Industriekoalition legt „Charta“ für grünen Wasserstoff vor

"Erneuerbarer Wasserstoff wird eine Schlüsselrolle in einem nachhaltigen, effizienten und modernen EU-Energiesystem spielen," so EU-Energiekommissarin Kadri Simson. [FOCKE STRANGMANN / EPA-EFE]

Die sogenannte Koalition für erneuerbaren Wasserstoff hat ihre politische „Charta“ vorgestellt, in der Schritte aufgezeigt werden, um grünen Wasserstoff in Europa zu fördern und dem Kontinent einen Vorsprung im Rennen um nachhaltige Energie zu verschaffen.

Die Koalition war im November vergangenen Jahres ins Leben gerufen worden, um die Verbreitung von erneuerbarem Wasserstoff zu fördern. So wird Wasserstoff bezeichnet, der durch Elektrolyse unter Zuhilfenahme erneuerbarer Energiequellen hergestellt und daher in Industrie und Politik als für die Dekarbonisierung Europas nahezu unerlässlich angesehen wird.

„Erneuerbarer Wasserstoff wird eine Schlüsselrolle in einem nachhaltigen, effizienten und modernen EU-Energiesystem spielen. Er bietet eine große Chance für Europa, den grünen Aufschwung zu fördern, Arbeitsplätze zu schaffen und weltweit führend bei sauberen Energietechnologien zu sein,“ sagte beispielsweise EU-Energiekommissarin Kadri Simson.

EU-Kommission skizziert Pläne für 100 Prozent erneuerbaren Wasserstoff

Die EU-Kommission hat ihre Pläne zur Förderung von Wasserstoff vorgestellt, der vollständig auf erneuerbarer Elektrizität basiert. Sie fügte jedoch hinzu, dass auch „CO2-armer“ Wasserstoff aus fossilen Brennstoffen unterstützt werden soll.

Die neue Charta befasst sich mit drei Bereichen: der Schaffung von Märkten für erneuerbaren Wasserstoff, dem Ausbau der Industrie und der Infrastruktur sowie der Schaffung eines funktionierenden Rechtsrahmens für erneuerbaren Wasserstoff in der EU.

Um dies zu erreichen, will die Koalition die Elektrifizierung auf Basis erneuerbarer Energien priorisieren und beschleunigen, vorrangige Sektoren identifizieren und den Einsatz der erneuerbaren Energieerzeugung in Europa beschleunigen.

Daneben wird empfohlen, in Forschung und Entwicklung zu investieren, Wasserstoff-Investitionen zu optimieren, um zu verhindern, dass Gelder in „stranded assets“ fließen, und gleiche Wettbewerbsbedingungen zwischen den einzelnen Energieträgern zu gewährleisten.

Die Koalition wurde von den Branchenverbänden SolarPower Europe und WindEurope ins Leben gerufen und wird auch von Breakthrough Energy unterstützt, einer vom US-Milliardär Bill Gates gegründeten Gruppe, die sich für die Verbreitung sauberer Energielösungen einsetzt. Sie hat mittlerweile über 20 Mitglieder, darunter die Großkonzerne Iberdrola aus Spanien, Enel aus Italien und RWE aus Deutschland.

„Sie bringen eine neue, unternehmensorientierte Stimme in die politischen Debatten in der Europäischen Union ein – zu einer Zeit, in der das Potenzial und die Bedeutung von erneuerbarem Wasserstoff, um die ehrgeizigen Klimaziele des Blocks zu erreichen, jeden Tag deutlicher wird,“ meint Ann Mettler, Vizepräsidentin für die Region Europa bei Breakthrough Energy. „Jetzt ist es an der Zeit, dass die politischen Entscheidungsträger der EU mit unserer Koalition zusammenarbeiten, um die Entwicklung und den Ausbau einer innovativen, zukunftssicheren Industrie zu beschleunigen, die sich an einem entscheidenden Wendepunkt befindet. Dies kann helfen, den Aufschwung anzukurbeln, die CO2-Emissionen zu senken und Menschen in Arbeit zu bringen.“

Bundesregierung verspricht sieben Milliarden Euro für grünen Wasserstoff

Die Bundesregierung hat sich auf eine nationale Wasserstoff-Strategie geeinigt. Sie sieht vor, bis 2030 Erzeugungskapazitäten von 5 GW und bis 2040 von 10 GW zu schaffen. Dazu sollen sieben Milliarden Euro in Unternehmen und Forschung fließen.

Die Europäische Kommission selbst hatte im vergangenen Jahr ihre Wasserstoffstrategie vorgestellt, die den Schwerpunkt ebenfalls auf „erneuerbaren Wasserstoff“ als Mittel zur Dekarbonisierung derjenigen Industrien (und Teilen des Verkehrs) legt, die nicht oder nur schwer elektrifiziert werden können.

Die Koalition betonte, sie sei bereit, die Ambitionen der Strategie in die Tat umzusetzen. „Der entscheidende Faktor ist die Zeit: 2050 ist nur noch einen Investitionszyklus entfernt. Um eine globale Führungsrolle in der Industrie zu erreichen, muss die Europäische Union all ihre politischen und finanziellen Ressourcen auf zukunftssichere Lösungen konzentrieren,“ meint man in der Branche.

Derzeit werden noch über 90 Prozent des Wasserstoffs mit fossilen Brennstoffen hergestellt. Da die EU jedoch ihre Emissionen bis 2030 um mindestens 55 Prozent senken und bis 2050 netto null erreichen will, werde sauberer Wasserstoff dringend benötigt, um Sektoren wie Luftfahrt, Schifffahrt und Schwerindustrie zu dekarbonisieren.

„Europa wird viele weitere Windparks benötigen, um die Nachfrage nach erneuerbarem Strom zu decken – und um sein Ziel zu erreichen, ein weltweit führender Anbieter von Technologien und Lösungen für erneuerbaren Wasserstoff zu werden,“ sagte Giles Dickson, CEO von WindEurope.

Auch die Solarenergie müsse deutlich ausgebaut werden, um die Ziele der EU-Wasserstoffstrategie zu erreichen. Walburga Hemetsberger, CEO von SolarPower Europe, forderte daher: „Um die vollständige Dekarbonisierung Europas zu realisieren, braucht es erneuerbaren Wasserstoff als Ergänzung zur direkten Elektrifizierung. Um beschäftigungsfördernden Wasserstoff auf Basis erneuerbarer Energien zu unterstützen, brauchen wir stärkere EU-Stromnetze und standardisierte Genehmigungsverfahren.“

[Bearbeitet von Frédéric Simon]

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