Internationales Städtebündnis will gegen Luftverschmutzung vorgehen

UN-Generalsekretär Antonio Guterres heute auf dem C40-Gipfel in Kopenhagen. [Ida Guldbaek Arentsen/ epa]

35 Städte haben sich der Verbesserung ihrer Luftwerte verschrieben. Bis 2030 wollen sie zahlreiche Maßnahmen unternehmen, um jährlich 40.000 Todesfälle zu verhindern. In der EU überschreiten Staaten und Regionen immer wieder die erlaubten Grenzwerte.

Kopenhagen – Auf dem C40 Gipfel, bei dem eine Gruppe von Städten aus aller Welt gemeinsam über Maßnahmen zum Klimaschutz debattiert, haben heute 35 Städte eine Absichtserklärung für bessere Luft unterzeichnet. Seitens der EU verpflichten sich Barcelona, Berlin, Kopenhagen, Heidelberg, Lissabon, London, Madrid, Paris, Rotterdam, Stockholm und Warschau dazu, innerhalb von zwei Jahren neue Ziele für die Luftqualität anzusetzen, welche die nationalen Vorgaben erfüllen oder übertreffen. Dazu sollen emissionsfreie Zonen eingerichtet, mehr klimaneutrale Verkehrsmittel eingeführt, die Infrastruktur für Radfahrer verbessert und alternative Brennstoffe zum Heizen und Kochen gefördert werden. Außerdem sollen die Städte regelmäßig ihre Daten zur Luftqualität veröffentlichen.

Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) verursacht Luftverschmutzung jedes Jahr sieben Millionen Todesfälle. Würden in den 35 Städten die WHO-Werte für Feinstaub (PM2.5) konsequent eingehalten, könnten rein rechnerisch jedes Jahr 40.000 Todesfälle vermieden werden, geben die C40 an.

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Bereits 15.000 neue Bäume in Paris gepflanzt

Die Erklärung zeige, wie Städte als zentrale Akteure des Umweltschutzes handeln könnten, sagte der Bürgermeister Kopenhagens und Gastgeber der C40-Konferenz, Frank Jensen. „Luftverschmutzung ist ein globales Problem, aber es hat eine lokale Lösung“. Und er betonte: „Wir wollen nicht, dass diese Erklärung ein reiner Slogan bleibt. Wir werden konsequent handeln.“

Kopenhagen geht seit vielen Jahren konsequent gegen Luftverschmutzung vor und plant, im Jahr 2025 die erste klimaneutrale Hauptstadt der Welt zu werden. Dazu hat die Stadt dieses Jahr 400 elektrische Busse in den Verkehr gebracht, kommendes Jahr sollen auch die Fähren elektrisiert werden. Bis 2030 möchte Dänemark dazu seine CO2-Emissionen um 70 Prozent senken. „Ob wir wissen, wie wir dieses Ziel erreichen sollen? Um ehrlich zu sein… nein“, so die frisch gewählte dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen auf der Konferenz. „Aber hätten wir sie schon, wäre ein Ziel von 70 Prozent nicht ambitioniert genug gewesen.“

Auch andere Städte setzen sich engagiert für bessere Luft ein. In Paris zum Beispiel, wo die Luftwerte überdurchschnittlich schlecht sind, hat Bürgermeisterin Anne Hidalgo PKWs den Kampf angesagt. Seit Juli dieses Jahres dürfen vor 2001 angemeldete Dieselfahrzeuge nicht mehr in der Innenstadt fahren. Bis 2030 sollen dann überhaupt keine Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor mehr in der Pariser Innenstadt fahren. Gleichzeitig  baut die Stadt derzeit am „Grand Paris Express“, einer neuen Ringbahn, um Paris herumgebaut und mit dem Metrosystem verbunden. Außerdem hat die Stadt 2014 ein umfassendes Baumpflanzungs-Programm begonnen und seitdem 15.000 neue Bäume gepflanzt.

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EU-Staaten übertreten immer wieder Luftgrenzwerte

In der EU werden Abgaswerte durch die Richtlinie für Luftqualität aus dem Jahr 2008 geregelt, die fünf Jahre später durch das Paket für saubere Luft ergänzt wurde. Das Paket gibt Maximalwerte für Schadstoffe vor und setzt Reduktionsziele für 2020 und 2030.

Immer wieder übertreten aber Städte und Regionen die erlaubten Höchstwerte. Wie der neueste Luftqualitätsbericht der europäischen Umweltbehörde zeigt, überstiegen 19 Prozent der Messstationen in 19 Mitgliedsstaaten die Feinstaubwerte der Kategorie PM10. Beim Feinstaub PM2.5 waren es fünf Prozent, die im täglichen Durchschnitt darüber lagen. Daraus folgt, dass 42 Prozent aller Europäer in Städten Feinstaubwerten ausgesetzt sind, die über den Empfehlungen der WHO liegen.

Vergangenen Mai hatte die EU-Kommission nach erneuten Aufforderungen, etwas gegen die Luftverschmutzung zu unternehmen, sechs Mitgliedsstaaten angeklagt. Deutschland, Frankreich und Großbritannien hatten es nicht geschafft, ihre Stickstoffdioxid-Werte zu senken; Ungarn, Italien und Rumänien hatten wiederholt gegen Feinstaubwerte (PM10) verstoßen.

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Guterres: Sind auf dem Weg zu drei Grad Temperaturanstieg

Die heutige Erklärung der 35 Städte ist nicht die erste freiwillige Initiative zur Luftreinhaltung. Bereits im November 2018 bekehrten sich 25 Staaten und acht Städte zu dem Ziel, ihre Luftqualität zu verbessern. Saubere Luft und ihre Konsequenzen für die Gesundheit müssten stärker in die nationalen Klimapläne (NECPs) der internationalen Staatengemeinschaft eingebunden werden, fordert die WHO. Bisher befassen sich laut UN nur 20 Prozent der NECPs mit den gesundheitlichen Folgen von Luftverschmutzung.

Nicht nur mit Blick auf Luftwerte müssten die nationalen Klimapläne deutlich angehoben werden, forderte UN-Generalsekretär António Guterres heute bei seiner Rede vor dem C40. „Wir sind auf dem Weg zu einem katastrophalen Temperaturanstieg von drei Grad oder mehr“, warte er.  „Wir haben die Technologie, das Wissen – woran es mangelt ist auf vielen Ebene noch der politische Wille“.

Von EURACTIV gefragt, was er davon halte, dass die EU sich noch nicht auf den Vorsatz der Klimaneutralität 2050 hat einigen können, sagte Guterres: „Die meisten EU-Staaten haben sich ja bereits dazu bekannt. Ich warte darauf, dass die EU das bald als Ganzes tut und bedauere, dass wir derzeit nicht tun können, was nötig ist, weil einzelne Staaten blockieren.“ Wieder einmal seien es die Städte, welche den Nationalstaaten vorauseilten.

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