Großbritannien gibt neuen Atomkraftwerken grünes Licht [DE]

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Die britische Regierung hat am Donnerstag (10. Januar 2008) Pläne angenommen, die die Errichtung neuer Atomkraftwerke ‚weit vor 2020’ vorsehen. Dies gibt der weltweiten Renaissance der Atomenergie einen weiteren Auftrieb.

Die Regierung erklärte, dass das Vereinigte Königreich neue Atomkraftwerke benötige, um seine Klimaziele erreichen zu können und um eine übermäßige Abhängigkeit von importierter Energie aufgrund schwindender Öllieferungen aus dem Nordsee-Gebiet zu verhindern.

Der britische Energieminister John Hutton sagte den Mitgliedern des Unterhauses, dass Atomkraftwerke eine ‚sichere und erschwingliche’ Möglichkeit seien, um die zukünftige Energieversorgung Großbritanniens zu gewährleisten. Sie müssten im künftigen Energiemix des Landes neben anderen kohlenstoffarmen Energiequellen eine gewisse Rolle übernehmen.

Hutton versicherte den Mitgliedern des Unterhauses, es werde von den privaten Betreibern erwartet, dass sie vollständig für die Kosten für den Bau und die Stelllegung von Atomkraftwerken sowie der Abfallentsorgung aufkommen müssten. Dabei dürfe man die Warnungen von Kritikern nicht aus den Augen verlieren, dass enorme Gebühren für Abfallsmanagement durch höhere Steuern auf die Verbraucher umgelegt werden könnten.

Das Verhältnis zwischen Strom, der aus Atomkraft oder aus einer anderen Quelle kohlenstoffarmer Energie gewonnen würde, würde unverändert bleiben, so Hutton.

Atomkraftwerkbetreiber sagten, dass bis 2017 in Großbritannien neue Kraftwerke errichtet und funktionsfähig sein könnten. Der französische Energieriese EDF hatte bereits erklärt, dass er plane, bis 2017 im Vereinigten Königreich vier neue Atomkraftwerke zu bauen, so Vincent de Rivaz, Vorstandsvorsitzender bei EDF Großbritannien. 

Rivaz sagte dem BBC, wenn einmal der richtige Rahmen in Kraft sei, werde man sich in einer Position befinden, in der man schnell und sicher voranschreiten könne. Er fügte hinzu, eine Arbeitsgruppe bereite dies seit bereits zwei Jahren vor.

Die deutschen Energiekonzerne E.ON und RWE zeigten sich infolge der Ankündigung der britischen Regierung ebenfalls interessiert an einer Investition in neue Kraftwerke in Großbritannien.

Atomenergie – als Teil einer ausgewogenen und vielfältigen Energieversorgung – sei von großer Bedeutung für das Land, wenn man Energiesicherheit in einer Zeit gewähren wolle, in der traditionelle Quellen bedroht oder knapp seien, so David Frost von der britischer Handelskammer.

Etwa 18 Prozent des britischen Stroms wird mittels Atomkraft erzeugt. Die letzten der heute bestehenden britischen Atomkraftwerke werden im Jahr 2035 stillgelegt werden. Beobachter sind daher der Meinung, dass erneuerbare Energiequellen nicht ausreichen würden, um diese Kraftwerke zu ersetzen.

Die Regierung hat noch im Jahr 2003 Atomenergie als eine ‚unattraktive Möglichkeit’ bezeichnet. Seither haben jedoch steigende Öl- und Gaspreise dafür gesorgt, dass sich diese Haltung geändert hat. Heute wird in Bemühungen zum Kampf gegen den Klimawandel auch der Senkung von Kohlenstoffemissionen mehr Achtung geschenkt.

Luis Echávarri, Generaldirektor der Kernenergie-Agentur in Paris, sagte dem International Herald Tribune, dass die Entscheidung Großbritanniens Auswirkungen überall in Europa zeigen könne, insbesondere in Deutschland, wo sich die ehemalige rot-grüne Regierung 2000 für einen Ausstieg aus der Atomenergie entschieden hat. Grund hierfür waren die von der Industrie ausgemachten Sicherheitsrisiken.

Länder wie Frankreich und Finnland bauen bereits neue Atomkraftwerke. Auch in Italien und in den Niederlanden steht Atomenergie wieder auf der Tagesordnung.

Greenpeace Großbritannien bezeichnete die Entscheidung der Regierung als eine ‚schlechte Nachricht’ für die Energiesicherheit des Landes sowie eine ‚schlechte Nachricht’ für die Bemühungen im Kampf gegen den Klimawandel. Sein Geschäftsführer John Sauven erklärte, Forschungen hätten gezeigt, dass sogar zehn neue Reaktoren die Kohlenstoffemissionen Großbritanniens nach 2025 um nur vier Prozent senken würden.

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