EU soll hohe Nachhaltigkeitsstandards für Wasserstoff beibehalten, fordern Verbände

Der EU-Kommissar für den Green Deal, Frans Timmermans (l.), und die Energiekommissarin Kadri Simson nehmen an einer Pressekonferenz am 8. Juli 2020 in der EU-Zentrale in Brüssel teil. Die EU will im Rahmen ihres Green Deals aus erneuerbarem Strom erzeugten Wasserstoff fördern. [Virginia Mayo / EPA-EFE]

Europa sollte hohe Nachhaltigkeitsstandards für sauberen Wasserstoff in seinen zukünftigen grünen Finanzregeln unterstützen, fordert eine Gruppe von 24 Unternehmen und Industrieverbänden aus dem Bereich der erneuerbaren Energien in einem Brief, der am Mittwoch (31. März) an die Europäische Kommission geschickt wurde.

Der Brief, eine Initiative der Geothermie-Lobbygruppe EGEC, kommt zu dem Zeitpunkt, an dem die Kommission die Kriterien für die Wasserstoffproduktion als Teil der sogenannten Durchführungsbestimmungen fertigstellt, die diesen Monat im Rahmen der EU-Taxonomie für nachhaltige Finanzen vorgelegt werden sollen.

Technologien, die die im Regelwerk festgelegten Schwellenwerte erfüllen, qualifizieren sich für ein grünes Label im Rahmen der Taxonomie. Im Brief heißt es, ausschließlich erneuerbarer Wasserstoff sollte das begehrte grüne Label erhalten – nicht die anderen Produktionsarten, wo Wasserstoff mit Hilfe von Atomkraft oder fossilem Gas mit CO2-Abscheidungstechnologie hergestellt wird.

„Erneuerbarer Wasserstoff, der aus 100 Prozent erneuerbaren Stromquellen hergestellt wird, kann eine strategische Rolle bei der Dekarbonisierung derjenigen Sektoren unserer Wirtschaft spielen, die schwer zu elektrifizieren sind“, heißt es in dem Brief. Als solcher könne er helfen, die „letzte Meile“ bei der Bekämpfung von Emissionen aus der Energienutzung in Sektoren wie Stahl und Chemie zu erreichen.

Kritiker wie der französische Energieriese EDF haben ihrerseits moniert, dass die in der Taxonomie vorgesehenen Emissionsgrenzwerte zu niedrig seien und Wasserstoff, der aus dem Stromnetz erzeugt wird, kein grünes Label erhalten würde – selbst in Ländern wie Frankreich und den nordischen Ländern, die bereits einen relativ CO2-armen Strommix haben.

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Aber die Unterzeichnenden des Briefes drängten die Europäische Kommission, standhaft zu bleiben und betonen, sie seien „äußerst besorgt über die jüngsten Vorschläge, die Emissionsgrenzwerte in Bezug auf die Produktion von sauberem Wasserstoff zu schwächen.“

François Paquet von der Renewable Hydrogen Coalition erklärte, das Regelwerk der Kommission für die grüne Taxonomie müsse Prioritäten setzen: „Die Priorisierung von erneuerbarem Wasserstoff als eine dieser Lösungen ist unerlässlich, um die EU-Wasserstoffstrategie umzusetzen und bis 2050 der erste klimaneutrale Kontinent zu werden. In einer Zeit, in der andere Länder ihre eigenen Taxonomien entwickeln, ist es jetzt an der Zeit, dass Europa eine globale Führungsrolle beim Klimaschutz übernimmt.“

Zu den Unterzeichnern des Briefes gehören Energieunternehmen wie Acciona, EDP, Iberdrola, Ørsted und der Branchenverband SolarPower Europe sowie eine Reihe weiterer Unternehmen für saubere Energien, darunter Akuo Energy und Sunfire.

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Im Schreiben wird der ursprüngliche, strikte Vorschlag der Kommission unterstützt, die Emissionsschwelle für die Wasserstoffproduktion auf 2,256 tCO2eq/tH2 festzulegen, anstatt diese auf 3 tCO2eq/tH2 zu erhöhen. Die Absender unterstützen auch den Vorschlag, die Emissionsschwelle für die Stromerzeugung aus gasförmigen und flüssigen Brennstoffen auf 100 gCO2eq/kWh festzulegen. Diese Schwellenwerte würden dann „im Einklang mit der Führungsrolle und den Ambitionen stehen, die notwendig sind, um den Klimawandel zu bekämpfen“ und sicherstellen, dass die EU bei der Produktion von grünem Wasserstoff weltweit führend bleibt, argumentieren sie.

„Während sich die Verhandlungen in der Endphase befinden, ist die Beibehaltung der anfänglichen Ambitionen der Vorschläge der Europäischen Kommission absolut entscheidend, um Investoren das richtige Signal zu geben“, sagte Simone Diodato Antonelli, Vorsitzender für erneuerbaren Wasserstoff bei SolarPower Europe’s. „Die EU-Taxonomie ist ein Eckpfeiler zur Förderung von erneuerbarem Wasserstoff in naher Zukunft: Sie wird dazu beitragen, dass die Produktion von sauberem Wasserstoff hohe Nachhaltigkeitsstandards einhält und ein echtes „Level Playing Field“ zwischen Lösungen auf Basis von erneuerbarem und konventionellem Wasserstoff fördert“, fügte er hinzu.

Wasserstoff wird als potenzieller „Königsweg“ zur Dekarbonisierung schwer zu elektrifizierender Industriesektoren wie Stahl und Chemie gesehen, die derzeit auf fossile Brennstoffe angewiesen sind und nicht einfach auf Strom umsteigen können. Er wird auch als langfristige Lösung für die Schifffahrt, die Luftfahrt und den Schwerlastverkehr auf der Straße gesehen, wo eine Elektrifizierung im Moment noch nicht möglich ist.

Das Problem: Die Wasserstofferzeugung selbst ist CO2-intensiv. Heute stammen 96 Prozent der Produktion aus fossilen Brennstoffen, wie die Kommission in ihrer Wasserstoffstrategie im vergangenen Jahr feststellte: „Die Priorität liegt daher in der Entwicklung von erneuerbarem Wasserstoff, der hauptsächlich mit Hilfe von Wind- und Sonnenenergie erzeugt wird.“

[Bearbeitet von Frédéric Simon]

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