Gegen die Brexit-Angst: Südkorea und UK schließen Öl-Deal

Plateforme pétrolière en mer Baltique, 2008. [Andrew/Flickr]

Die Angst vor dem Brexit wirkt sich stark auf den Öl- und Gashandel aus. [Andrew/Flickr]

Mit einem Anfang dieser Woche angekündigten Handelsabkommen zwischen dem Vereinigten Königreich und Südkorea sollen die Zölle auf Öllieferungen zwischen den beiden Staaten nach dem Brexit abgeschafft werden (bzw. abgeschafft bleiben). Seit einigen Monaten wurde kein Rohöl aus den britischen Feldern in der Nordsee mehr nach Korea exportiert.

Am Montag einigten sich die beiden Länder, nach dem Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union ein Freihandelsabkommen zu schließen, das ein bestehendes Abkommen zwischen der EU und Südkorea repliziert und die ansonsten anfallenden Exportzölle von drei Prozent auf Öllieferungen nach Südkorea aufhebt.

Die vom britischen Außenhandelsminister Liam Fox angekündigte Vereinbarung kommt auch in Reaktion auf die vergangenen vier Monate, in denen Südkoreas Importe von britischem Rohöl auf Null gesunken sind. Grundsätzlich war Südkorea lange Zeit ein wichtiger Käufer von britischem Rohöl, zeigte sich aber besorgt über die mögliche Aufhebung der Zollbefreiung, wenn der Brexit Wirklichkeit wird. Dies führte dazu, dass sich diverse Einkäufer zurückzogen.

Das Freihandelsabkommen umfasst zwar auch andere Teile der Wirtschaft, doch gerade der erwartete positive Effekt in Bezug auf die Öl-Zölle macht deutlich, wie sehr sich die Angst vor dem (potenziellen) Brexit auf den Öl- und Gashandel in der Nordseeregion auswirkt.

Abtritt mit Paukenschlag: Theresa May stimmt Netto-Null-Emissionen bis 2050 zu

In einer ihrer letzten Amtshandlungen als Premierministerin hat Theresa May bestätigt, dass das britische Parlament ein rechtsverbindliches Ziel von Netto-Null-Kohlenstoffausstoß bis 2050 festlegen wird.

Die Unsicherheit über die zukünftigen Handelsregelungen kommt zu einem Zeitpunkt, da die Margen bei der Erdölverarbeitung in Nordwesteuropa bereits zurückgegangen sind, so eine in dieser Woche veröffentlichte Analyse von Bloomberg. Drei von sieben Raffinerien in Nordwesteuropa machen angesichts der schwachen Nachfrage aktuell Verluste.

Die sprunghafte Volatilität durch die Haltung Südkoreas – das mehrere Monate lang keinerlei Importe zuließ und nun voraussichtlich vier Millionen Barrel in diesem Monat allein ordern wird – dürfte den Druck auf die europäischen Raffinerien weiter erhöhen.

Im März warnte die Internationale Energieagentur in ihrem mittelfristigen Ölmarktbericht, dass „ein ungeordneter Brexit zu einer Verringerung der Wachstumsrate des internationalen Handels und der Ölnachfrage führen könnte“.

Ein 2017 von Oil & Gas UK in Auftrag gegebener Bericht war ebenfalls zu dem Schlus gekommen, dass die üblichen WTO-Zölle, die im Falle eines „No-Deal-Brexits“ wirksam werden, die Kosten des Ölhandels um rund 500 Millionen Pfund erhöhen könnten.

Das nun erzielte Abkommen zwischen dem Vereinigten Königreich und Südkorea könnte in den kommenden Monaten als Blaupause für andere derartige Handels-Deals dienen. Damit sollen strategische Sektoren wie Öl und Gas vor Unsicherheiten abgesichert werden – unabhängig davon, ob London am 31. Oktober mit oder ohne Abkommen aus der EU austritt.

Subventionen für fossile Energie: London ist "Spitzenreiter"

Das Vereinigte Königreich gibt innerhalb der EU am meisten Geld für die Subventionierung fossiler Brennstoffe aus. Die EU-weiten Zahlungen sind trotz der Bekenntnisse zum Pariser Klimaabkommen nicht rückläufig.

Die britischen Exporte nach Südkorea sind allgemein stark angestiegen, nachdem das entsprechende Abkommen mit der EU im Jahr 2011 abgeschlossen wurde. Im vergangenen Jahr verkaufte das Vereinigte Königreich Waren im Wert von etwa sechs Milliarden Pfund an das asiatische Land, während Güter im Wert von etwa vier Milliarden Pfund importiert wurden.

Südkorea ist mit der Vereinbarung vom Montag das erste asiatische Land, das ein Handelsabkommen mit London für die Zeit nach dem Brexit geschlossen hat. „Die Kontinuität unserer Handelsbeziehungen wird es Unternehmen im Vereinigten Königreich und in Korea ermöglichen, den Handel ohne neue, zusätzliche Hindernisse fortzusetzen. Das wird uns wiederum dabei helfen, den Handel in den kommenden Jahren weiter auszubauen,“ zeigte sich Minister Fox zuversichtlich.

Weitere Informationen

100 Milliarden Dollar für Öl, Gas und Kohle - jedes Jahr

Jedes Jahr werden von den G7-Staaten mindestens 100 Milliarden US-Dollar für die Förderung und den Verbrauch von Öl, Gas und Kohle ausgegeben. Dabei soll die Subventionierung fossiler Brennstoffe bis 2025 enden.

Polen und andere EU-Staaten unter Druck: "Raus aus der Kohle"

Mit den aktuell vorliegenden nationalen Energie- und Klimaplänen bleiben die EU-Staaten deutlich hinter den Zielen des Pariser Klimaabkommens zurück. Insbesondere müssten Länder, die Geld aus dem EU-Energiewendefonds erhalten, "nicht nur kassieren, sondern auch liefern".

Milliarden für Sprit, Billionen für die Gesundheitsfolgen

Gesundheitskosten für Erkrankungen, die durch fossile Brennstoffe verursacht wurden, liegen noch einmal 600 Prozent höher, als die Brennstoff-Subventionen aus Steuern.

Subscribe to our newsletters

Subscribe

Wissen was in Europas Hauptstädten passiert - abonnieren Sie jetzt unseren neuen 9 Uhr Newsletter.