Glasverpackungen: Endspurt für 100 % Kreislaufwirtschaft

Glas wird bereits in weiten Teilen Europas erfolgreich recycelt und wiederverwendet, aber es bedarf eines weiteren Schubs, um eine vollständige Kreislaufwirtschaft zu erreichen [Gerd Altmann / Pixabay].

Glasverpackungen haben bereits eine der höchsten Recyclingquoten in Europa. Um aber das europäische Ziel einer Recyclingquote von 75 % zu erreichen, ist eine bessere Sammlung von größeren Mengen Glas erforderlich. Angestrebt wird eine vollständige Kreislaufwirtschaft.

Das Sortieren und Sammeln von Glasverpackungen für Recycling und Wiederverwendung hat in Europa eine lange Tradition, die bis in die 1970er Jahre zurückreicht.

„Glas ist ein großartiges Beispiel für ein Kreislaufmaterial. Es erzielt bereits hervorragende Ergebnisse bei der Abfallsammlung und beim Recycling“, so Virginijus Sinkevičius, der europäische Umweltkommissar.

Aber die vollständige Kreislaufwirtschaft ist noch nicht erreicht – ein Teil des Glases wird immer noch verschwendet und neues Glas wird immer noch in einer kohlenstoffintensiven Produktion hergestellt.

Derzeit werden 76 % der Glasverpackungen zum Recycling gesammelt. Im Durchschnitt enthalten 52 % der Glasverpackungen recycelten Inhalt. Die Industrie ist entschlossen, bis 2030 eine Sammelquote von 90 % zu erreichen, und die Europäische Kommission hat sich ein Recyclingziel von 75 % bis 2030 gesetzt.

„Glas ist ein sehr einfaches und beständiges Material, das endlos und leicht zu neuen Glasanwendungen recycelt werden kann, ohne seine Qualität zu beeinträchtigen. Die Herausforderung bei der Erhöhung des Recyclinganteils besteht darin, Zugang zu recyceltem Glas zu haben. Deshalb ist es für uns so wichtig, die Sammlung zu verbessern“, sagte Vanessa Chesnot, Senior Product Policy Manager beim Europäischen Behälterglasverband, einer Industriegruppe.

Ein höherer Anteil an recyceltem Glas würde große Vorteile für die Umwelt mit sich bringen: Eine Erhöhung des Anteils an recyceltem Glas im Schmelzofen um 10 % senke den Energieverbrauch um 3 % und die CO2-Emissionen um 5 %, so Chesnot.

Um die Lücke zu schließen, bedarf es einheitlicher Vorschriften auf nationaler Ebene, aber mehr Flexibilität auf lokaler Ebene, je nach den Bedürfnissen und der Bevölkerung des jeweiligen Gebiets. Dazu müssen Verbraucher:innen Zugang zu mehr Informationen über das Recycling von Glas haben.

„Um das Recyclingziel von 75 % bis 2030 zu erreichen, müssen wir mehr sammeln, aber wir müssen auch besser sammeln“, sagte Chesnot und wies auf die unterschiedlichen Herausforderungen hin, denen die Verbraucher:innen bei der Sammlung und dem Recycling begegen.

„Hier kommt die Notwendigkeit der getrennten Sammlung von Glas ins Spiel. Wir müssen auch die verschiedenen Arten von Verbraucher:innen berücksichtigen“, erklärte sie.

Besorgnis über Gewichtsreduzierung

Die Europäische Kommission plant, die Richtlinie für Verpackungen und Verpackungsabfälle zu überarbeiten, um ehrgeizigere Umweltziele zu erreichen.

Chesnot glaubt zwar, dass die Überarbeitung dazu beitragen wird, die Kreislauffähigkeit von Verpackungen zu fördern. Gleichzeitig warnte sie jedoch vor Plänen, die Glasverpackungen aufgrund ihres Gewichts unangemessen benachteiligen könnten.

Dies könnte durch einen Best-in-Class-Ansatz geschehen, bei dem das leichteste Produkt in einer bestimmten Verpackungs- und Materialkategorie als Maßstab gelten würde und andere Produkte innerhalb einer bestimmten Spanne davon liegen müssten.

Obwohl die Idee verlockend erscheinen mag, bestehe die Gefahr, dass dadurch mehr leichte Kunststoffe gefördert werden, warnte Chesnot. Diese Befürchtung wird zum Teil von Umweltorganisationen geteilt, die befürchten, dass solche Maßnahmen die Hersteller zu leichteren, nicht wiederverwertbaren Verpackungen wie Plastik drängen könnten. Dadurch könnte zwar der Materialverbrauch gesenkt werden, die Abfallmenge würde sich aber möglicherweise erhöhen.

Allerdings sind nicht alle dieser Meinung. Rob Buurman von der niederländischen Nichtregierungsorganisation Recycling Netwerk sagte, es sei sinnvoll, das Gewicht von Glas in Verpackungen zu begrenzen.

„Was wir irgendwann brauchen, ist ein gewisser Standard, von dem man nur bis zu einem gewissen Grad abweichen kann“, sagte er gegenüber EURACTIV und verwies auf den Whiskyhersteller Johnnie Walker, der zwei Flaschen mit unterschiedlichem Gewicht für die gleiche Menge an Flüssigkeit verwendet.

Wiederverwendung muss lokal sein

Chesnot äußerte auch Bedenken hinsichtlich der Wiederverwendungsziele. Zwar werde bei der Abfallvermeidung die Wiederverwendung dem Recycling vorgezogen, doch könne dies nur geschehen, wenn es eine entsprechende Verbraucherkultur und ein angemessenes Vertriebsnetz gebe.

Larissa Copello von der Kampagnengruppe Zero Waste Europe schloss sich diesen Bedenken an und sagte, die Wiederverwendung müsse auf lokaler Ebene erfolgen.

Ihrer Meinung nach sollten alle Wiederverwendungsziele auch durch eine Standardisierung der Verpackungen unterstützt werden, um sicherzustellen, dass die Ziele mit einem geringeren Kohlenstoff-Fußabdruck leichter zu erreichen sind.

„Bei der Verwendung von Glas ist es besser, die Wege so kurz wie möglich zu halten. Deshalb ist es wichtig, die Logistik und den Transport zu nutzen“, sagte Copello. „Außerdem ist die Standardisierung dieser Art von Material in allen Sektoren von entscheidender Bedeutung, damit [Flaschen] nicht im ganzen Land gesammelt und verschickt werden müssen“, erklärte sie gegenüber EURACTIV.

Für Zero Waste Europe sei es wichtig, dass Glasverpackungen so oft wie möglich wiederverwendet werden, fügte sie hinzu und verwies auf eine Studie, die herausgefunden habe, dass Einwegglas – Flaschen, die einmal verwendet und dann recycelt werden – die größten Auswirkungen aller Verpackungsarten habe.

EU-Ratspräsidentschaft: Aktuelles Wirtschaftsmodell hat "keine Zukunft"

Das derzeitige Wirtschaftsmodell der EU habe „keine Zukunft“ und reagiere nicht angemessen auf „große ökologische Herausforderungen“, so Portugals Ministerpräsident António Costa am vergangenen Freitag. Er forderte die Einführung „neuer Modelle“ wie Kreislaufwirtschaft und nachhaltige Bioökonomie.

[Bearbeitet von Frédéric Simon]

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