G7 beschließen 18 Millionen für Waldbrände, Brasilien lehnt ab

Die G7 bei der heutigen Sitzung. [Ian Langsdon/ epa]

Der zweite Sitzungstag der G7 stand unter dem Zeichen des Klimaschutz. Dabei einigten sich die Länder auf ein Erste-Hilfe-Programm zur Bekämpfung der Waldbrände am Amazonas. Doch Brasilien lehnt die Hilfe ab.

Im französischen Biarritz haben die Staats- und Regierungschefs der G7 gestern, am 26. August, ein Sofortprogramm von knapp 18 Millionen Euro beschlossen, um die grassierenden Waldbrände in der Amazonas-Region einzudämmen. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte das Thema kurzfristig auf die Sitzungsagenda des Treffes gesetzt.

Doch nur wenige Stunden später folgte eine Absage seitens des brasilianischen Kabinettschefs Onyx Lorenzoni. Einem Nachrichtenportal sagte er, man wolle das Geld nicht annehmen. Stattdessen sollten die Millionen dazu verwendet werden, die Wälder in Europa wieder aufzuforsten. Das Präsidentenbüro bestätigte die Ablehnung gegenüber der Nachrichtenagentur AFP.

Die Waldbrände im amazonischen Regenwald, die mit ca. 1,2 Millionen Quadratkilometern in etwa die doppelte Fläche Frankreichs bedecken, seien „ein Drama für die gesamte Menschheit“, hatte Macron noch am Vortag gesagt. Man wolle daher sofortige finanzielle und technische Hilfen zur Verfügung stellen.

Die größte zugesagte Summe mit rund elf Millionen Euro soll von Großbritannien kommen. Außerdem sagte das Königreich zu, seinen Anteil zum internationalen Klimafonds verdoppeln zu wollen. Der Fonds stellt seit 2014 jedes Jahr einhundert Milliarden Dollar für vom Klimawandel betroffene Regionen bereit. Großbritannien werde somit in den kommenden vier Jahren umgerechnet knapp 1,6 Milliarden Euro beisteuern.

Bis zum Klimagipfel in New York in September solle außerdem ein umfassendes Wiederaufforstungsprogramm für die Amazonasregion beschlossen werden, so Macron. Profitieren sollen davon die neun von den Feuern betroffenen Staaten Brasilien, Französisch-Guyana, Peru, Kolumbien, Venezuela, Surinam, Bolivien, Ecuador und Guyana.

In diesen Gebieten haben die Waldbrände in den vergangenen Wochen dramatisch zugenommen. Eine Vielzahl der Feuer ist nicht natürlichen Ursprungs, sondern entsteht aus Brandrodungen zur Schaffung freier Flächen, zum Beispiel für die Tierzucht. Nach Angaben des staatlichen brasilianischen Weltraumforschungsinstituts INPE fielen im Juni dieses Jahres 60 Prozent mehr Regenwald der Brandrodung zum Opfer als im gleichen Monat des Vorjahres.

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Waldbrände aus finanziellen Interessen

Die Absage Brasiliens kommt wenig überraschend. Brasiliens rechtspopulistischer Präsident Bolsonaro hatte den ausländischen Hilfeangeboten eine „kolonialistische Mentalität“ vorgeworfen. Erst infolge der Drohung Frankreichs und Irlands, das lang geplante Handelsabkommen zu blockieren, sollte Brasilien nichts unternehmen, setzte der Präsident am Wochenende 43.000 Armeekräfte sowie zwei Militärflugzeuge zur Löschung ein. Beobachter unterstellen Bolsonaro, die Feuer im eigenen Land zumindest zu dulden und sich von der Rodung wirtschaftliche Vorteile zu versprechen.

Das Handelsabkommen der EU und der Mercosur-Staaten sei somit zum Treiber der Waldbrände geworden, kritisierte heute der agrarpolitische Sprecher der Fraktion Grüne/EFA im Europäischen Parlament, Martin Häusling: „Brasilien schafft Platz für Weideflächen und Sojaplantagen – denn Europa soll beliefert werden mit dem Fleisch von 600.000 Rindern sowie unzähligen Hühnern. Das braucht Platz.“

Deutschland hatte sich der Idee, Mercosur zu stoppen, nicht angeschlossen. Allerdings hatte das Land zusammen mit Norwegen bereits vor einiger Zeit in Betracht gezogen, die Zahlungen in den seit 2010 existierenden internationalen Amazonienfonds für Wald- und Klimaschutz zu stoppen. Deutschland werde mit Bolsonaro in Kontakt treten, um die eigene Sichtweise darzustellen, verkündete Angela Merkel heute bei einer Pressekonferenz.

Sie sei zufrieden mit den Gesprächen zum Klimaschutz gewesen. Am Morgen hatte Merkel noch Gespräche mit UN-Generalsekretär António Guterres geführt. Man sei sich einig gewesen, dass im Vorlauf der COP25 die „Verpflichtung möglichst vieler Länder zur Klimaneutralität 2050 von allergrößter Bedeutung“ sei.

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Weitere Details zur Klima-Sitzung der Staatsoberhäupter sind bisher nicht bekannt. Neben den Amazonasbränden hatten die G7 auch über den Schutz der Ozeane debattiert. Zu letzterem hatten die EU und Kanada im Juli ein gemeinsames Ozeanprogramm auf den Weg gebracht.

Donald Trump hatte sich an der Arbeitssitzung zu Umweltthemen nicht beteiligt. Als er später von Journalisten gefragt wurde, ob er anwesend gewesen sei, sagte er, „die Sitzung wird bald stattfinden“. Auf den Einwand, die haben bereits stattgefunden, ging er nicht ein. Medienberichten zufolge hatten sich Vertreter der US-Regierung brüskiert gezeigt, warum Gastgeber Macron „Nischenthemen“ wie die Artenvielfalt auf die Agenda genommen habe, statt sich auf wirtschaftliche Themen zu fokussieren.

Eine Abschlusserklärung soll es laut Macron nun doch geben, wenn auch nur eine minimalistische. Beim letzten G7-Gipfel hatte Donald Trump seine Unterstützung für die gemeinsame Erklärung im Nachhinein zurückgezogen.

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