EU-Umweltagentur: Europa muss mehr für Anpassung an Klimawandel tun

Art des Inhalts:

Nachrichten Auf der Grundlage von Fakten, die entweder vom Journalisten aus erster Hand beobachtet und überprüft wurden oder von sachkundigen Quellen berichtet und überprüft wurden.

Nach Angaben der Europäischen Umweltagentur leben etwa 30 Prozent der Bevölkerung Südeuropas in Gebieten, die permanentem Wassermangel ausgesetzt sind. Im Sommer sind es 70 Prozent. [Quintanilla/Shutterstock]

Europa muss unverzüglich Maßnahmen ergreifen, um die rasch wachsenden klimatischen Herausforderungen zu bewältigen. Die erste Europäische Klimarisikobewertung zeigt 36 Hauptrisiken auf, von denen insbesondere der Wassermangel hervorsticht.

Die Europäische Klimarisikobewertung (EUCRA) der Europäischen Umweltagentur (EUA) wurde am Montag (11. März) veröffentlicht und zielt darauf ab, klimaempfindliche Sektoren und die politischen Prioritäten für die Anpassung an den Klimawandel zu ermitteln. Der Bewertung zufolge sind die Anpassungsstrategien und -maßnahmen in Europa nicht ausreichend, um auf die schnell wachsenden Umweltrisiken zu reagieren.

Dieser Bericht steht im Einklang mit den Empfehlungen der Erklärung von Liège (Lüttich), die zwei Monate zuvor im Rahmen der belgischen EU-Ratspräsidentschaft unterzeichnet wurde. Siebzig Organisationen, lokale Behörden und Umwelt-NGOs forderten die EU auf, die Umsetzung von Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel zu beschleunigen.

„Unsere neue Analyse zeigt, dass Europa mit dringenden Klimarisiken konfrontiert ist, die schneller wachsen als unsere gesellschaftliche Vorbereitung“, erklärte Leena Ylä-Mononen, Exekutivdirektorin der EUA.

Für verstärktes und sofortiges Handeln

In den letzten Jahren kam es in Europa immer häufiger zu extremen Klimaereignissen, darunter Überschwemmungen, Hitzewellen, Brände sowie schwere und lang anhaltende Dürren.

Bei der Bewertung wurden 36 große Klimarisiken für Europa in fünf Hauptbereichen ermittelt: Ökosysteme, Lebensmittel, Gesundheit, Infrastruktur, Wirtschaft und Finanzen. Mehr als die Hälfte dieser Risiken erfordern dem Bericht zufolge verstärktes und sofortiges Handeln, insbesondere zum Schutz von Ökosystemen und Menschen.

„Die europäischen und nationalen Entscheidungsträger müssen jetzt handeln, um die Klimarisiken sowohl durch rasche Emissionssenkungen als auch durch wirksame Anpassungsstrategien und -maßnahmen zu verringern“, warnte die Direktorin der EUA.

Diese Risiken werden von allen EU-Staaten geteilt. Die EUA hob in ihrer Bewertung hervor, dass die europäischen Institutionen und die 27 Mitgliedstaaten zusammenarbeiten und die lokale und regionale Ebene in die Koordinierung und Umsetzung von Notfallplänen einbeziehen müssten.

Der Fall der Dürre

Die Dürre ist eines der größten Klimarisiken in Europa. In diesem Winter wurde in den Küstenregionen der iberischen Halbinsel, Italiens und der Mittelmeerinseln ein erheblicher Mangel an Wasserressourcen gemeldet.

In Spanien und Portugal wurden in dieser Saison Einschränkungen bei der Wassernutzung angekündigt oder angewandt. In einigen Regionen des Mittelmeerraumes herrscht bereits Feueralarm.

Die rekordverdächtige Hitze der letzten neun Monate, gepaart mit dem lang anhaltenden Mangel an Niederschlägen, hat tiefgreifende Auswirkungen auf die Wasserläufe und das Grundwasser sowie auf das Wachstum der Vegetation gehabt.

Darüber hinaus deuten die jahreszeitlichen Prognosen auf einen überdurchschnittlich warmen Frühling im Jahr 2024 hin.

Im Rahmen der neuen EU-Strategie zur Anpassung an den Klimawandel, die 2021 verabschiedet wurde, hat die Europäische Kommission (Generaldirektion Umwelt und Generaldirektion Gemeinsame Forschungsstelle) die Europäische Dürrebeobachtungsstelle für Widerstandsfähigkeit und Anpassung (EDORA) ins Leben gerufen. Diese soll die Widerstandsfähigkeit und Anpassung an Dürren in der gesamten EU verbessern.

Nach Angaben der Europäischen Umweltagentur leben etwa 30 Prozent der Bevölkerung Südeuropas in Gebieten, die permanentem Wassermangel ausgesetzt sind. Im Sommer sind es 70 Prozent.

Die EUA wies auch darauf hin, dass lang anhaltende Dürre eine direkte Bedrohung für unsere Lebensmittelsicherheit und Trinkwasserversorgung darstellt. Zudem birgt sie große Risiken für die Energieerzeugung, -übertragung und -versorgung.

Eine der Empfehlungen der EUA ist die Umstellung von tierischen Proteinen auf nachhaltig angebaute Pflanzenproteine, um den Wasserverbrauch in der Landwirtschaft zu reduzieren.

Nach Angaben des Water Food Network werden für die Produktion von einem Kilogramm Rindfleisch mehr als 15.000 Liter Wasser verbraucht, verglichen mit 322 Litern für ein Kilogramm Gemüse.

[Bearbeitet von Zoran Radosavljevic/Kjeld Neubert]

Abonnieren Sie unsere Newsletter

Abonnieren