Großbritannien führt Kohlenstoffmarkt ein – ohne Link zu Europa

Kraftwerk [Simon Booth / Shutterstock]

Großbritannien wird diese Woche seinen eigenen Markt für den Handel mit Emissionszertifikaten für fossile Brennstoffe starten. Da es jedoch keine Anzeichen für eine Verbindung zum Markt der Europäischen Union gibt, könnten die Preise am Ende noch stärker schwanken als in der EU.

Das britische Emissionshandelssystem (ETS) ist Teil des britischen Plans, die Treibhausgasemissionen bis 2050 auf Null zu reduzieren. Kraftwerke und andere Industrieunternehmen müssen demnach Gebühren für jede Tonne Kohlendioxid zahlen, die sie ausstoßen.

Als Großbritannien Ende 2020 Europa verlassen hat, scheidete es auch aus dem EU-Kohlenstoffmarkt aus. In einem Handelsabkommen für die Zeit nach dem Brexit einigten sich beide Seiten darauf, eine Verknüpfung ihrer Kohlenstoffmärkte ernsthaft in Erwägung zu ziehen. So könnten Genehmigungen zwischen ihnen gehandelt werden, um einen gemeinsamen Kohlenstoffpreis zu schaffen.

Doch während das britische Emissionshandelssystem kurz vor dem Start steht, gibt es keine Anzeichen für Verhandlungen über eine solche Verknüpfung. Unter den Emittenten schürt das die Befürchtung, dass getrennte Systeme britische und EU-Firmen auf eine ungleiche Basis stellen könnten.

Der deutsche Stromerzeuger RWE, der sowohl in Großbritannien als auch in der EU ETS-Verpflichtungen hat, sagte, ein eigenständiges britisches ETS wäre weniger effektiv als das der EU.

„Das Hauptproblem ist das zusätzliche Risiko, das durch den weniger liquiden Markt in Großbritannien entsteht“, sagte eine Sprecherin.

Das große, liquide EU-Emissionshandelssystem ermöglicht es den Unternehmen, ihre Kohlenstoffrisiken Jahre im Voraus abzusichern.

Mark Copley, CEO der European Federation of Energy Traders, sagte, die Verknüpfung der Systeme würde es den Unternehmen erleichtern, ihr Risiko abzusichern. „Die Verknüpfung würde den Marktteilnehmern die Möglichkeit zurückgeben, den britischen Strom auf einem viel fungibleren Markt abzusichern“, fügte er hinzu.

EU plant Fonds als Ausgleich für erhöhte Kohlenstoffpreise

Die Europäische Kommission hat vor einen Fonds für schutzbedürftige Haushalte einzurichten, die von einer Steigerung der Benzinpreise im Zuge des Plans zur Erhöhung der Preisbelastung von Kohlenstoff besonders betroffen sind.

Befürchtungen hinsichtlich der Wettbewerbsfähigkeit

Da der Handel im britischen System gerade erst begonnen hat, befürchten einige, dass sich die Unternehmen um die ersten verfügbaren Zertifikate reißen werden. Das könnte das Angebot an Absicherungsmöglichkeiten einschränken und möglicherweise zu höheren Preisen führen.

„Selbst bei den hohen Preisen in der EU ist es nicht unwahrscheinlich, dass sie im britischen ETS noch höher sein werden“, sagte Frank Aaskov, Manager für Energie- und Klimapolitik bei der Industriegruppe Steel UK. „Das wird unsere Wettbewerbsfähigkeit hier im Vereinigten Königreich noch weiter einschränken.“

Der Generalsekretär von Eurogas, James Watson, sagte, sein Industrieverband erwarte „Wettbewerbsverzerrungen“ zwischen der EU und Großbritannien, wenn die Systeme nicht miteinander verbunden würden.

Die EU-Kohlenstoffpreise sind letzte Woche auf ein Rekordhoch von über 56 Euro pro Tonne gestiegen. Der Preis für die Zertifikate im britischen Emissionshandelssystem ist noch nicht bekannt, da der Handel noch nicht begonnen hat.

Da sich die politischen Entscheidungsträger in Brüssel jetzt auf eine umfassende Überarbeitung der Klimapolitik der EU konzentrieren, die im Juli ansteht, und die Spannungen nach dem Brexit weiter aufflammen, fehlte Analysten zufolge der politische Appetit, um schnell eine Verbindung zum britischen System herzustellen.

Eine Sprecherin der britischen Regierung sagte, sie prüfe „eine Reihe von Optionen, wie das britische Emissionshandelssystem am besten mit anderen Kohlenstoffmärkten zusammenarbeiten kann“.

Ein Vertreter der Europäischen Kommission verwies auf die Vereinbarung im Post-Brexit-Handelsabkommen, eine Verknüpfung in Betracht zu ziehen, und sagte, dies müsse ausgehandelt werden.

Laut Think-Tanks bleibt der Kohlenstoffmarkt von der EU-Grenzabgabe weitgehend unbeeinflusst

Kostenlose CO2-Zertifikate ermöglichen es bestimmten EU-Unternehmen, CO2 auszustoßen, ohne dafür zu bezahlen. Derzeit gibt es Pläne für ein Instrument, das diese ersetzen soll. Klimaforschungsinstitute sind jedoch der Meinung, dass mehr als die Hälfte der Zertifikate dennoch unverändert bleiben werden.

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