Frankreich: vier von zehn Geschäften verstoßen gegen Pestizidgesetz

Gewisse Pflanzenschutzmittel dürfen in französischen Geschäften nicht frei zugänglich sein. [Greenpeace EU]

Eine französische Verbraucherschutzorganisation hat die lasche Anwendung des Gesetzes zum Verkauf von Pflanzenschutzmitteln kritisiert. Fast die Hälfte der getesteten Geschäfte verstoße gegen das Gesetz. Ein Bericht von EURACTIV-Partner Ouest-France.

44 Prozent der in einer Studie der Organisation CLCV getesteten Geschäfte bieten Pflanzenschutzmittel zur Selbstbedienung im Regal an – obwohl dies in Frankreich seit 1. Januar 2017 verboten ist. In der am Dienstag vorgestellten Studie wurden Fachgeschäfte und Supermärkte mit Gartenabteilung überprüft. „Als wir die Untersuchung starteten, hätten wir niemals mit solch einem Ergebnis gerechnet“, zeigte sich CLCV-Umweltchef Adrien Tchang-Minh sichtlich überrascht.

Die Gesetzeslage in Frankreich

Das französische Landwirtschaftsministerium unterscheidet zwischen zwei Produktkategorien: Sogenannte „Bio“-Produkte, die aus natürlichen Substanzen bestehen und daher ein geringes Giftigkeits-Risiko haben, und chemische Pflanzenschutzmittel. Das besagte Gesetz über die Zukunft der Landwirtschaft, Ernährung und Fortwirtschaft (LAAAF) befasst sich mit Letzteren. Der Verkauf dieser chemischen Produkte wurde von CLCV untersucht.

Seit Anfang des Jahres dürfen chemische Pflanzenschutzmittel nicht mehr in Selbstbedienungsregalen angeboten werden. Sie müssen in einem bestimmten, nicht frei zugänglichen Bereich des Ladens aufbewahrt und von Mitarbeitern ausgegeben werden, die die Kunden gegebenenfalls beraten können. In vielen getesteten Läden waren die Produkte jedoch „frei zugänglich oder in nicht abgeschlossenen Schränken gelagert“, erklärt Tchang-Minh. Auch die Beratung sei nicht immer zutreffend oder genau gewesen – wenn es überhaupt welche gab.

Schlüsse der Studie

Die Untersuchung wurde zwischen März und Mai 2017 durchgeführt. Insgesamt habe ungefähr ein Drittel der frei zugänglichen Pestizide nicht frei zugänglich sein dürfen, so ein Sprecher von CLCV. „Was aber beunruhigender ist, ist die fehlende Beratung.“ Diese sei in 22 Prozent der Fälle überhaupt nicht gegeben gewesen. „Wenn uns Verkäufer beraten haben, war die Beratung meist interessant und auch zutreffend, oft konnte uns aber nicht erklärt werden, wie das Produkt zu benutzen ist, wie man sich schützen kann und ob es weniger giftige Alternativen gibt.“

CLCV ruft daher Geschäfte, die Pflanzenschutzmittel verkaufen, dazu auf, ihre Mitarbeiter besser auszubilden und zu spezialisieren. „Es kann nicht sein, dass jeder Mitarbeiter Pestizide verkaufen darf“, kritisiert Tchang-Minh. „Wir brauchen qualifiziertes Personal, das die Produkte kennt und versteht und den Kunden auch weniger schädliche Pestizidalternativen zeigen kann.”

Tchang-Minh bedauerte darüber hinaus, dass viele kontrollpflichtige Pestizide frei und ohne weitere Hinweise über das Internet erhältlich seien.

Pestizid-Rückstände in praktisch allen EU-Lebensmitteln

Über 97% der europäischen Lebensmittel weisen Rückstände von Pflanzenschutzmitteln auf. Ein Bericht von EURACTIV-Partner Journal de l’Environnement.

Und in Zukunft?

2019 tritt in Frankreich ein striktes Pestizid-Kaufverbot für den nicht-beruflichen Bereich in Kraft. Bis dahin dürfen die Hersteller und Läden ihre Restbestände verkaufen. CLCV hat bei der Präsentation seiner Studie die Regierung dazu aufgerufen, die Einhaltung dieses Verbots dann genauestens zu überprüfen.

Und in Deutschland?

In Deutschland wird der Verkauf von Pestiziden über das Pflanzenschutzgesetz geregelt. Demnach dürfen Privatpersonen nur solche Pflanzenschutzmittel anwenden, die mit dem Hinweis „Anwendung durch nichtberufliche Anwender zulässig“ gekennzeichnet sind. Eine entsprechende Zulassung für berufliche Anwender erteilt das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL). In einem Flyer weist das BVL darauf hin, dass Verkäufer in Deutschland gesetzlich verpflichtet sind, die Kunden zu informieren. Das Amt warnt auch vor dem Kauf im Internet.

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