In einem Interview mit EURACTIV sagt der Vizepräsident von Shell, Bill Spence, dass die Technologie für die CO2-Abscheidung und –Speicherung (CCS) grundlegend sein werde, wolle man fossile Kraftstoffe ökologisch akzeptabel machen, da die weltweite Nachfrage nach Öl, Kohle und Gas in den kommenden Jahrzehnten weiterhin zunehmen werde.
- Fossile Brennstoffe – die ‚bei weitem am meisten vorhandene’ Energiequelle
Trotz ökologischer Bedenken bleiben fossile Brennstoffe die weltweit am meisten vorhandene Energiequelle. Laut Bill Spence, Vizepräsident von Shell, und David Hone, Berater für Klimawandel bei Royal Dutch Shell, sei es ihr möglich, die stetig zunehmende Energienachfrage der Welt zu decken.
Spence und Hone sagten im Interview mit EURACTIV, „wenn wir alle existierenden Energiemöglichkeiten – erneuerbare und nukleare Energien sowie fossile Brennstoffe – betrachten, sind fossile Brennstoffe heute bei weitem die am meisten verbreiteten und haben ein riesiges Potential für Zukunft.“
Es wird erwartet, dass die weltweite Energienachfrage in den kommenden Jahrzehnten sich verdoppelt. Spence und Hones sind der Meinung, dass Technologien, die fossile Brennstoffe ökologisch akzeptabel machten, von entscheidender Bedeutung seien. Der Grund hierfür sei, dass es keiner alternativen Energiequelle allein möglich sei, die Herausforderung zu bewältigen. „Um die Energie, die der Planet bis 2050 benötigen wird, zu verdoppeln, werden wir vermutlich keine Wahl haben zwischen Energie A oder Energie B. Wir denken, es müssen beide sein“, sagte Spence.
- Kohlenstoffspeicherung: ‚eine verbindende Technologie’
Bis erneuerbare Energien weit genug entwickelt seien, um in großem Umfang genutzt zu werden, müssten andere Möglichkeiten in Betracht gezogen werden, so Spencer. „Wie versuchen, die Zunahme erneuerbarer Energien zu schnell wie möglich zu erreichen. Wir erwarten jedoch, dass Kohlenwasserstoffe 60 bis 70% der Last tragen. Es geht wirklich nicht darum, einen Gewinner zu wählen und diesem nachzujagen. Es geht darum, alle Möglichkeiten am Laufen zu halten. Und dies ist der Punkt, wo die CO2-Abscheidung und –Speicherung die Wasserstoff-Option aufrechterhält.“
Laut Spence ist CCS eine ‚verbindende Technologie’, die den ökologischen Bedenken, die fossilen Brennstoffen entgegengebracht würden, gerecht würde, bis andere, sauberere Energiemöglichkeiten weit genug entwickelt seien.
„Wir müssen realisieren, dass es sich um eine fünf- bis sechsfache Steigerung handelt, um zehn Prozent der Wind- und Solarenergie in der Wirtschaft nutzbar zu machen – auch wenn dies erst in 20, 25 Jahren geschehe. Dies ist enorm. Wenigen Industrien ist es bisher gelungen, dies zu erreichen. (…) Somit ist CCS eine verbindende Technologie und sie wird ein sehr wichtiger Teil der Überbrückung sein.“
Dieser Kommentar reflektiert jüngste Erklärungen des Vorstandsvorsitzenden von Shell, Jeroen van der Veer, über die ‚unverblümten Wahrheiten’, die, seiner Meinung nach, die Energiezukunft der Welt diktierten. Van der Veer verwies besonders auf China und Indien, wo Kohle vermutlich einen großen Teil ihrer riesigen und stetig wachsenden Energienachfrage decken wird. Im Kampf gegen Treibhausgasemissionen sei es von besonders großer Bedeutung, das CO2 aus den fossilen Brennstoffen, vor allem aus Kohle, herauszunehmen, schrieb Van der Veer in einem Leitartikel für die Times Anfang 2007.
- Integration von CCS in das EU-Emissionshandelssystem
Wenn es jedoch um die wesentliche Frage gehe, wie CCS in die Politikvorschläge eingeschlossen werden könnte, steigen die Erwartungen. Nach den derzeitigen Plänen der Kommission sollen bis 2015 zwölf große Demonstrationsanlagen errichtet werden, die die CCS-Technologie hauptsächlich in kohlebetriebenen Kraftwerken anwenden.
„Was wir sehen wollen, ist eine Politik, die uns diese zehn bis zwölf Demonstrationsprojekte einräumen wird, sodass wir überprüfen können, dass diese alle angemessen funktionieren“, sagte Spence. „Wir wollen eine Politik, die diesen Erfahrungsprozess anerkennt, und sich dann mit den langfristigen Aspekten von Abscheidung und Speicherung auseinandersetzt.“
Kurzfristig betrachtet ist Shell der Meinung, dass CCS weitere Unterstützung erhalten könne, indem die Technologie in das EU-Emissionshandelssystem integriert werde.
„Es gibt zwei Ansätze“, so Hone. „Einer besagt, dass CO2 nicht als eine Emission gezählt wird, wenn es sich im Boden befindet. Der zweite Ansatz besagt, dass begrabenes CO2 als eine Emission zu werten sei, aber dass CCS-Projekte einen Kredit auf dem EU-Kohlenstoffmarkt erhalten können.“
Um den kostspieligen Abscheidungs- und Speicherungsprozess rentabel zu machen, so Hone, sollten CCS-Emissionen mindestens den doppelten Kredit erhalten.
„Zum heutigen frühen Zeitpunkt wollen wir eventuell einen Kredit mehr, als er im Grunde wert ist; etwa zwei Zertifikate für eine gesparte Tonne [an CO2] oder etwas in dieser Art. Denn CCS ist eindeutig eine Technologie, die noch nicht ausgereift ist.“
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