Interview: keine ‚großen‘ CO2-Senkungen bei Kohlekraftwerken vor 2020 [DE]

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Die EU sollte einen strengen Zeitplan mit verbindlichen Verpflichtungen annehmen, um sicherzustellen, dass bis 2030 alle neuen kohlebefeuerten Kraftwerke das CO2, das sie ausstoßen, abschieden und speicherten, sagte der britische liberale Europaabgeordnete Chris Davies in einem Interview mit EURACTIV.

Allein in den kommenden fünf Jahren werden in der EU 50 neue kohlebefeuerte Kraftwerke errichtet. Dies führt zu Bedenken, dass die Energiepolitik der Union mit ihren Bemühungen in Widerspruch steht, bis 2020 die gesamten CO2-Emissionen um 20% zu kürzen und 20% des Energiebedarfs aus erneuerbaren Energiequellen zu gewinnen.

Eine Lösung könnte die Technologie der Kohlenstoffabscheidung und -speicherung (CCS) sein. Sie ermöglicht es, CO2, das bei der Energiegewinnung aus Kohle entsteht, in geologischen Formationen zu speichern, um zu verhindern, dass es in die Atmosphäre gelangt.

CCS ist laut Industrieexperten zwar technisch umsetzbar, jedoch teuer. Zudem haben weder Regierungen noch der Privatsektor bisher ernsthaft Mittel zur Verfügung gestellt, um die Entwicklung dieser Technologie voranzutreiben.

Davies ist der Berichterstatter im Parlament über den Kommissionsvorschlag zur Schaffung eines Rechtsrahmens für CO2-Speicherung und andere Aspekte, die mit der Entwicklung der CCS im Zusammenhang stehen. Er sagt, die Mitgliedstaaten müssten politisch gesehen stärker ihren Willen demonstrieren und ihrem Versprechen vom März 2007 gerecht werden, bis 2015 zwölf große CCS-Demonstrationsprojekte umzusetzen.

Bisher seien diesem Versprechen „keine wirklichen Taten gefolgt“. Das Vereinigte Königreich sei dem am nächsten, jedoch in eher kleinem Umfang, sagte Davies.

Obwohl der Europaabgeordnete die Nutzung von öffentlichen Mitteln zur Förderung der Technologie unterstützt, schlägt Davies eine Möglichkeit vor, um den Privatsektor dazu zu bringen, einen Teil der Rechnung zu übernehmen: Energieunternehmen könnte im Rahmen des EU-Emissionshandelssystems (EU-ETS) die doppelte Menge an Krediten gewährt werden, wenn sie CO2 mittels der CCS-Technologie speicherten.

„Die Kommission ist momentan in diesem Punkt geteilter Meinung, aber ich denke, sie ist offen dafür, sich überzeugen zu lassen“, sagte Davies. „Ich habe kürzlich mit einer Reihe von Stakeholdern aus Wirtschaft und NGO-Kreisen gesprochen, darunter Vattenfall und WWF. Niemand hatte eine Alternative. Alle anderen Optionen, die vorgebracht werden, passen einfach nicht zusammen; diese möglicherweise schon.“, fügte er hinzu.

Davies wird am 6. Mai 2008 an einer Pressekonferenz in Brüssel teilnehmen, um seinen Vorschlag für einen Zeitplan anzukündigen, nach dem alle neuen kohlebefeuerten Kraftwerke mit der CCS-Technologie ausgestattet sein müssten. Die Einzelheiten des Zeitplans müssen noch erarbeitet werden. „Wir können es für jedes Kohlekraftwerk, das ab dem heutigen Zeitpunkt gebaut wird, zur Pflicht machen, bis 2030 die CCS-Technologie anzuwenden. Ich glaube, dies ist eine vollkommen realistische Vorgabe“, sagte Davies.

Er gestand jedoch auch ein, dass dieser Zeitrahmen für die EU zu spät kommen könnte, was ihr Ziel zur Senkung der CO2-Emissionen um 20% bis 2020 betreffe.

„Ich glaube, bis 2020 wird die Welt recht anders aussehen. Wir werden einen enormen Ausstoß von CO2-Emissionen nicht verhindern können. Aber wir werden uns auf dem Weg befinden, die notwendigen Änderungen herbeizuführen“, sagt Davies.

Um das vollständige Interview mit Chris Davies zu lesen, klicken Sie bitte hier.

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