EU will engere Strom- und Gasvernetzung vorantreiben

Energie-Kommissar Miguel Arias Cañete bei der Vorstellung der sogenannten Energieunion in Brüssel. [© gianni del bufalo (CC BY-SA 2.0)]

Mit mehr Strom- und Gasleitungen zwischen den Staaten könnte Europa nach EU-Berechnungen jedes Jahr zweistellige Milliardenbeträge sparen. „Europa verliert jährlich bis zu 40 Milliarden Euro, weil es keinen verflochtenen Energie-Markt hat“, sagte Energie-Kommissar Miguel Arias Cañete am Mittwoch in Brüssel bei der Vorstellung des Konzepts zur „Energieunion“.

Ziel sei es, etwa beim Strom grenzüberschreitende Leitungen zu bauen, die einen Austausch von zehn Prozent der Produktion möglich machten. Dies würde etwa 40 Milliarden Euro kosten, was durch die engere Verflechtung aber schnell wieder eingespielt werde. Canete bezifferte die nötigen Aufwendungen für Ausbau- und Modernisierung der Energie-Infrastruktur der EU auf 200 Milliarden Euro bis 2020.

Auch die Bundesregierung erklärte, ein stärkerer Austausch bedeute kostengünstigere Lösungen für die Verbraucher. Genauso wichtig seien für Deutschland aber auch die übrigen EU-Ziele wie etwa die Kürzung des Treibhausgas-Ausstoßes oder die Einsparung von Energie, die schon vergangenes Jahr beschlossen wurden. Auch die Grünen betonten dies: Nur den Binnenmarkt zu betonen, greife zu kurz. Klimaschutz und Ausbau des Ökostroms würden von Cañete ausgebremst, sagte Grünen-Klimaexpertin Annalena Baerbock.

BDI: Neuer Schwung für europäische Energiepolitik

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) sprach von neuem Schwung für Europas Energiepolitik. „Energiewende und Versorgungssicherheit lassen sich nur europäisch meistern“, sagte Hauptgeschäftsführer Markus Kerber. Der Bundesverband der Energiewirtschaft (BDEW) verwies darauf, dass viele EU-Staaten sich immer noch selbst versorgen wollten. So deckelten einige die Endkundenpreise und öffnete ihre Märkte nicht für den Wettbewerb, kritisierte BDEW-Hauptgeschäftsführerin Hildegard Müller. „Nationale Autarkie ist ineffizient. Klimaschutz, Wettbewerb, Versorgungssicherheit lassen sich im Grundsatz besser auf europäischer Ebene verwirklichen.“

Hintergrund ist, dass der Verfall der Strompreise in vielen Ländern wie auch in Deutschland Investitionen in Kraftwerke bremst. In Phasen hoher Nachfrage kann dies aber die Versorgungssicherheit gefährden.

Zwölf Mitgliedsstaaten seien besonders schlecht mit den Nachbarn verbunden, heißt es im Bericht von Cañete, über den die Energieminister im März beraten. Dies seien neben Inselstaaten wie Großbritannien, Irland, Malta und Zypern das Baltikum, aber auch die iberische Halbinsel mit Spanien und Portugal. Die bessere Vernetzung würde nicht nur die Integration von Ökostrom etwa aus Wind oder Sonne vereinfachen, der je nach Wetter starke Überschüsse oder auch Strommangel verursache. Bei der Gas- oder Ölversorgung könne so auch die Abhängigkeit von Russland verringert werden.

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