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19/01/2017

Fracking: Total stoppt Schiefergas-Projekt in Dänemark

Energie und Umwelt

Fracking: Total stoppt Schiefergas-Projekt in Dänemark

Der französische Energiekonzern Total suchte im dänischen Frederikshavn nach Schiefergas-Vorkommen.

[Tomasz Sienicki/Wikipedia]

Seit Montag sucht der französische Energiekonzern Total in Dänemark nicht mehr nach Schiefergas – die Vorkommen erwiesen sich als zu gering. Dennoch könnte in dem Land auch künftig gefrackt werden. EurActiv Brüssel berichtet.

Der Energiekonzern Total hat seine Bohrungen nach Schiefergas in Dänemark vorerst eingestellt. Das Projekt nahe der norddänischen Stadt Frederikshavn kostete den französischen Energiekonzern Total seit Projektbeginn im vergangenen Jahr geschätzte 40 Millionen Euro. Trotz der Projektaufgabe sei das vermutlich keine Geldverschwendung, sagte Total zum dänischen Fernsehsender DR.

„Es ist positiv, dass wir bewiesen haben, dass es Schiefergas gibt. Das war nicht sicher. Es könnte also bedeuten, dass die Suche nach Schiefergas in Dänemark nicht vorbei ist. Wir haben noch eine Lizenz bis Juni 2016“, so Total-Sprecher Henrik Nicolaisen.

Umwelt-NGOs wie Greenpeace protestierten gegen das Projekt, genauso wie die Bewohner. Denn die Bohrungen wurden nach der Fracking-Methode durchgeführt.

Schiefergas ist ein unkonventioneller fossiler Brennstoff. Es kommt in natürlichen Spalten und Brüchen im Untergrund vor. Energieunternehmen bauen Schiefergas ab, indem sie Wasser, Sand und Chemikalien unter hohem Druck in die Gesteinsformationen pressen. Die Bewohner von Frederikshavn befürchteten, das Fracking könnte Erdbeben verursachen und ihr Grundwasser verschmutzen.

Die Befürworter des Schiefergases stellen es als unerschlossene alternative Energiequelle für die traditionellen fossilen Brennstoffe dar. Beinahe ein Drittel des EU-Gases wird über die Ukraine aus Russland importiert. 2009 unterbrach ein Streit zwischen Moskau und Kiew die Lieferung.

Er erwarte in naher Zukunft nicht noch mehr Fracking im Land, sagt der dänische Energieminister Lars Lilleholt. Denn die Regierung hat keine neuen Lizenzen für andere Öl- und Gasunternehmen genehmigt. Linke Parlamentsabgeordnete begrüßten die Nachricht und forderten ein nationales Schiefergas-Verbot.

Dänemark mag vielleicht nicht über allzu große Schiefergas-Vorkommen verfügen. Dennoch ist das Land ein Nettoexporteur von Öl und Erdgas aus der Nordsee.

Allerdings stellen die Skandinavier die Deckung ihres eigenen Energiebedarfs auf erneuerbare Energien um. Mithilfe der Windenergie gelingt das bereits zu 30 Prozent. Das Land soll bis 2050 gänzlich unabhängig von fossilen Brennstoffen sein.

Am 10. Juli, einem sehr windigen Tag, generierte die Windenergie 140 Prozent des dänischen Energieverbrauchs. 40 Prozent konnten so nach Deutschland, Schweden und Norwegen exportiert werden.

Hintergrund

Durch Schiefergas nimmt die Energieunabhängigkeit der USA immer weiter zu, es sorgt für niedrigere Strompreise. Für die energieintensiven Industrien des Landes ist das ein Wettbewerbsvorteil. Doch nach Angaben des European Academics Science Advisory Council (EASAC) wird Schiefergas wenig zur Lösung der Probleme bei der Energielieferungssicherheit beitragen.

Der für die Energieunion zuständige Kommissionsvizepräsident Maroš Šef?ovi? hat bereits einen Alternativplan. Ihm zufolge könnten smarte Stromnetze, die periodische Solar- und Windenergie mit flexibler Stromnachfrage ausgleichen, denselben Effekt auf Europa haben, den das Schiefergas auf die USA hat.