Irland arbeitet an der Aufforstung dezimierter Wälder

Um den drastischen Rückgang der artenreichen, CO2-bindenden Waldökosysteme Irlands zu stoppen, müssen Überweidung und invasive Arten bekämpft werden, damit sich die Natur erholen kann. [Photo credit: Hometree]

Obwohl Irland als „Grüne Insel“ bekannt ist, gehört es zu den am wenigsten bewaldeten Ländern der Europäischen Union. Die Regierung bemüht sich nun, die Aufforstung zu fördern und verlorenen Boden zurückzugewinnen.

Vor sechstausend Jahren waren 80 Prozent Irlands mit Wald bedeckt – eine Zahl, die nach Angaben der irischen Behörde für Landwirtschaft und Lebensmittelentwicklung bis Ende des 19. Jahrhunderts auf nur ein Prozent geschrumpft war.

Diese Abwärtsspirale wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts umgekehrt, als der neue unabhängige irische Staat die Anpflanzung von Bäumen förderte, wodurch der Waldflächenanteil in Irland wieder auf elf Prozent anstieg.

Die Regierung will diesen Anteil jedoch durch eine Reihe von Initiativen auf 18 Prozent erhöhen, unter anderem durch forstwirtschaftliche Zuschüsse insbesondere für Landwirte, um die Anpflanzung von Bäumen zu fördern, damit das Ziel „in einigen Jahrzehnten“ erreicht wird, so die Behörde.

Anstrengungen zur Wiederherstellung von Wäldern sind nicht nur in Irland zu beobachten. In der EU versucht die Europäische Kommission, den Verlust von Natur und Artenvielfalt mit dem kürzlich verabschiedeten Gesetz zur Wiederherstellung der Natur umzukehren, das Ziele für die Wiederherstellung von Ökosystemen wie Wäldern umfasst.

Doch nur wenige EU-Länder haben so viel Arbeit vor sich wie Irland. Laut Eurostat gehört Irland zu den Ländern mit dem geringsten Anteil an bewaldeter Fläche in der EU – knapp vor kleineren Ländern wie den Niederlanden (zehn Prozent) und der kleinen Insel Malta (1,5 Prozent).

Um den drastischen Rückgang der artenreichen, CO2-bindenden Waldökosysteme Irlands zu stoppen, müssen Überweidung und invasive Arten bekämpft werden, damit sich die Natur erholen kann.

„Irlands Landschaften sind durch Überweidung, invasive Arten und andere menschliche Einflüsse stark beeinträchtigt. Die meisten Arten, die für funktionierende Ökosysteme benötigt werden, sind in irischen Lebensräumen vorhanden, werden aber stark unterdrückt. Wir müssen der Artenvielfalt einfach den nötigen Raum geben, damit sie sich zurückentwickeln kann“, sagte Rory Hodd, ein Botanikforscher.

Landwirte und lokale Gemeinden mit ins Boot holen

Hodd berät ein Projekt namens Hometree, das sich für den Schutz, die Wiederherstellung und die Schaffung neuer irischer Waldgebiete einsetzt. Die Arbeit umfasst das Abgrenzen alter Wälder, um eine natürliche Regeneration zu ermöglichen, das Pflanzen von Bäumen, das Sammeln von Samen und deren Aufzucht in einer Baumschule – alles in Zusammenarbeit mit Fachleuten, um sicherzustellen, dass die Maßnahmen auf die lokale Umgebung abgestimmt sind.

Ihre Anstrengungen teilen sich auf in die Zusammenarbeit mit Landwirten zur Erhaltung und Wiederherstellung landwirtschaftlicher Flächen und in Projekte auf Flächen, die Hometree gehören.

Dass Hometree über eigenes Land verfügt, sei wichtig, um sich in der Gemeinde zu engagieren, zu zeigen, was Restaurierungsmaßnahmen bewirken können, und Raum für die Erprobung verschiedener Praktiken zu schaffen, so Ray Ó Foghlú, Projektleiter der Organisation.

„Eine der ersten Flächen, die wir bekamen, war ein kleines, 15 Hektar großes Waldgebiet hier in West Clare. Daraufhin erhielten wir vom irischen Landwirtschaftsministerium Mittel für die Zusammenarbeit mit örtlichen Landwirten. So konnten wir weitere 100 Hektar einheimischen Waldes auf ihren Höfen schaffen“, erklärte er.

Ó Foghlú warnte, dass die Organisation nicht genug Land kaufen könne, um den Verlust an Natur in Irland rückgängig zu machen, und dass sie auch die Landwirte in die Wiederherstellungsbemühungen einbeziehen muss, beispielsweise indem alte Wälder abgezäunt werden, um Schäden durch Schafe zu verhindern.

„Man wird einen sofortigen Aufschwung der Artenvielfalt erleben, sobald Schafe kein Faktor mehr sind“, sagte Ó Foghlú und erklärte, dass die Beweidung durch Schafe die Regeneration verhindert und die Bodenflora und Sträucher zum Erliegen bringt.

„Das ist alles latent vorhanden und wartet darauf, wieder aufzutauchen“, fügte er hinzu.

Auch wenn es anfangs schwierig sein könne, Landwirte für das Projekt zu gewinnen, da einige von ihnen schlechte Erfahrungen mit der Einrichtung von Schutzgebieten ohne jegliche Entschädigung gemacht hätten, seien die Landwirte, mit denen Hometree zusammenarbeitet, gerne bereit, sich zu engagieren, und hätten einen großen Nutzen davon, sagte Ó Foghlú.

Er erklärte, dass Restaurierungs- und Erhaltungsmaßnahmen dazu beitragen würden, einen widerstandsfähigeren Betrieb zu schaffen. Dazu gehören ein besserer Schutz von Gewässern und Unterschlupfmöglichkeiten für das Vieh sowie die Unterstützung von Betrieben, die durch staatliche Zahlungen für die Schaffung von Wäldern finanziell besser abgesichert sind.

Langfristige Anstrengungen

Er wies jedoch darauf hin, dass es immer noch Herausforderungen gäbe, wie beispielsweise die Lokalisierung kleinerer Urwaldgebiete und fehlende finanzielle Anreize für Landwirte, diese zu schützen.

Die Einbindung ländlicher Gemeinden und Landwirte ist auch bei der Bekämpfung invasiver Arten von entscheidender Bedeutung. Der Rhododendron ist eine der problematischsten Arten, da er auf den sauren Böden Irlands gedeiht, sich sehr schnell ausbreitet und die einheimischen Pflanzen verdrängt.

Laut Ó Foghlú ist die Bekämpfung dieser Art eine große Aufgabe, die gemeinschaftliches Engagement erfordert.

„Die Beseitigung eines großen Befalls und das Abtöten der Pflanzen ist natürlich eine sehr große Aufgabe. Aber danach braucht man eine leichte Pflege, bei der man das Land abläuft und Setzlinge ausreißt“, sagte er und fügte hinzu, dass dies über die Fähigkeiten des Staates hinausgehe und gesunde ländliche Gemeinden für die Durchführung benötigt würden.

Wie die Bekämpfung invasiver Arten ist auch die Wiederherstellung von Wäldern ein längerfristiger Prozess, bei dem es Jahrzehnte dauern kann, bis sich das Ergebnis zeigt. Dies gilt insbesondere für neu angepflanzte Wälder, die Zeit brauchen, um sich zu biodiversen Gebieten zu entwickeln.

Hometree experimentiert mit der Beschleunigung dieses Prozesses, indem es die Bodenflora mit Hilfe von Stecklingen transportiert, um ihr Wachstum anzukurbeln. Das Experiment steckt noch in den Kinderschuhen und wurde bisher nur an einem Standort ausprobiert, aber die Ergebnisse sind positiv.

„Sie haben sich wirklich gut entwickelt. Sie wurden als 20 mal 20 Zentimeter große Steckling[sflächen] eingesetzt, und nach einem Jahr Wachstum sind sie jetzt wahrscheinlich 50 Zentimeter groß, und man sieht, dass sich die Flora ausbreitet“, sagte Ó Foghlú.

Die Langfristigkeit der Wiederherstellungsmaßnahmen erfordert auch eine ebenso langfristige und vorhersehbare Finanzierung, so Hodd.

„Auf sehr lange Sicht, wenn eine gute Strategie vorhanden ist und die Finanzierung der Maßnahmen gesichert ist, können wir vielleicht in ein paar Jahrzehnten sinnvolle, groß angelegte Veränderungen sehen, aber es muss etwas in großem Maßstab und Nachhaltiges sein“, sagte er.

Für die Verbesserung der Qualität der Lebensräume in Irland, einschließlich der Moore, Wälder und Küstenlebensräume wie Machairs – flache, grasbewachsene Gebiete am Meer – wurden bereits angemessene Mittel zur Verfügung gestellt.

Hodd betonte jedoch, dass diese Projekte zwar über ein gutes Budget verfügen und gute Fortschritte machen, aber im Gesamtkontext, in dem es darum geht, den Rückgang von Lebensräumen und Arten aufzuhalten, „nur ein winziger Tropfen auf den heißen Stein“ seien.

Bis 2030 will die EU drei Milliarden neue Bäume pflanzen, um den Klimawandel zu bekämpfen und den Verlust der Artenvielfalt aufzuhalten.

[Bearbeitet von Frédéric Simon/Alice Taylor/Kjeld Neubert]

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