Großbritannien: Kohleausstieg bis 2025

Das Kohlekraftwerk Battersea in London ist bereits vom Netz gegangen. [Electric Egg / Shutterstock]

Die britische Regierung plant, alle acht verbleibenden Kohlekraftwerke des Landes bis 2025 vom Netz zu nehmen. Ein Bericht von EURACTIVs Medienpartner The Guardian.

Der Kohleausstieg ist das grüne Prestigeprojekt der konservativen Partei. Premierministerin Theresa May wird diese Woche einen genauen Ausstiegsplan vorstellen.

2016 waren drei Kohlekraftwerke vom Netz gegangen, bis 2022 sollen sieben weitere folgen. Danach würde nur ein einziges Werk weiterarbeiten und aufgrund neuer Luftverschmutzungstandards dann im Oktober 2025 den Betrieb einstellen.

Allerdings sieht der Plan auch vor, dass die Energiebetreiber einige Kraftwerke als Notsicherung behalten. Dafür erhalten sie mehrere hundert Millionen Pfund, die über die Stromrechnungen der Verbraucher generiert werden.

In Großbritannien ist die Nutzung von schmutziger Kohleenergie seit 2012 um mehr als 80 Prozent gefallen. Dennoch kommentierte Dr. Jonathan Marshall, Energieanalyst beim britischen Think-Tank Energy and Climate Intelligence Unit: „Mit der Entschließung, alle Kohlekraftwerke bis 2025 zu schließen, hat die Regierung eine ambitionierte Entscheidung getroffen. Allerdings wirkt es wie eine verpasste Chance, dass Kohle bis dahin noch gleichberechtigt auf dem Energiemarkt konkurrieren darf.“

Zu der Entscheidung, einige Kohlekraftwerke für potenzielle Notstromversorgung nach 2025 einsatzbereit zu halten, erklärte das zuständige Energie- und Industrieministerium: „Wir halten es für umsichtig von Seiten des Staatsministers, Vorkehrungen für Notfallsituationen zu treffen. Dadurch können Risiken komplett oder teilweise abgewendet werden.”

Tatsächlich sei es aber unwahrscheinlich, dass Kohlekraft als Notreserve eingesetzt werden müsse; die Energie der acht verbleibenden Kohlekraftwerke könne durch alte Gaskraftwerke ersetzt werden, die noch länger laufen, hieß es weiter.

Im Jahr 2017 war zwar kein britisches Kohlekraftwerk geschlossen worden, eine Kohlesteuer und die verhältnismäßig niedrigen Gaspreise hatten der Profitabilität der Kohlewerke aber dennoch zugesetzt, so eine Regierungserklärung.

Neue EU-Emissionsregeln – der Todesstoß für Kohlekraftwerke?

Kraftwerke müssen ihre Schadstoff-Emmissionen reduzieren. Umweltverbände sehen als nächsten logischen Schritt, die weitreichende Schließung der grössten Umweltsünder – die Kohlekraftwerke.

Dieses Jahr soll ein Kraftwerk von Netz gehen. Dies wird bis zu 250 Arbeitsplätze kosten. Nach Schätzungen der Regierung würde die Kohlekraft im Jahr 2025 nur noch 1,5 GW zum britischen Energiemix beitragen – im Vergleich zu 13,8 GW in 2017.

Derweil wies die britische Führung Aufrufe von Umweltaktivisten und Industrieverbänden zurück, die für ein vorzeitiges Kohle-Aus vor 2025 plädierten. Auch eine schrittweise Begrenzung des Kohleanteils bis 2025 sei nicht notwendig, da die Nutzung von Kohlekraft ohnehin schon sehr niedrig sei.

Die Schließung der Kohlekraftwerke in sieben Jahren geht hauptsächlich auf ein geplantes neues Emissionsstandards-Gesetz zurück. Mit diesem neuen Standard soll der CO2-Ausstoß von Kraftwerken auf 450g CO2 pro Kilowattstunde begrenzt werden. Die alten Kohlekraftwerke könnten dieses Limit nur erreichen, wenn sie mit kostspieligen Kohlendioxidabscheidern aufgerüstet werden.

Nach offiziellen Angaben wird sich der Kohleausstieg kaum auf die Verbraucherpreise auswirken und weniger als ein Prozent der durchschnittlichen Haushalts-Stromkosten ausmachen.

Die neuen Standards wurden von Umweltschützern begrüßt. Greenpeace lobte „den wichtigen Fortschritt dabei, Kohle im Mutterland der industriellen Revolution Geschichte werden zu lassen.“ Der WWF kommentierte, das geplante Gesetz treffe die „schmutzige Industrie dort, wo es sie am meisten schmerzt.“

ClientEarth warnte allerdings, dass die Kohle durch einen anderen fossilen Brennstoff ersetzt werden könnte: „Wir sind besorgt, dass die Tür für langfristige Investitionen in neue Gasanlagen offengehalten wird. Damit wird eine weitere Generation der Stromversorgung mit fossilen Brennstoffen gefestigt,“ so Sam Bright von ClientEarth.

Die oppositionelle Labour-Partei teilte mit, sie unterstütze den Kohleausstieg. Allerdings sei weitere Unterstützung für saubere Energiequellen notwendig. Schatten-Energieminister Alan Whitehead kritisierte: „Mit der begrenzten Unterstützung für erneuerbare Energie und dem Einstampfen einiger grüner Energiepläne ist die Regierung weiterhin auf bestem Wege, ihre eigenen Klimaziele zu verfehlen.“

"Ende der Kohlekraft ist vielleicht weiter entfernt, als wir denken"

Die „Verweigerungsphase“ der Energieindustrie gegenüber erneuerbaren Energien ist vorbei. Dennoch könnte sich Kohlekraft länger behaupten als bisher gedacht.