In der Corona-Pandemie die Weichen für mehr Klimaschutz stellen

Banner werden vor dem Bundestag während eines Fridays for Future-Protests aufgestellt. Trotz der Abriegelung der COVID-19-Pandemie protestieren Klimaaktivisten gegen den Klimawandel weiter. [EPA-EFE/FILIP SINGER]

Die Corona-Pandemie hat auch den internationalen Klimaschutz-Fahrplan kräftig durcheinandergewirbelt. So wurde die im November geplante UN-Klimakonferenz in Glasgow auf 2021 verschoben, wichtige Vorbereitungstreffen fallen ganz aus. Doch das Klimaproblem verliert damit nicht seine Brisanz.

Stattfinden soll daher am Montag und Dienstag zumindest der hochrangig besetzte Petersberger Klimadialog, wenn auch diesmal als Video-Konferenz. Ministerinnen und Minister aus 30 Staaten werden zu den Online-Beratungen erwartet, die normalerweise in Berlin stattfinden. Für Dienstag sind Reden von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und UN-Generalsekretär António Guterres vorgesehen.

Ein wichtiges Thema dürfte die Vorgabe des Pariser Klimaschutzabkommens sein, dass alle Staaten ihre nationalen Emissionsziele bis Ende 2020 nachbessern sollen. Mit Spannung wird erwartet, wie und mit welcher Vehemenz Merkel sich zu ehrgeizigeren EU-Zielen für die Zeit bis 2030 positioniert. Statt der ursprünglich zugesagten CO2-Minderung um 40 Prozent strebt die EU-Kommission hier mit Hilfe eines „Green Deal“ inzwischen ein Minus von möglichst 55 Prozent an, verglichen jeweils mit dem Stand von 1990.

Verbände und Experten dringen im Vorfeld des Petersberger Klimadialogs darauf, vor allem die anstehenden Konjunkturpakete zur Überwindung der Pandemie-Folgen an den Erfordernissen des Klimaschutzes auszurichten. „Bundeskanzlerin Merkel sollte sich klar dazu bekennen, die Maßnahmen zur Wiederbelebung der Wirtschaft neben sozialen Zielsetzungen am Europäischen Green Deal auszurichten“, fordert Christoph Bals von Germanwatch.

Eigentlich hält Germanwatch EU-weit bis 2030 eine CO2-Minderung von 65 Prozent für erforderlich, eine Festlegung auf minus 55 Prozent sei daher das Mindeste. Bals und andere Klimaaktivisten haben die Sorge, dass ähnlich wie in der Finanzkrise Wirtschaftshilfen wieder mit der Gießkanne und ohne ökologische Lenkungswirkung ausgereicht werden könnten. Dann jedoch stünde das Geld für das dringliche Umsteuern in Richtung Treibhausgasneutralität auf Jahre hinaus nicht mehr zur Verfügung.

„Wir müssen die Corona-Pandemie gleichzeitig mit dem Klima- und Umweltnotstand angehen“, verlangt denn auch Fridays-for-Future-Initiatorin Greta Thunberg. „Wir müssen die wirtschaftliche Erholung von Covid-19 mit mehr Klimaschutz und Nachhaltigkeit verbinden“, drängt die Leiterin von Greenpeace International, Jennifer Morgan, mit Blick auf den Petersberger Klimadialog.

Auch führende Klimaforscher mahnen, aus der Pandemie die richtigen Lehren zu ziehen: „Dies ist unsere Chance, Prioritäten neu zu setzen“, schreiben die Direktoren des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), Johan Rockström und Ottmar Edenhofer. Vor allem der Ausstieg aus fossilen Energieträgern müsse nun beschleunigt werden. „Wir müssen jetzt in die
Industrien der Zukunft investieren, nicht in die Industrien der Vergangenheit“, fordert auch der britische Ökonom Nigel Topping.

Unterstützung kommt von den Vereinten Nationen. „Wir müssen sowohl die Kurve der Pandemie als auch des Klimawandels abflachen“, sagt Petteri Taalas, Generalsekretär der Weltorganisation für Meteorologie (WMO). Taalas wies darauf hin, dass die vergangenen fünf Jahre global die heißesten der Geschichte waren. In Deutschland zeichnet sich für dieses Jahr bereits eine neue Dürre ab.

Die Schüler- und Studentenbewegung Fridays for Future, die vor der Pandemie für kräftigen Rückenwind für den Klimaschutz sorgte, organisierte diesmal einen Online-Streik, um der Forderung nach mehr Engagement im Kampf gegen die Erderwärmung Nachdruck zu verleihen. Zudem wurden am Freitag in zahlreichen Städten tausende Plakate und Transparente abgelegt – auch vor dem Reichstag in Berlin.

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