EU-Städte gemeinsam für nachhaltigen Tourismus

Auch die dänische Hauptstadt Kopenhagen setzt sich für einen nachhaltigeren Tourismus ein. [Frank Fischbach/Shutterstock]

Klimawandel und Tourismus sind eng miteinander verknüpft. Kommunal- und Regionalbehörden in ganz Europa arbeiten nun zusammen, um die Abfallwirtschaft zu verbessern und den Tourismus in ihren Städten nachhaltiger zu gestalten.

26 Städte, darunter Kopenhagen in Dänemark, Krakau in Polen und die Gemeinde Lanzarote in Spanien, haben eine Charta mit Verpflichtungen unterzeichnet, die zu einer Reduzierung der Abfallmengen führen sowie den Übergang zur Kreislaufwirtschaft erleichtern soll.

Der Tourismus ist der drittgrößte Wirtschaftszweig in der EU und eng mit anderen wichtigen Bereichen wie Kultur, Essen und sogar Sport verknüpft.

Aber der Tourismus und andere Freizeitaktivitäten sind oftmals auch mit erheblichen Umweltauswirkungen verbunden, die sich aus Infrastruktur, Verkehr und Abfallerzeugung sowie Wasser- und Energieverbrauch ergeben.

Umweltfaktor Tourismus

„Der Tourismus hat bedeutende sozioökonomische Auswirkungen, aber auch negative Folgen aufgrund des weitestgehend nicht-nachhaltigen Verbrauchs,“ erklärte Projektmanagerin Michelle Perello auf der Abschlusskonferenz des Projekts Urban Waste zur Abfallwirtschaft in Touristenstädten vergangene Woche in Brüssel.

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Urban Waste will die politischen Entscheidungsträger bei der Bewältigung des boomenden Tourismus in europäischen Städten unterstützen. Dabei geht es insbesondere um den hohen, nicht-nachhaltigen Ressourcenverbrauch und das Entstehen von besonders viel Müll.

Die Abfallerzeugung stellt für die lokalen und regionalen Behörden eine besondere Herausforderung dar, da die von Touristen erzeugten Abfälle die der Einwohner bei weitem übertreffen. Problematisch sind auch die erheblichen saisonalen Schwankungen der Abfallmenge und ihrer Zusammensetzung.

Mit der Unterzeichnung der Charta verpflichten sich die Behörden, die Abfallproduktion von Touristen und Tourismusanbietern zu verringern und die Abfallwirtschaft zu verbessern, auch durch die Förderung eines nachhaltigeren Konsums.

„Wir haben viel zu tun, um unsere Stadt nicht nur schön, sondern auch sauber zu machen,“ sagte Mercedes Van Volcem, Vertreterin der Stadt Brügge, die sich ebenfalls der Initiative angeschlossen hat.

Touristen zu Nachhaltigkeit bewegen

Die Städte und Regionen wollen sich nun besonders für die Sensibilisierung einsetzen und so die Touristen zu verantwortungsvollem Handeln motivieren.

Nanette Mapertuis erklärte im Namen der Tourismusagentur der Regionalgemeinde Korsika, ihre Kommune selbst bekenne sich schon länger zu umweltverträglichen Praktiken in der Abfall-, Energie- und Wasserwirtschaft. Nun will man aber auch enger mit den Hauptakteuren, den Touristen selbst, zusammenarbeiten.

Darüber hinaus zielt die Charta darauf ab, „die Attraktivität der Tourismusgebiete“ zu stärken und die lokale Entwicklung „durch die Schaffung neuer umweltfreundlicher Arbeitsplätze und Dienstleistungen vor Ort“ zu fördern. So wolle man die Aufforderung der Vereinten Nationen zu wirtschaftlich, sozial und ökologisch nachhaltigerem Tourismus umsetzen.

Der Tourismus und die Treibhausgase

Der Tourismussektor steht laut einer Studie für acht Prozent aller CO2-Emissionsn weltweit. Sein ökologischer Fußabdruck könnte aufgrund mangelnder Regulierung noch deutlich größer werden.

Gute Praktiken

Ziel des Projekts ist es, die Strategien an die Besonderheiten der beteiligten Städte und Regionen anzupassen. Ein Kernelement von Urban Waste ist daher die Förderung partizipativer Lösungen unter Einbeziehung von Interessengruppen und Bürgern sowie der Austausch bewährter Verfahren zwischen den einzelnen Behörden.

Darüber hinaus wurde während des gesamten Projekts eine geschlechtsspezifische Perspektive auf das Verbraucherverhalten und die Entscheidungsfindung angewandt. Tatsächlich habe sich gezeigt, dass die Pilotstädte, die das höchste Maß an Geschlechtergerechtigkeit und -sensitivität aufwiesen, auch die größten Brutto-CO2-Reduktionen erzielten, erklärt Susan Buckingham, Gender-Beauftragte des Projekts.

Françoise Bonnet, Generalsekretärin der ACR+, der Hauptorganisation hinter dem Projekt, fasst zusammen, man wolle „alle lokalen und regionalen Behörden ehren, die beschlossen haben, über das Konventionelle hinauszugehen“.

Die Unterzeichner der Verpflichtung könnten als „Vorreiter in Sachen nachhaltiger Tourismus“ angesehen werden.

[Bearbeitet von Sam Morgan und Tim Steins]

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