Klimaaktivistinnen drängen Merkel in Gespräch zu mehr Klimaschutz

Bundeskanzlerin Merkel mit den Umweltschützerinnen Greta Thunberg und Luisa Neubauer. [EPA-EFE/Steffen Kugler]

Führende Aktivistinnen der Klimaschutzbewegung Fridays for Future (FFF) haben Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Berlin aufgefordert, ihrer Verantwortung im Kampf gegen die Erderwärmung stärker gerecht zu werden. 

„Wir fordern, das Pariser Klimaschutzabkommen jetzt in konkrete Politik umzusetzen“, sagte die deutsche Aktivistin Luisa Neubauer nach dem Gespräch am Donnerstag im Kanzleramt. Die schwedische FFF-Initiatorin Greta Thunberg sprach von einer „sehr freundlichen“ Begegnung mit Merkel.

Neubauer räumte ein, es sei deutlich geworden, dass die Klimaaktivisten und die Kanzlerin „von unterschiedlichen Perspektiven“ auf die anstehende Herausforderung blicken. Merkel habe darauf hingewiesen, dass ihr als Physikerin die von der Wissenschaft vorgetragenen Anforderungen bewusst seien, sie als Politikerin aber „die Komplexität der Lage berücksichtigen“ müsse. Die Kanzlerin habe aber zugesichert, dass sie gewillt sei, den Klimaschutz im Rahmen der deutschen EU-Präsidentschaft weiter voranzubringen.

In einem offenen Brief an die europäischen Staats- und Regierungschefs hatten die Aktivistinnen zuvor unter anderem den „unverzüglichen Stopp der Gewinnung und Subventionierung fossiler Brennstoffe“ gefordert. Ein Verbrechen an der Umwelt, der „Ökozid“, solle als internationales Verbrechen vom Internationalen Strafgerichtshof geahndet werden. Alle Staaten müssten ab sofort jährliche und verbindliche CO2-Budgets erstellen, die sich auf die wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Klimawandel stützten. Die EU müsse ihre Emissionsziele verschärfen.

„Es geht um klare Ziele und klare Zahlen“, sagte dazu Neubauer. „Dafür brauchen wir Aktionen, mehr als nette Worte.“ Thunberg sagte, es müsse jetzt darum gehen, „die Priorität auf die Zukunft zu setzen“. Es gelte, „die riesige Lücke zu überbrücken zwischen dem, was die Wissenschaft sagt und dem, was tatsächlich passiert“, verlangte die belgische FFF-Aktivistin Adélaïde Charlier.

Das eineinhalbstündige Gespräch mit Merkel fand zwei Jahre nach Beginn der ersten Schulstreiks von Fridays for Future statt. Bei dem Treffen sei es auch um das umstrittene Freihandelsabkommen Mercosur zwischen der EU und Lateinamerika gegangen, das Umweltschützer unter anderem wegen einer befürchteten weiteren Zerstörung von Regenwäldern ablehnen. Die belgische Klimaaktivistin Anuna De Wever äußerte sich erfreut, dass Merkel sich ablehnend zu dem Abkommen geäußert habe.

Regierungssprecher Steffen Seibert schrieb nach dem Gespräch im Internetdienst Twitter, es sei um „Fragen des Klimaschutzes auf nationaler, europäischer und globaler Ebene“ gegangen. Merkel sagte bei der Begrüßung der Aktivistinnen, sie freue sich, dass diese zu ihr gekommen seien.

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