Interview: „Frankreich wird letztlich in Entflechtung einwilligen“ [DE]

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Obwohl die französische Regierung gegenwärtig gegen diesen Vorschlag ist, werde sie letztlich der ‚eigentumsrechtlichen Entflechtung‘ zustimmen. Dies werde mithilfe eines „diplomatischen Manövers“ geschehen, das die Preisregulierung schützen soll, behauptet Charles Beigbeder, der Vorstandvorsitzende von Poweo, in einem Interview mit EURACTIV Frankreich.

„Es würde mich überhaupt nicht überraschen, wenn am Ende der französischen Ratspräsidentschaft oder Anfang 2009 die Entflechtung der Preisregulierung zum Opfer fallen würde“, sagte Beigbeder.

Der Vorstandvorsitzende von Poweo, eines der fünf konkurrierenden Unternehmen auf dem französischen Strommarkt, glaubt jedoch, dass Preisregulierungen auf den heimischen Märkten „akzeptabel“ seien, vorausgesetzt die Preise würden auf einem Niveau festgesetzt, das Investitionen ermöglicht.

Am 14. Mai 2008 legten Frankreich, Deutschland und sechs weitere Mitgliedstaaten einen Alternativvorschlag zu den umstrittenen Kommissionsplänen vor, die den Wettbewerb auf den EU-Energiemärkten erhöhen wollen, indem Energieunternehmen aufgebrochen werden – ein Prozess, der als „eigentumsrechtliche Entflechtung“ bekannt ist (EURACTIV vom 16. Mai 2008). Im Rahmen dieses Vorhabens würden französische Energieriesen wie GDF gezwungen, ihre Energieproduktions- und Übertragungsaktivitäten voneinander zu trennen oder sie könnten sich mit Maßnahmen seitens der Kommission konfrontiert sehen (EURACTIV vom 23. Mai 2008).

Beigbeder meint jedoch, der Widerstand gegen Entflechtung könnte nachlassen. Deutsche Konzerne wie RWE AG und E.ON kündigten kürzlich an, dass sie ihre Gas- bzw. Stromnetze verkaufen würden, um langwierige Kartellverfahren der EU beizulegen (EURACTIV vom 2. Juni 2008 und 29. Februar 2008).

„Die Position des deutschen Kanzleramts wurde durch die neue Haltung E.ONs geschwächt“ und „die Opposition der Länder, die eine eigentumsrechtliche Entflechtung ablehnen, ist eher schwach“, sagte Beigbeder.

‚Natürliche Monopole’ sowohl für Energieerzeugung als auch Energieverteilung seien „nicht normal“, daher sei es logisch, dass das Eigentum an einem Netz nicht nur auf „etablierte Energieanbieter“ begrenzt sei, erklärte er.

Beigbeder forderte, dass kleinere Unternehmen wie das seine, genauso behandelt werden sollten, wie größere „etablierte Energieanbieter“, „da wir deren Konkurrenten sind“. Dennoch gestand der ein, dass „es schwierig einzuschätzen ist“, ob zu den Energieliberalisierungsplänen der Kommission ein Kompromiss gefunden werden könne, auch wenn jüngst Fortschritte zu verzeichnen gewesen seien.

Die Frage, ob Verteilungsnetze staatlich oder im Besitz „anderer Anbieter“ sein sollten, sei in der Entflechtungsdebatte weniger relevant, sagte er. Seiner Meinung nach sei der wichtigste Aspekt, dass „Anbieter nicht gleichzeitig das Netz besitzen und [Energie] erzeugen dürfen“.

Die EU will bis 2020 20% ihres Energiebedarfs durch erneuerbare Energiequellen decken. Im Januar 2007 übertrug die Kommission dieses Ziel in konkrete Zielvorgaben für jeden einzelnen Mitgliedstaat (siehe LinksDossier) und teilte Frankreich ein Ziel von 23% zu.

Beigbeder sieht das ehrgeizige Ziel für Frankreich in Höhe von 23% als eine Möglichkeit, Wohlstand und Arbeitsplätze zu schaffen. Er ist der Meinung, dass das höhere Ziel eine ideale Möglichkeit für die französische Industrie sei, aus ihrer enormen Expertise über erneuerbare Energie zu schöpfen. „Bei Poweo erachten wir neue Energiequellen, wie Wind-, Sonnen-, Biomasse- und Wasserenergie als grundlegend“ für die Strategie, sagte er.

Zudem müssten Energiesparmaßnahmen, CO2-Emissionsreduktionen, Entwicklung im Bereich Atomenergie und Unterstützung der Kohlenstoffabscheidung und -speicherung (siehe LinksDossier) ebenfalls eine Rolle spielen, fügt Beigbeder hinzu.

Um das vollständige Interview auf der Internetseite von EURACTIV Frankreich zu lesen, klicken Sie bitte hier.

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