Die Internationale Energieagentur (IEA) will ihre Aufgaben um kritische Mineralien erweitern, neue Mitglieder aufnehmen und sich mit einem neuen Büro in Singapur stärker auf Asien konzentrieren.
Die 1974 zur Sicherung der europäischen Ölversorgung gegründete IEA mit Sitz in Paris hat sich zu einer globalen Autorität gemausert. Ihr World Energy Outlook, der jährlich erscheint, wird von Analysten und politischen Experten mit großem Interesse erwartet.
Aber auch darüber hinaus hat die Agentur an Einfluss gewonnen. „Die IEA ist sozusagen unser bewaffneter Flügel für die Umsetzung des Pariser Abkommens geworden“, sagte der französische Präsident Emmanuel Macron am Dienstag (13. Februar) auf der 50. Jubiläumsfeier der IEA in Paris.
Er fügte hinzu, dass 75 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen auf den Energiesektor entfallen.
Für die IEA, die noch aus der Ära der fossilen Brennstoffe stammt, markiert der 50. Jahrestag in diesem Jahr einen Wendepunkt. Die Vollmitgliedschaft ist weiterhin von nationalen Ölmanagementstrategien abhängig. Jedoch setzt sich die Organisation nun zunehmend für ein globales Verständnis dessen ein, was sie als „saubere Technologien“ bezeichnet. Saubere Technologien umfassen nach ihrer Definition auch die Atomenergie.
Doch die Agentur muss noch mehr tun, um ihre Ziele zu erreichen.
„Wenn wir unserem Namen, Internationale Energieagentur, gerecht werden wollen, müssen wir sehr eng mit den Ländern der aufstrebenden Welt zusammenarbeiten und sie einbeziehen“, so IEA-Exekutivdirektor Fatih Birol.
Eine Region sticht dabei besonders hervor: Asien, wo 500 Gigawatt (GW) an Kohlekraftwerken in Planung sind, so der US-Klimabeauftragte John Kerry, der ebenfalls an der Feier teilnahm.
In einer Region, in der laut Singapurs Industrieminister Tan See Leng in den kommenden 25 Jahren mehr zusätzliche Energiekapazitäten gebaut werden sollen als in der EU insgesamt, muss die IEA präsent sein – so der Ansatz.
Die Organisation eröffnet ihre allererste Niederlassung in Singapur. „Das ist ein weiterer Schritt, um zu zeigen, dass wir viel enger mit den Schwellenländern zusammenarbeiten wollen“, erklärte Birol.
Gleichzeitig erwägt die Organisation, Indien aufzunehmen. Neu-Delhi hatte 2023 ein Schreiben mit der Bitte um Beitritt geschickt. Macron betonte, dass „die Aufnahme von Verhandlungen mit Indien über einen Beitritt zur IEA als Vollmitglied“ seine volle Unterstützung habe.
Indien ist gerade dabei, sein Stromnetz massiv auszubauen und versucht, neue Kohlekraftwerke und die schnell wachsende Solarenergiebranche gleichzeitig zu integrieren.
Die IEA hat Indien mit „Analysen, Fachwissen und dem Aufbau von Kapazitäten sowohl im Bereich der konventionellen Energiequellen als auch bei der Entwicklung des Marktes für erneuerbare Energien unterstützt, was nicht gerade einfach ist“, erklärte der indische Botschafter in Frankreich, Jawed Ashraf.
Erweiterte Prioritäten
Laut Fatih Birol sollte die IEA drei Prioritäten setzen: Öl, kritische Mineralien und das Klima. Sie werde ihre Augen weiter „auf das Rote Meer und die Straße von Hormuz richten.“ Zum Thema Mineralien kündigte er eine neue Initiative an.
Es handle sich um ein „Sicherheitsprogramm für kritische Mineralien“, das dem Problem Rechnung tragen solle, dass „wir derzeit nicht in der Lage sind, mit der Nachfrage“ nach Mineralien wie Kupfer, Kobalt und Lithium Schritt zu halten, erklärte Birol. Außerdem sei „die Kompetenz zur Herstellung dieser kritischen Mineralien auf ein oder zwei Länder konzentriert“, betonte er.
Um die Ölpreise zu stabilisieren und ein ausreichendes Angebot zu gewährleisten, kann die IEA die Freigabe der Ölvorräte der Mitgliedsländer koordinieren, um den Markt zu beruhigen.
Die Organisation musste in ihrer Geschichte bereits fünfmal zu solch drastischen Maßnahmen greifen: vor dem Golfkrieg, nach dem Hurrikan Katrina, während des libyschen Bürgerkriegs und zweimal nach Russlands Angriff auf die Ukraine.
Ein Mechanismus für kritische Mineralien könnte ähnlich funktionieren. Er würde „ein Sicherheitsnetz bieten“, so der IEA-Chef.
In Bezug auf das Klima betonte er, dass „das Erreichen von Netto-Null-Emissionen bei gleichzeitiger Gewährleistung von Erschwinglichkeit und Sicherheit eine klare Aufgabe für die Internationale Energieagentur ist“ und dass die IEA „alles in unserer Macht Stehende tun wird, um der Welt zu helfen, bis Mitte des Jahrhunderts Netto-Null-Emissionen zu erreichen.“
Eine ‚besondere Freundschaft‘
„Dies ist die Feier einer besonderen Freundschaft“, sagte die Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, die zur Jubiläumsfeier angereist war.
„Seit ich das Amt der Kommissionspräsidentin übernommen habe, sind Sie der zuverlässigste Partner“, sagte von der Leyen über den IEA-Chef Fatih Birol. Sie dankt ihm für den Abschluss der Schlüsselinitiative der EU auf der COP28: die Verdreifachung der erneuerbaren Energien und die Verdoppelung der Energieeffizienz, die schließlich auch angenommen wurde.
„Sie haben unser aller Fähigkeit, diese Herausforderung zu meistern, verändert. Und warum? Weil Sie Fakten geschaffen haben. Weil Sie für Rechenschaft gesorgt haben, wo es keine gab“, sagte der US-Klimabeauftragte John Kerry.
Auch andere Staats- und Regierungschefs äußerten sich anerkennend über die globalen Aktivitäten der IEA. Neben den rund 30 Mitgliedsländern sind fünf Länder dabei, der IEA beizutreten, während Schwergewichte wie Brasilien, Indien und China zu den 13 assoziierten Mitgliedern gehören.
Der irische Premierminister Leo Varadkar erklärte: „Angesichts der Tatsache, dass Energie, Sicherheit und Klimawandel heute unmittelbare globale Realitäten sind, war Ihre Arbeit noch nie so wichtig wie heute.“
Hochrangige deutsche Vertreter waren nicht persönlich anwesend. Bundeskanzler Scholz wird am Mittwoch (14. Februar) eine Videobotschaft übermitteln.
[Bearbeitet von Alice Taylor]

