Große Windenergie-Pläne in Nordeuropa

Windräder in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen. [Shutterstock]

Belgien plant eine Verdoppelung der für Offshore-Windparks zur Verfügung gestellten Wasserflächen – während Dänemark die Absicht bekundet hat, genügend Turbinen zu bauen, um damit seine sieben größten Städte mit Strom zu versorgen.

Vergangenen Freitag kündigte die belgische Regierung an, ein neues, 221 Quadratkilometer großes Gebiet in der Nähe der französischen Grenze für die Nutzung durch Windparks nach 2020 auszuweisen.

Belgien bezieht derzeit 870 Megawatt Strom aus vier Offshore-Parks, plant aber, diesen Wert bis 2020 auf 2,2 Gigawatt und bis 2030 auf 4 Gigawatt zu erhöhen. Damit sollen Emissionen gesenkt und der Ausstieg aus der Atomenergie abgefedert werden.

„Unsere Nordsee ist ein entscheidender ‚Partner‘ bei der Wende hin zu erneuerbaren Energien in unserem Land,“ sagte der belgische Staatssekretär für die Nordsee, Philippe De Backer, in einer Erklärung.

Belgien will den Atomausstieg bis 2025

Die belgische Regierung hat am Karfreitag ein neues Energiegesetz verabschiedet, laut dem das Land spätestens 2025 aus der Atomenergie aussteigen wird.

Die belgische Regierung hatte Ende März bestätigt, sie werde einen Energieplan umsetzen, der den Ausstieg aus der Kernenergie zwischen 2022 und 2025 vorsieht. Das bedeutet, dass 6GW Energie vom Netz genommen werden und ersetzt werden müssen.

Die Hälfte des Strombedarfs des Landes stammt aus Atomkraftwerken und etwa 40 Prozent des Gesamt-Strombedarfs werden durch zwei Kernkraftwerke in Doel und Tihange an der niederländischen bzw. deutschen Grenze gedeckt.

Dänemark legt die Latte höher

Auch Dänemark hat große Energiepläne. Energieminister Lars Christian Lilleholt erklärte am gestrigen Montag, seine Regierung hoffe, im kommenden Jahrzehnt einen der größten Windparks der Welt zu eröffnen.

„Wir sprechen von einem sehr, sehr großen Windenergiepark, der eine zentrale Rolle zur Erreichung des Ziels spielen wird, bis 2030 mindestens die Hälfte des gesamten Energieverbrauchs in Dänemark nachhaltig zu decken,“ sagte Lilleholt gegenüber dänischen Medien.

Er fügte hinzu, der Park werde etwa 50 km von der Küste entfernt liegen und genügend Kapazitäten haben, um 800 MW zu erzeugen. Das wäre genug, um die sieben größten Städte Dänemarks ausschließlich mit Windenergie zu versorgen.

Obwohl die Pläne für den Park erst um 2024 fertig sein werden, könnte bis 2021 zumindest ein Auftragnehmer für den Bau von 50 bis 75 massiven Turbinen gefunden werden. Es sei darüber hinaus möglich, dass die Baukosten ohne öffentliche Zuschüsse gedeckt werden können, so der Minister.

Aktuell baut Dänemark den Ostsee-Windpark Kriegers Flak, der 2021 fertig gestellt und dann 600 MW erzeugen soll.

Niederlande: Erste Offshore-Windkraftanlagen ohne Subventionen geplant

Die schwedische Firma Vattenfall wird die weltweit ersten Windparks bauen, die komplett ohne öffentliche Gelder auskommen.

EU-Importe steigen

Aktuell bedeutet der Rückgang der Energieproduktion aus fossilen Brennstoffen sowie der Kernenergie allerdings auch, dass die Energieimporte der EU gestiegen sind. Laut neuen Daten von Eurostat ist der Block heute zu mehr als 50 Prozent von Importen abhängig.

Aus den Zahlen geht hervor, dass die EU im Jahr 2016 53,6 Prozent ihrer verbrauchten Energie aus Drittstaaten einführen musste. Damit wird ein Trend beibehalten, der seit 2004 anhält. Der bisher höchste Anteil importierter Energie lag im Jahr 2008 bei 54,5 Prozent.

Dänemark liegt im Ranking der am wenigsten von Energieimporten abhängigen EU-Staaten auf Rang zwei hinter Estland. Das baltische Land importiert lediglich 6,8 Prozent seiner verbrauchten Energie. In Dänemark lag der Wert zuletzt bei 13,9 Prozent. Für Dänemark, das im Jahr 2005 noch der einzige Nettoexporteur unter den Mitgliedstaaten war, bedeutet dies einen gewissen Rückgang. Im Jahr 2013 begannen die Importe die heimisch produzierte Energie zu überwiegen.

Malta und Zypern führen die Energieimporte-Charts mit einer Abhängigkeit von 100 und 96,2 Prozent an, was vor allem auf ihre Insellage zurückzuführen ist. Von den fünf Ländern mit dem höchsten Energieverbrauch waren das Vereinigte Königreich und Frankreich mit 35,3 bzw. 47,1 Prozent am wenigsten von Importen abhängig.

EU energy dependence in 2016.

Weitere Informationen

Winds of Change: Sieben Statistiken zur boomenden Windenergie-Branche

2017 war ein Rekordjahr für Offshore-Windenergie in Europa, zeigt ein Bericht von WindEurope. Sieben Statistiken zur boomenden Windenergiebranche.

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