Abkommens eingereicht wurde, keinen ausreichenden und fairen Anteil an der Bekämpfung der globalen Emissionen ausmacht. Laut dem Climate Action Tracker, einer unabhängigen Forschungsinitiative von Climate Analytics und New Climate Institute, wird das Land bei der derzeitigen Politik das 2°C-Erwärmungsziel nicht erreichen, geschweige denn das etwas ambitioniertere 1,5°C-Ziel.

Klar ist auch: Japan wurde von der COVID-19-Krise hart getroffen. Seine CO2-Emissionen sanken in den ersten sechs Monaten des Jahres 2020 im Vergleich zum gleichen Zeitraum 2019 um 7,5 Prozent, was auf die sinkende Energienachfrage infolge des Lockdowns zurückzuführen ist.

In Japan waren die Emissionen bereits rückläufig, und die Ankündigung von Suga folgt auf eine kürzlich getroffene Entscheidung, ineffiziente Kohlekraftwerke auslaufen zu lassen und die Offshore-Windkapazität zu erhöhen. Nach dem aktuellen Energieplan Tokios für das Jahr 2030, der für Mitte 2021 vorgesehen ist, sollen erneuerbare Energien dennoch nur 22-24 Prozent der Stromerzeugung liefern, wobei Kohle, Öl und Gas 56 Prozent und die Atomenergie den Rest bereitstellen sollen.

„Der Ausstieg aus der Kohleverstromung muss sicherlich viel früher erfolgen als das, was die Regierung diskutiert hat“, kommentiert dazu Takshi Kuramochi, Klimapolitikforscher am NewClimate Institute.

Um bis 2050 Netto-Null zu erreichen, müsse die japanische Regierung den Kohleanteil im Energiemix „weit über das derzeitige Ziel“ von 26 Prozent hinaus reduzieren und vor allem die Emissionen im Industriesektor angehen, sagte er gegenüber Climate Home News.

[Bearbeitet von Frédéric Simon]

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