EU-Stromkonzerne fordern Grenzabgabe für importierten Wasserstoff

Eine Gruppe europäischer Stromkonzerne - darunter EDF, Enel, Iberdrola und Ørsted - hat die Europäische Kommission aufgefordert, eine CO2-Abgabe auf Wasserstoffimporte in die EU zu erheben. [EPA-EFE/PATRICK SEEGER]

Eine Gruppe europäischer Stromkonzerne – darunter EDF, Enel, Iberdrola und Ørsted – hat die Europäische Kommission aufgefordert, eine CO2-Abgabe auf Wasserstoffimporte in die EU zu erheben.

Der vorgeschlagene „Kohlenstoffzoll“ solle eingeführt werden, „um zu verhindern, dass fossil-basierte und hoch emittierende Wasserstoffimporte“ auf den EU-Markt gelangen, so die Unternehmen in ihrem Brief an die Kommission.

„Solche Importe würden unfaire Konkurrenz gegenüber der gerade entstehenden Produktion von sauberem Wasserstoff in der EU schaffen und damit die Entwicklung einer industriellen Wasserstoff-Wertschöpfungskette in der EU behindern,“ heißt es in dem auf den 29. Juni datierten Schreiben.

Um dies zu vermeiden, fordern die Unterzeichner „die Einbeziehung des Wasserstoffsektors in die geplante Verordnung zum CO2-Grenzausgleichsmechanismus“.

Der Brief wurde von den europäischen Stromkonzernen EDF (Frankreich), EDP (Portugal), Enel (Italien), Iberdrola (Spanien), McPhy (Frankreich) und Ørsted (Dänemark) unterzeichnet. Der ESB Energy for Generations Fund und die European Association for the Storage of Energy (EASE) sind ebenfalls Unterzeichner.

Europas größter Wasserstoff-Elektrolyseur gebaut; zehnmal mehr Kapazität ab 2024 geplant

In Deutschlands größter Raffinerie in Wesseling bei Köln steht nun der größte Elektrolyseur seiner Art in Europa, gebaut von Shell und der EU. Der britisch-niederländische Ölmulti plant derweil bereits den Bau eines zehnmal größeren Elektrolyseurs bis 2024.

Es wird erwartet, dass die Europäische Kommission am kommenden Mittwoch (14. Juli) ihren Vorschlag für eine CO2-Grenzabgabe als Teil eines umfassenderen Gesetzespakets vorlegen wird, das darauf abzielt, die Treibhausgasemissionen der EU bis 2030 um mindestens 55 Prozent zu senken.

Einem geleakten Entwurf zufolge würde der kommende EU-Grenzausgleichsmechanismus (Carbon Border Adjustment Mechanism, auch als „CO2-Grenzsteuer“ bekannt) zunächst auf importierten Stahl, Eisen, Zement, Düngemittel, Aluminium und Elektrizität angewendet werden.

Das System soll ab 2023 schrittweise eingeführt werden und könnte dann auf weitere Branchen ausgeweitet werden, sobald es 2026 vollständig umgesetzt ist.

Für- und Gegensprecher von Importen

Deutschland gilt als Vorreiter unter den EU-Ländern, die Wasserstoff importieren wollen, um den Bedarf der heimischen, energiehungrigen Industrien zu decken: Am 14. Juni unterzeichnete die Bundesregierung ein bilaterales Abkommen mit Australien, um eine auf erneuerbaren Energien basierende Wasserstofflieferkette zwischen den beiden Ländern zu etablieren.

Auch die Niederlande, Belgien und Spanien haben ihre Absichten signalisiert, sich für den Import von „grünem Wasserstoff“ aus Ländern einzusetzen, die ihn in großen Mengen produzieren können.

Aber nicht alle EU-Länder sind dafür: Bei einem Treffen des EU-Energierates im Juni sprachen sich die jeweiligen Minister:innen Estlands, Frankreichs, Ungarns und Polens gegen Wasserstoffimporte aus und betonten, die Priorität müsse auf der Produktion von in Europa hergestelltem Wasserstoff liegen.

Unterstützt werden die Importgegner wenig überraschend von der aufstrebenden europäischen Wasserstoffindustrie. „Derzeit importieren wir viel Öl, Gas und Kohle als Rohstoffe. Warum muss sich dieses Muster beim Wasserstoff fortsetzen? Fakt ist: Das muss es nicht,“ betonte Luc Grare vom französischen Wasserstoffproduzenten Lhyfe, der auch einen der Runden Tische im Rahmen der Clean Hydrogen Alliance der EU leitet.

Australisch-deutscher Deal als Hoffnung für eine globale Wasserstoffwirtschaft

Ein bilaterales Abkommen mit dem Ziel, die deutschen Importe von Wasserstoff aus Solarkraftwerken in Australien zu erhöhen, könnte ein Meilenstein in den Bemühungen um die Schaffung eines globalen Wasserstoffmarktes sein.

„Die Dekarbonisierung der bestehenden Wasserstoffproduktion und die Förderung der Entwicklung von sauberem Wasserstoff sind strategische Ziele der EU,“ fügte Jorgo Chatzimarkakis, Generalsekretär des Industrieverbands Hydrogen Europe, hinzu. „Wenn die EU beschließt, Quoten für sauberen Wasserstoff auf Materialien und Produkte einzuführen, während andere Länder und Regionen außerhalb der EU dies nicht tun, wird es keine gleichen Wettbewerbsbedingungen geben.“

Es sei daher dringend „notwendig, einen CO2-Grenzausgleichssteuer-Mechanismus für den Import und vielleicht auch CO2-Grenzausgleichsprämien für den Export einzuführen,“ fügte Chatzimarkakis hinzu.

Klimabesorgte Industrie?

Heute wird nahezu der gesamte Wasserstoff aus fossilen Brennstoffen wie Erdgas hergestellt.

„In diesem Zusammenhang besteht die Gefahr, dass mit importiertem Wasserstoff hohe CO2-Emissionen verbunden sind – was im Widerspruch zur EU-Wasserstoffstrategie und zum Green Deal der EU stehen würde,“ warnen die Unterzeichner des Briefes.

Das von ihnen vorgeschlagene System soll auf einem Zertifizierungssystem basieren, um den CO2-Gehalt von Kraftstoffen zu messen, die in Europa hergestellt oder in den EU-Markt importiert werden.

[Bearbeitet von Zoran Radosavljevic und Tim Steins]

> Den Brief der Energieunternehmen können Sie unten lesen oder hier herunterladen.

210629_Call for H2 in CBAM

Unterstützer

Fuel Cells and Hydrogen Joint Undertaking


Subscribe to our newsletters

Subscribe