Gazprom kauft South Stream-Anteile von EU-Partnerunternehmen

Das South Stream-Projekt wurde im Dezember 2014 gestoppt. Foto: Ray Bodden (CC BY 2.0)

Der russische Gasmonopolist Gazprom hat die Anteile seiner europäischen Partnerunternehmen an der South Stream-Gaspipelinegesellschaft für rund eine Milliarde Euro aufgekauft. Der Konzern ist damit der alleinige Anteileigner. EURACTIV Brüssel berichtet.   

Für die Anteile an der Projektgesellschaft South Stream soll Gazprom dem italienischen Unternehmen Eni, das 20 Prozent der Anteile hielt, rund 390 Millionen US-Dollar bezahlt haben. Frankreichs EDF und die deutsche Wintershall bekamen für ihren Anteil von jeweils 15 Prozent rund 290 Millionen US-Dollar.

Auf den ersten Blick ist unklar, warum Gazprom die Anteile gekauft hat. Die Vereinbarung der Anteilseigner sieht eine gemeinsame Risikoübernahme für das Projekt vor. Russland entschied jedoch einseitig, das Projekt aufzukündigen.

Finanziell steht Gazprom nicht gut da. Doch Russland will offenbar durch diese Zahlungen die guten Beziehungen zur Eni-Tochter Saipem bewahren. Das Unternehmen hat die Lizenz zur Verlegung der Pipeline im Schwarzen Meer für South Stream. Russland will jetzt seine Dienste für Turkish Stream nutzen – das Ersatzprojekt für South Stream. Damit soll russisches Gas zum europäischen Teil der Türkei transportiert werden.

Konstantin Simonov, der Vorsitzende der russischen Stiftung für die nationale Energiesicherheit, sieht im Aufkauf der Anteile der übrigen Gesellschafter genau deshalb eine positive Entwicklung.

Angst vor Sanktionen

Die russische Presseagentur Interfax zitiert informierte Kreise, wonach die Beziehungen Gazproms mit dem in den Niederlanden registrierten Unternehmen „South Stream Transport B.V.“ im Zusammenhang mit den EU-Sanktionen extrem wichtig sind. Die Sanktionen treffen Russlands Gas- und Ölgeschäfte empfindlich.

Die EU-Sanktionen begrenzen die Ausfuhren bestimmter Ausrüstung und Technologien für den Energiesektor nach Russland, da zuvor die Mitgliedsstaaten zustimmen müssen. Die Exportlizenzen werden verweigert, wenn die Produkte für die Tiefwasser-Ölproduktion und Ölgewinnung, die Gewinnung und Produktion arktischen Öls sowie Schiefergas-Projekte in Russland bestimmt sind.

South Stream Transport B.V. soll eine niederländische Lizenz für die Produktion der Rohre haben – und einen Vertrag mit Saipem für die Verlegung der Pipeline auf dem Grund des Schwarzen Meeres. Saipem wiederum hat die italienische Genehmigung, das für das South Stream-Projekt zu machen. Allerdings ist unklar, ob das auch für das Projekt Turkish Stream gilt.

Nach Angaben von Interfax soll Gazprom bereits eine Gesellschaft für Turkish Stream gegründet haben. Sie soll „Gazprom Russkaya“ heißen. South Stream Transport B.V. könnte demnach ein Teil des Projekts sein.

Dem Bericht zufolge konnte Gazprom allerdings noch keine Einigung mit der Türkei über einen Erkundungsbeginn für Turkish Stream erzielen. Informierten, von Interfax zitierten Kreisen zufolge, fordert Ankara ein Pauschalangebot, das Rabatte auf Gaspreise und eine Vergrößerung der Kapazitäten der bereits existierenden Offshore-Gaspipeline Blue Stream. Dieser Ausbau soll Russland mit dem asiatischen Teil der Türkei verbinden.

Die Rohre für den Bau von Turkish Stream würden im bulgarischen Hafen Varna gelagert werden. Die Rohre für die South Stream-Pipeline sind bereits dort. 

Hintergrund

South Stream war ein von Russland gefördertes Pipeline-Projekt für den Transport von Erdgas – unter Umgehung der Ukraine. Die ursprüngliche Planung sah einen Verlauf durch das Schwarze Meer nach Bulgarien vor. Von dort sollte die Pipeline nach Serbien gehen, mit zwei Abzweigungen nach Bosnien und Herzegowina sowie Kroatien. Von Serbien aus sollte die Pipeline über Ungarn und Slowenien Italien erreichen. South Stream sollte 63 Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr transportieren.

Bei einem Besuch in der Türkei am 1. Dezember hatte der russische Präsident Wladimir Putin das Aus des Projekts verkündet.

Die wichtigsten Gazprom-Partner für das South Stream-Projekt waren Italiens größtes Energieunternehmen ENI, das deutsche Unternehmen Wintershall, eine BASF-Tochter sowie der französische Energiekonzern EDF.