Fünf Gründe, um optimistisch für die Umwelt sein zu können

Die Anzeichen eines ökologischen Zusammenbruchs werden von Tag zu Tag deutlicher. Aber es gibt auch Gründe zu glauben, dass sich die Dinge zum Besseren wenden könnten. [World Meteorological Organization / Flickr]

Seien wir mal ehrlich, wenn es um die Umwelt geht, gibt es nicht viel, worüber man sich freuen kann. Um Ihnen also einen langen Sommer der Öko-Angst zu ersparen, haben wir nach einigen Lichtblicken gesucht. Hier sind fünf Gründe, optimistisch zu sein.

Die Anzeichen eines ökologischen Zusammenbruchs werden von Tag zu Tag deutlicher. Teile der Erde könnten bald zu heiß zum Leben sein, jedes Jahr sterben mehr Menschen bei Überschwemmungen, Waldbränden und Hitzewellen, und der Mensch könnte bald für das größte Massensterben verantwortlich sein, das der Planet je erlebt hat,

Und obwohl vieles davon vermieden werden könnte, fehlt der auf internationaler Ebene erforderliche politische Wille zur Trendwende dringend.

Aber es gibt auch Gründe zu glauben, dass sich die Dinge zum Besseren wenden könnten. Hier sind fünf von ihnen.

Junge Menschen haben eine Stimme

Junge Menschen in ganz Europa sind auf die Straße gegangen, um eine stärkere Klimapolitik zu fordern. Sie machen es seit einem Jahr jede Woche und es sieht nicht danach aus, dass sie bald aufhören.

Die von der schwedischen Klimaaktivistin Greta Thunberg initiierte Schulstreikbewegung hat unerwartete Ausmaße angenommen und Millionen auf der ganzen Welt inspiriert.

Selbst renommierte Wissenschaftler haben sich beteiligt und Schulkinder ermutigt, weiterhin für das Klima zu kämpfen, während die Bürger die EU vor Gericht gebracht haben, um einen stärkeren Klimaschutz zu fordern.

25.000 Schüler streiken in Berlin für eine ambitionierte Klimapolitik

Es ist einer der größten Klimaproteste der Geschichte. Schüler in über 123 Ländern gingen heute auf die Straßen, in Berlin streikten laut Veranstaltern 25.000 Schüler, 300.000 in ganz Deutschland. Die Klimastreik-Initiatorin Greta Thunberg wurde gestern für den Friedensnobelpreis nominiert.

Glücklicherweise sind ihre Forderungen nicht ungehört geblieben. Politiker aus dem gesamten politischen Spektrum haben dies zur Kenntnis genommen und unterstützen mutigere Klimaschutzziele, um bei den Europawahlen Anfang des Jahres die Stimme der Jugendlichen zu gewinnen.

Das Ergebnis all dessen? Europa wurde bei den letzten Europawahlen von einer „grünen Welle” erfasst. Und die zukünftige Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, war gezwungen, den Grünen Zugeständnisse zu machen, indem sie sich verpflichtete, in den ersten 100 Tagen ihrer Amtszeit einen „Green Deal“ für Europa vorzulegen und bis 2050 in der gesamten EU eine „Klimaneutralität“ zu erreichen.

„Die größte Errungenschaft, die wir in Europa haben, ist, dass die öffentliche Meinung auf unserer Seite ist“, sagte Maros Šefčovič, der für die Energieunion zuständige Kommissar der EU.

Vegetarismus wird zur neuen Norm

Während vor einigen Jahren noch oft Fisch oder Huhn auf den Speisekarten stand, wird es jetzt ernst.

Städte in ganz Europa haben begonnen, mehr vegetarische Gerichte oder einen fleischlosen Tag pro Woche in öffentlichen Kantinen anzubieten, zum Beispiel in Schulen oder Krankenhäusern.

Vegetarier zu werden, kann einen großen Unterschied für die Umwelt machen. Die kombinierten Emissionen der 20 größten Fleisch- und Milchunternehmen der Welt übertreffen die Emissionen ganzer Nationen wie Deutschland, Kanada, Australien oder Großbritannien, so eine vor einem Jahr veröffentlichte Studie.

Greenpeace: Weniger Milch und Fleisch für das Klima

Die Welt muss die Produktion und den Verbrauch von Fleisch bis 2050 halbieren, um die Klimaziele des Pariser Abkommens zu erreichen, heißt es in einem neuen Greenpeace-Bericht.

Glücklicherweise werden Alternativen immer häufiger angeboten. Und die fleischlose Lebensmittelindustrie ist zu einem vielversprechenden Geschäft geworden. Beyond Meat, ein US-amerikanischer Hersteller von pflanzlichen Fleischersatzstoffen, verdreifachte seinen Aktienwert innerhalb weniger Tage nach dem Börsengang Anfang des Jahres.

Außerdem können die EU-Politiker jetzt das Beste vom Vegetarismus genießen. Ein veganes Restaurant in Brüssel wurde kürzlich zum besten veganen Restaurant der Welt gekürt.

Warum also nicht mal ausprobieren? Wenn nicht für den Planeten, kann man ihn für seine eigene Gesundheit in Betracht ziehen. Ein Bericht, der im vergangenen Jahr von einer Gruppe von 37 angesehenen Wissenschaftlern veröffentlicht wurde, hat vorgeschlagen, dass sich eine radikale Ernährungsumstellung sowohl für die Umwelt als auch für die menschliche Gesundheit als vorteilhaft erweisen würde, wodurch jährlich 10,9-11,6 Millionen vorzeitige Todesfälle vermieden werden könnten.

Erneuerbare Energien sind heute die billigste Energiequelle

Energie aus erneuerbaren Quellen ist billiger als je zuvor.

Laut Bloomberg New Energy Finance (BNEF) sind erneuerbare Energien heute die billigste Form der neuen Stromerzeugung in zwei Dritteln der Welt. Bis 2030 wird die Wind- und Solarenergie „bestehende Kohle und Gas fast überall unterschreiten“, so der New Energy Outlook 2019 des BNEF.

Eine Studie der International Renewable Energy Agency (IRENA) vom vergangenen Jahr hatte diesen Trend bereits bestätigt. Die Kosten für Onshore-Windenergie sanken seit 2010 um 23%, während die Solar-Photovoltaik (PV) in dieser Zeit um 73% gesunken war.

Klimaneutralität: Einigung ohne Einigung

Der EU-Rat wird sich heute auf Netto-Null-Emissionen einigen. Die Staats- und Regierungschefs wollen sich jedoch Zeit lassen und den offiziellen Abschluss dieser Vereinbarung bis „Anfang 2020“ aufschieben.

Und dieser Trend wird sich mit ziemlicher Sicherheit fortsetzen, da andere Technologien wie elektrische Batterien billiger werden, sagen Experten. Laut IRENA werden alle Technologien für erneuerbare Energien bis 2020 wettbewerbsfähig gegenüber fossilen Brennstoffen sein.

Selbst die Ölkonzerne erkennen heute an, dass erneuerbare Energien die Zukunft sind. In diesem Jahr sagte die britische Ölgesellschaft BP, dass Wind, Solar und andere erneuerbare Energien bis 2040 etwa 30% der weltweiten Stromversorgung ausmachen werden, gegenüber 25% in ihren früheren Schätzungen. Und die Geschwindigkeit des Wachstums war beispiellos, sagte das Unternehmen in seinem jährlichen Energieausblick.

Tatsächlich haben die meisten europäischen Ölgroßkonzerne damit begonnen, ihre Vermögenswerte zu diversifizieren und investieren jetzt Milliarden in saubere Technologien.

Neue EU-Dynamik für das Klima

Ja, die europäischen Staats- und Regierungschefs konnten sich im vergangenen Juni nicht auf ein EU-weites Ziel einigen, die EU bis 2050 klimaneutral zu machen.

Aber der Deal ist noch nicht vom Tisch. Finnland, das derzeit die EU-Präsidentschaft innehat, ist bestrebt, dies bis Ende des Jahres zu erreichen. Und die UNO veranstaltet im September in New York City einen Klimagipfel, der den Verhandlungen neue Impulse verleihen könnte.

Eine europäische "Heldentat" gegen den Klimawandel

Finnland will’s wissen: „Die Lösung der Klimakrise kann die nächste europäische Heldentat sein,“ schreibt Premierminister Antti Rinne in einem Blog-Post.

Natürlich haben die USA ihre Absicht bekundet, sich aus dem Pariser Abkommen zurückzuziehen. Aber das hat zu erneuten Aktionen auf lokaler Ebene geführt, angetrieben vom milliardenschweren Philanthropen Michael Bloomberg, der eine Gruppe von US-Bundesstaaten, -Städten und -Unternehmen unter der Koalition „We are Still In“ gründete.

In Europa forderten 210 Bürgermeister aus ganz Europa kürzlich ehrgeizigere Emissionsminderungsziele. Und andere lokale und regionale Behörden haben in ihren Wahlkreisen Klimakatastrophen erklärt, um das Bewusstsein für dieses Thema zu schärfen.

Die Wölfe sind zurück

Ob man sie mag oder nicht, Wölfe sind wieder in Europa.

In Deutschland, wo die Wölfe 150 Jahre lang ausgestorben waren, gibt es heute mehrere Dutzend Wolfsrudel. Und für einige von ihnen ist Deutschland zu klein geworden.

Umweltministerium fördert Wildnis in Deutschland

Zwei Prozent der deutschen Landfläche sollen bis 2020 der Verwilderung freigegeben werden. Dazu hat das Umweltministerium nun einen Wildnisfonds ins Leben gerufen.

Die Wölfin Naya hat sich in Ostflandern niedergelassen, wo sie Junge erwartet, nachdem sie mehrere hundert Kilometer von Deutschland über die Niederlande nach Belgien gelaufen ist. Als Naya 2018 nach Belgien kam, war sie die erste Wölfin, die seit über 100 Jahren im Königreich gesichtet wurde.

Nayas Fall ist nicht nur ein Einzelfall. Andere Arten, wie der Biber und der Bison, sind in Europa wieder auf dem Vormarsch und werden häufiger in der Wildnis gesichtet.

[Bearbeitet von Frédéric Simon und Britta Weppner]

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