Griechischer Privatsektor will staatliches Braunkohlekraftwerk „modernisieren und retten“

Sollte die aktuelle Produktion beibehalten werden, dürfte das griechische Braunkohlekraftwerk Amyntaio nur noch rund zehn Monate laufen. [Shutterstock]

Privatfirmen haben angeboten, ein griechisches Braunkohlekraftwerk, das die CO2-Emissionsstandards der EU nicht einhält, zu modernisieren und den weiteren Betrieb somit sicherzustellen.

Die (Teil-) Privatisierung der Braunkohlewerke der staatlichen Stromgesellschaft (DEI) ist Teil der Verpflichtung des Landes, seinen Elektrizitätsmarkt zu öffnen. Mit diesen Maßnahmen will Athen auch die Stromerzeugung aus Braunkohle im öffentlichen Sektor um 40 Prozent reduzieren und den CO2-Reduzierungszielen der EU entsprechen.

Das besagte Kraftwerk Amyntaio ist ein Braunkohlewerk in der Nähe der Stadt mit gleichem Namen in Westgriechenland. Die Erneuerungskosten werden auf mehr als 100 Millionen Euro geschätzt – Geld, das die klamme DEI nicht hat.

Laut griechischen Medienberichten würde ein Ende des Kraftwerks zu mehreren Problemen führen: Rund 1.000 Menschen arbeiten im Werk Amyntaio, und zwei Städte würden durch eine Stilllegung ihrer Fernwärmeversorgung beraubt.

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EU-Kommissionsmitarbeiter erläuterten gegenüber EURACTIV.com, das Braunkohlekraftwerk profitiere bereits von einer Lebensdauer-Ausnahmeregelung unter der Richtlinie für Industrieemissionen.

Demnach darf Amyntaio seit 1. Januar 2016 und bis spätestens 31. Dezember 2023 für insgesamt maximal 17.500 Stunden betrieben werden. Tatsächlich lief das Kraftwerk seit Anfang 2016 bereits mehrere tausend Stunden. Sollten die aktuellen Kapazitätwn beibehalten werden, blieben lediglich rund zehn weitere Monate Betriebsdauer.

Die griechischen Behörden haben seit 2015 die EU-Kommission mehrfach davon in Kenntnis gesetzt, dass sie die Gesamtbetriebsdauer für Amyntaio auf 32.000 Stunden erhöhen wollen. Die EU-Exekutive hat nach Prüfung der Anträge jedoch festgestellt, dass das Werk die nötigen Bedingungen nicht erfüllt und die vorgesehenen 17.500 Stunden beibehalten werden.

Angebot aus dem Privatsektor

Ein Sprecher der staatlichen DEI erklärte gegenüber EURACTIV, jegliche Investitionen seien abhängig von der zukünftigen Energieplanung, der geplanten Stromerzeugung aus Braunkohle sowie am Anteil am Strommix des kommenden Jahrzehnts, den Amyntaio beisteuern soll.

Laut Presseberichten in Athen sollen vier Unternehmen interessiert sein, in das Werk zu investieren: Mytilineos SA, GEK Terna und die Copelouzos Group sowie der chinesische Ausrüster Shenhua.

So habe die Mytilineos SA der DEI bereits angeboten, das Werk für rund 110 Millionen Euro zu modernisieren. Gleichzeitig machte die Firma deutlich, dieser Betrag werde nicht mit der Preisfestsetzung von Verträgen verrechnet.

Aus Sicht von Mytilineos könnten durch dieses Investment langfristig stabile Energiekosten für die Verbraucher gesichert werden. Gleichzeitig werde die nationale Industrie gestärkt, die sich immer stärkerem Druck internationaler Konkurrenten ausgesetzt sieht.

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Positionen

Anton Lazarus, Sprecher des Europäischen Umweltbüros, kommentierte die Veröffentlichung dieses Artikels wie folgt: "Im Interesse unserer Gesundheit, unserer Umwelt und unseres Klimas bewegt sich Europa von der Kohle weg. Braunkohle ist die umweltschädlichste Kohleart und wir müssen rasch aus ihr aussteigen. Die Ausnahmen, die gewährt wurden, um Amyntaio und anderen griechischen Kraftwerken die Genehmigung zu erteilen, über die EU-Grenzwerte hinaus zu verschmutzen, haben bereits zu Gesundheitskosten in Millionenhöhe für Menschen geführt, die giftige Luft atmen müssen.

Neue Investitionen in Kohle sind nicht nur unverantwortlich, sondern auch finanziell nicht sinnvoll. Es gibt keine Zukunft für die Kohlekraft in Europa."

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