Indien will bis 2070 Klimaneutralität erreichen

Neben dem Ziel für die Klimaneutralität kündigte Modi Nachbesserungen in weiteren Bereichen an. Demnach will Indien auch den Ausbau Erneuerbarer Energien vorantreiben und bis 2030 eine Gesamtkapazität durch nicht-fossile Energieträger von 500 statt wie bisher 450 Gigawatt erreichen. [ROBERT PERRY/EPA]

Indien strebt erst bis 2070 Klimaneutralität an. Wie Premierminister Narendra Modi am Montag (1. November) bei der Weltklimakonferenz in Glasgow bekannt gab, will der drittgrößte CO2-Emittent der Welt das Ziel sogenannter Netto-Null-Emissionen in 50 Jahren erreichen.

Nach UN-Angaben haben sich mehr als 130 Länder das Ziel gesetzt, die Treibhausgas-Emissionen bereits bis 2050 auf Null zu reduzieren.

Neben dem Ziel für die Klimaneutralität kündigte Modi Nachbesserungen in weiteren Bereichen an. Demnach will Indien auch den Ausbau Erneuerbarer Energien vorantreiben und bis 2030 eine Gesamtkapazität durch nicht-fossile Energieträger von 500 statt wie bisher 450 Gigawatt erreichen.

Ebenfalls bis 2030 soll 50 Prozent des Energiebedarfs in Indien aus Erneuerbaren gedeckt werden. Die sogenannte Kohlenstoffintensität der indischen Wirtschaft soll bis zum Ende des Jahrzehnts um 45 Prozent reduziert werden. Bisher geplant waren 35 Prozent.

Seine CO2-Bilanz verringern will Indien nach den Worten Modis unter anderem mit Hilfe seines riesigen Bahnnetzes. Jedes Jahr nutzten mehr Menschen das indische Bahnsystem als die Welt Bewohner habe, betonte Modi. „Dieses riesige Bahnnetz hat sich selbst das Ziel gesetzt, bis 2030 klimaneutral zu sein. Diese Initiative allein wird die Emissionen um jährlich 60 Millionen Tonnen reduzieren.“

Modi betonte, dass die Zusagen Indiens und anderer Schwellenländer zur Reduzierung von Treibhausgas-Emissionen Finanzhilfen der reichen und historisch größten Emittenten voraussetzten. Die bisherigen Zusagen der reichen Staaten im Bereich der Klimafinanzierung kritisierte Modi als „hohl“. Die reichen Staaten müssten „so schnell wie möglich“ Klimahilfen in Höhe von einer Billion Dollar bereitstellen, forderte er.

Indien war bis zuletzt der einzige große Treibhausgas-Emittent, der noch keine Zielmarke für Klimaneutralität vorgelegt hatte. Das Land ist der drittgrößte Verursacher von Treibhausgas-Emissionen weltweit. Allerdings weist es im Vergleich zu den anderen großen Wirtschaftsnationen die geringsten Pro-Kopf-Emissionen auf.

So ist die indische Bevölkerung für nur fünf Prozent der global ausgestoßenen Treibhausgase verantwortlich – und dies, obwohl Indien allein 17 Prozent der Weltbevölkerung stellt. Nach Angaben des indischen Umweltministeriums produziert jeder Inder etwa 1,9 Tonnen Kohlenstoff pro Jahr, gegenüber 7,1 Tonnen für den Durchschnittsbürger der Europäischen Union, 8,4 Tonnen für einen Chinesen und 18 Tonnen für den durchschnittlichen US-Bürger.

Indien fordert seit langem, dass die europäischen und nordamerikanischen Staaten den Löwenanteil der Kosten für die Klimakrise tragen müssten, da sie historisch die größten Emittenten seien und ihre Industrialisierung auf dem Rücken der ganzen Welt vorangetrieben hätten. Vor Beginn der Weltklimakonferenz in Glasgow hatte die Regierung in Neu Delhi angekündigt, dort für „Klimagerechtigkeit“ zu kämpfen.

An der Weltklimakonferenz (COP26) nahmen am Montag rund 120 Staats- und Regierungschefs teil, darunter Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Während des zweiwöchigen Treffens wird über die weitere Umsetzung des Pariser Klimaabkommens von 2015 verhandelt. Die Unterzeichnerstaaten des Abkommens hatten sich auf eine Begrenzung der Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad, idealerweise 1,5 Grad, im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter geeinigt.

Experten gehen davon aus, dass das 1,5-Grad-Ziel nur erreicht werden kann, wenn es gelingt, die globalen Treibhausgas-Emissionen bis 2030 zu halbieren und Klimaneutralität bis 2050 zu erreichen. Die USA und die EU streben Netto-Null-Emissionen bis spätestens 2050 an, in Russland und China liegt die Zielmarke bei 2060.

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