Kommission denkt über Effizienzstandards für LKW nach

Die Kommission schätzt, dass der Frachttransport in Europa zwischen 2010 und 2050 um 60 Prozent steigen wird. [Graham Richardson/Flickr]

Europa liegt bei der Regulierung der Kraftstoffeffizienz im LKW-Segment hinter den größten Volkswirtschaften der Welt zurück. Die Europäische Kommission will das Problem mit neuen Gesetzesvorschlägen angehen, hieß es am gestrigen Montag bei einer Veranstaltung zur Zukunft des Frachtverkehrs auf der Straße.

Während der Veranstaltung des Think-Tanks Friends of Europe hieß es mehrfach, LKW seien in der Diskussion über den Verbrauch fossiler Kraftstoffe und CO2-Ausstoß „der vergessene Elefant im Raum“.

Fatih Birol, Geschäftsführer der Internationalen Energieagentur (IEA), die ihren Report vorstellte, erklärte: „Im Sinne von Kraftstoffverbrauch sind LKW der am schnellsten wachsende Wirtschaftsbereich. Mit 17 Milliarden Barrel pro Tag steht diese Transportform für ein Fünftel der globalen Kraftstoffnachfrage. Dafür gibt es in der Öffentlichkeit aber wenig Bewusstsein und nicht genug Gegenmaßnahmen der Politik.“

Birol fügte hinzu, das liege auch daran, dass es auf der Welt eine Milliarde Autos gibt, aber nur 60 Millionen Trucks. Aber trotz dieses großen zahlenmäßigen Unterschieds stehen LKW für 35 Prozent der CO2-Emissionen im globalen Transportwesen. Pkw liegen mit 40 Prozent nur leicht darüber. In Europa laufe fast die Hälfte des Frachttransports über die Straße. Der Sektor sei also ungemein wichtig für die Wirtschaft, so Birol weiter.

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Er kritisierte, in den USA, Kanada, Japan und China gebe es bereits Effizienzstandards für LKW; Europa hinke hinterher. Insgesamt gebe es drei Punkte, die angegangen werden müssten: Erstens Kraftstoffeffizienz, zweitens eine Verbesserung der Logistik und des Datenaustauschs beim Transport auf der Straße sowie drittens die vermehrte Nutzung von alternativen Kraftstoffen.

Maroš Šefčovič, EU-Kommissar für die Energieunion, antwortete, die Kommission habe den Transport auf der Straße nicht aus den Augen verloren. Er gab aber zu, er sehe eine gewisse „Dringlichkeit, jetzt zu handeln“ und teilte mit: „Laut unseren Schätzungen wird der Frachttransport in Europa erheblich steigen; nämlich um 60 Prozent zwischen 2010 und 2050. Wir befinden uns also bereits innerhalb dieser Wachstumskurve und die Zahlen machen deutlich, dass wir etwas unternehmen müssen.“

Der Kommissar verwies auf den im kürzlich vorgestellten Mobilitätspaket enthaltenen Vorschlag, CO2-Ausstoß und Kraftstoffverbrauch von schweren Trucks ab 2019 zu überwachen. Zusätzlich dazu plane die Kommission, Anfang 2018 neue Gesetze für LKW-Effizienzstandards vorzuschlagen. „Dies wird das erste EU-Gesetz sein, dass sich speziell auf LKW bezieht“, so Šefčovič, der unterstrich, die Vorschläge seien keine bloßen Kopien der Vorschriften in den USA, China oder Japan.

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Autos verbrauchen wesentlich mehr, als die Hersteller behaupten. Dabei geht es laut der Umweltorganisation ICCT um eine Abweichung von 42 Prozent – die durch legale Schlupflöcher entsteht.

Auch zum Thema Logistik äußerte sich der Kommissar: „Wir sind uns alle einig, dass wir ein effizienteres System brauchen; Digitalisierung, Big Data, Automatisierung, selbstfahrende und emissionsarme Autos, künstliche Intelligenz, das Internet der Dinge. Das sind alles potenziell bahnbrechende Neuerungen…Wir müssen auf diese Revolution eingestellt sein.”

Er warnte allerdings, dass es keine Patentlösung für den Dieselausstieg und einem höheren Anteil an alternativen Kraftstoffen gebe: „Wir brauchen eine schrittweise Transformation des Transportsystems. Es gibt nicht die eine Lösung. Wir werden alle Optionen in Betracht ziehen und im Laufe diesen Jahres eine überarbeitete Version der Richtlinie über saubere Fahrzeuge vorstellen.“

Darüber hinaus arbeite die Kommission an einer neuen Initiative, um den Aufbau einer Infrastruktur für alternative Kraftstoffe in Europa zu beschleunigen. Dafür, aber auch in anderen Punkten, sei „Koordination und Kooperation zwischen vielen Sektoren und Akteuren” absolut notwendig, schloss Šefčovič.

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