Hogan: Neue GAP wird im Umweltschutz „ambitionierter“

Detailliertes Nährstoffmanagement soll sowohl den wirtschaftlichen Ertrag der Landwirte maximieren als auch den Einfluss auf die Umwelt reduzieren. [Shutterstock]

This article is part of our special report Wie kann die GAP der Zukunft ihren Umwelteinfluss messen?.

EU-Landwirtschaftskommissar Phil Hogan hat angekündigt, die zukünftige GAP werde „ambitionierter“ in Bezug auf Umweltschutzziele sein. Eine Ökologisierung der Landwirtschaft solle durch eine breitere Anwendung präzisionslandwirtschaftlicher Techniken sichergestellt werden.

Dieser Artikel ist Teil des Special Reports Wie kann die GAP der Zukunft ihren Umwelteinfluss messen?

In einer Rede am vergangenen Donnerstag präsentierte Hogan einige Initiativen, die den Kern der zukünftigen Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) bilden sollen. Er sprach auf der Veranstaltung „Water and agriculture in Europe: Time for an integrated approach“, die vom Think-Tank European Policy Centre (EPC), und der Umweltschutzorganisation World Wildlife Fund (WWF) organisiert worden war.

Die Agrarpolitik genießt in der EU seit langer Zeit einen Sonderstatus. Das habe auch zu Widersprüchen mit anderen Bereichen, insbesondere der Umweltpolitik, geführt, erklärte Hogan. Man müsse die herrschende „Bunkermentalität“ beenden, „wenn wir Fortschritte machen wollen.“

Um die Kohärenz zwischen den EU-Poltikfeldern zu erhöhen, hatten die Landwirtschafts- und Umweltkommissare bereits im April ein Arbeitspapier zu nachhaltigem Wasser-Management erstellt. Zwei Initiativen in diesem Feld wurden am Donnerstag vorgestellt.

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Präzisionslandwirtschaft

Darüber hinaus untersucht die EU-Kommission die Potenziale neuer präzisionslandwirtschaftlicher Technologien zur effizienteren Nutzung von Ressourcen in der Landwirtschaft. Darunter fallen zum Beispiel Roboter, die den Wasserbedarf beim Weinanbau messen und optimieren, Sensoren, die das Pflanzenwachstum überwachen, und Drohnen, die Pflanzenerkrankungen entdecken und behandeln können.

„Wir haben bereits einige Maßnahmen ergriffen, um den datenbasierten Anbau und die Präzisionslandwirtschaft voranzubringen. Wassereffizienz kann beispielsweise nur verbessert werden, wenn wir neue Technologien wie Big Data, Sensoren und künstliche Intelligenz nutzen. Dadurch können die Landwirte sowohl ihre wirtschaftlichen Erträge als auch die Umweltnachhaltigkeit ihrer Arbeit verbessern“, so Hogan.

Der Landwirtschaftskommisar kündigte eine Plattform zum Nährstoffmanagement auf den Höfen an, über die die Bauern detaillierte Informationen zum Wachstum und dem Zustand ihrer Feldfrüchte erhalten können. Damit könnten sowohl Wasser als auch chemische Produkte wie Dünger und Pflanzenschutzmittel effizienter und zielgerichteter eingesetzt werden. Die Plattform soll frei zugänglich sein und auf diversen Daten unterschiedlicher Quellen beruhen, darunter Daten aus dem EU-Satellitenprogramm Copernicus.

Laut Befürwortern der Präzisionslandwirtschaft ermöglichen solche Technologien es den Landwirten, „mit weniger Ressourcen mehr zu produzieren“ und den Einfluss auf die Umwelt zu reduzieren. Es gibt aber auch Zweifel, ob die Technik der Mehrheit der EU-Landwirte wirklich zugänglich sein wird – insbesondere, weil ein Drittel der Bauern in der EU 65 Jahre oder älter sind und nicht über das notwendige Digitalwissen verfügen.

Ein weiteres Problem sind die hohen Anschaffungskosten, die sich erst bei hohen Skaleneffekten für die Landwirte rechnen würden. Tatsächlich besteht die europäische Landwirtschaft aber zu einem Großteil aus kleinen bis sehr kleinen Höfen, deren Erträge darüber hinaus kaum oder gar nicht für den Lebensunterhalt der Bauern und ihrer Familien ausreichen.

Wassermanagement

Hogans zweite am Donnerstag präsentierte Initiative dreht sich um gute Praktiken im Wassermanagement. In Zusammenarbeit mit der gemeinsamen Forschungsstelle der Kommission sollen Praktiken erarbeitet werden, aus denen die Mitgliedstaaten dann ihre präferierten Methoden für Wassermanagement und Landwirtschaft auswählen könnten.

Andrea Kohl von WWF Europe forderte größere Anstrengungen, um sicherzustellen, dass Wasser in der Landwirtschaft nachhaltig genutzt wird.  Vor allem müsse die EU-Wasser-Richtlinie in die zukünftige GAP eingebunden werden.

Greenpeace fordert Reformen: Zweisäulige GAP funktioniert nicht

Direktzahlungen in der ersten Säule machen oft die positiven Umwelteffekte in der ländlichen Entwicklung zunichte, so Marco Contiero von Greenpeace.

Der Übergang zu nachhaltiger Landwirtschaft muss das Kernziel der neuen GAP sein, sagte Kohl weiter. Darüber hinaus sollten die Direktzahlungen an Landwirte (die erste Säule der GAP) durch ein System ersetzt werden, das Anreize für nachhaltige Landwirtschaftspraktiken bietet. „Wir sehen derzeit beim Thema Ökologisierung in der GAP einige gute Ansätze. Diese wurden aber so weit verwässert, dass sie für die Landwirte nicht mehr attraktiv sind,“ kritisierte sie.

„Ein Mix aus Anreizen und Sanktionen“

Hogan stimmte ihr zu, dass die Befürwortung und Unterstützung durch die Bauern essenziell sei. Insgesamt brauche man „einen Mix aus Anreizen und Sanktionen.” Anreize wären weiterhin finanzieller Art. „Aber wir müssen die Gelder, die wir in der GAP ausgeben, aus Basis der gemeinsamen Ziele der Kommission rechtfertigen.“

Die Kommission sei sehr ambitioniert beim Thema Umweltschutz. Für erfolgreiche Umweltpolitik sei es aber „unerlässlich, dass wir mit denjenigen Leuten zusammenarbeiten, die dazu beitragen – und das sind die Landwirte“.