Internationale Energieagentur: EU hängt „auf absehbare Zeit“ am russischen Gas-Tropf

Die EU hängt wohl noch länger am Gas-Tropf des russischen Energieriesen Gazprom. Foto: [Greg Westfall/Flickr]

Die Europäische Union wird mittelfristig von Gasimporten aus Russland abhängen, warnt die Internationale Energieagentur (IEA). EURACTIV Brüssel berichtet.

Die einheimische Förderung fossiler Brennstoffe sinkt drastisch, insbesondere in Dänemark und den Niederlanden. Die Gasimporte werden zwischen 2020 und 2030 voraussichtlich ansteigen. Das geht aus der diesjährigen Überprüfung der EU-Energiepolitik durch die IEA hervor.

Flüssigerdgas-Importe, die wichtig zur Diversifizierung des Angebots sind, fielen 2014 auf den niedrigsten Stand. Seit 2010 gingen sie um die Hälfte zurück. Die EU hat damit IEA-Angaben zufolge eine ungenutzte Kapazität von 70 Prozent. Die mittelfristigen US LNG-Vorräte wurden bereits nach Asien verkauft. Dadurch erhöhen sich die Importpreise.

Unkonventionelles Gas wie Schiefergas könnten die Energiesicherheit erhöhen. Aber einige Mitgliedsstaaten widersetzen sich der Schiefergas-Förderung. 80 Milliarden Kubigmeter unkonventionelles Gas könnte man laut IEA bis 2035 erschließen. Das bedürfe allerdings ausreichender politischer, behördlicher und öffentlicher Unterstützung.

„Die EU wird für einige Zeit von russischem Gas abhängig sein und das ist die Realität“, sagte IEA-Chefin Maria van der Hoeven der Kommission am Montag in Brüssel.

Energiesicherheit ist seit einigen Jahren eine Priorität der Entscheidungsträger in Brüssel. Denn 2009 unterbrach ein Gasstreit zwischen der Ukraine und Russland auch die Gaslieferungen in die EU. Die diesjährige Ukraine-Krise schien die EU-Gaslieferungen ebenfalls zu gefährden. Ein Abkommen vom 30. Oktober zwischen Russland und der Ukraine sicherte letztendlich die Lieferungen für den Winter.

Ungefähr 15 Prozent der EU-Gasimporte kommen durch die Ukraine. Sechs Mitgliedsstaaten, darunter Bulgarien und die Slowakei, hängen vollständig vom russischen Konzern Gazprom als Gas-Lieferanten ab.

Die EU ist der größte Energieimporteur der Welt. Sie importiert mehr als die Hälfte (53 Prozent) der Energie, die es verbraucht. Die EU müsse ihr Engagement mit Produzenten, Transitländern und Verbraucherländern verstärken und sich schnell an die sich wandelnden Weltmärkte anpassen, so die IEA.

„Um erfolgreich zu sein, muss die EU eine größere Verhandlungsstärke und mehr Beständigkeit bei ihrer externen Energiepolitik erreichen“, so die IEA.

Die IEA setzt sich als globale Organisation saubere Energie und die Energiesicherheit unter ihren Mitgliedsstaaten ein.

Flüssiges Erdgas und Schiefergas

Die Einfuhren von Flüssigem Erdgas (LNG) sind „unerlässlich“ für die Diversifizierung des Gasangebots der EU, so der Bericht. LNG ist demnach die realistischste Option für die Vervielfältigung des Angebots. Daneben könnten auch zentralasiatische Vorräte durch den Südlichen Gas-Korridor eine Rolle spielen.

Mehr Pipelines im Südlichen Gas-Korridor würden den Wettbewerb zur Gasmarktintegration zwischen Ost- und Südeuropa nach 2019 erhöhen, so die IEA.

Beim Schiefergas sollte die EU die Erfahrungen der Nordamerikaner über die Umweltfolgen von dessen Förderung sowie neue Technologien nutzen, meint die IEA. Denn die EU brauche die Diversifizierung im Energiesektor.

Die Agentur kommt zu dem Schluss: „Die EU […] kann es sich nicht leisten, ihre Energieoptionen zu verringern; Atomenergie, Kohle sowie unkonventionelle Gase und Öle werden Teil des Mixes sein müssen.“

Die Elektrizitätssysteme und Märkte der EU müssten größere Anteile verschiedener erneuerbarer Energie aufnehmen.

Gleichzeitig würde in den nächsten zehn Jahren die Hälfte der Kernenergie-Kapazität in der EU abgeschaltet. Die IEA empfiehlt deshalbt Entscheidungen zur Nachrüstung und eine Verlängerung der Laufzeiten.

Schritte in die richtige Richtung

Seit der letzten Überprüfung 2008 habe es einige positive Entwicklungen gegeben, sagte van der Hoeven bei der Veröffentlichung des Berichts.

Neue Gaspipelines, sowie mehr LNG-Importe und mehr Gasspeicher-Kapazität verringerten die Anfälligkeit des EU-Gasmarktes bei kurzfristigen Störungen. Auch die Rückverkäufe russischen Gases durch europäische Firmen an die Ukraine trugen ihren Teil dazu bei.

Aber Rückflüsse des Gases sind laut Bericht nicht bei allen Verbindungen möglich. Außerdem werde der grenzüberschreitende Zugang zur Speicherung und LNG erschwert.

Denn viele der Verbindungspunkte seien bereits aufgrund langfristiger Buchungen aus bestehenden Verträgen überfüllt.

Weniger Abhängigkeit von Russland – wie?

Dem Bericht zufolge braucht es für weniger Abhängigkeit von russischem Gas politische Maßnahmen in verschiedenen Bereichen.

Der EU-Gasmarkt müsse liberalisiert werden. Das EU-Potenzial für die Produktion von Erdgas sollte neu überprüft werden. Kohlenstoffarme Technologien, darunter erneuerbare Energien sollten den Gasvebrauch wenn möglich ersetzen.

Energieeffizienz durch bessere Fernwärmeversorgung in Städten, wirksame Gebäuderenovierung und effizientere Vorrichtungen seien ebenfalls wichtig.

„Energieeffizienz ist eine Priorität für diese Kommission“,sagt Miguel Arias Cañete, Kommissar für Klimapolitik und Energie. Die Kommission arbeite an einer verbesserten Infrastruktur zur besseren Verbindung und Koppelung des Gasmarktes.

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