EU-Richtlinie sieht 38-40 Prozent erneuerbare Energie bis 2030 vor

Das ausgegebene Ziel entspricht einer Verdopplung des aktuellen Anteils von Solar-, Wind- und anderen erneuerbaren Energien am europäischen Energiemix bis zum Ende des Jahrzehnts. [PressReleaseFinder / Flickr]

Ein früher Entwurf der geplanten EU-Richtlinie für erneuerbare Energien enthält das Ziel, bis zum Jahr 2030 EU-weit 38 bis 40 Prozent der Energie aus erneuerbaren Quellen zu beziehen. Das entspricht einer Verdopplung des aktuellen Anteils von Solar-, Wind- und anderen erneuerbaren Energien am europäischen Energiemix bis zum Ende des Jahrzehnts.

Die überarbeitete Richtlinie für erneuerbare Energien wird am 14. Juli offiziell vorgestellt – als Teil eines größeren Gesetzespakets, mit dem die aktualisierten EU-Klimaziele bis 2030 erfüllt werden sollen.

Erst vor zwei Wochen hatten sich die politischen Entscheidungsträger auf ein neues EU-Klimagesetz geeinigt, das zum ersten Mal das Ziel der Klimaneutralität 2050 zu einer rechtlichen Verpflichtung für die Union macht. Das neue Gesetz legt außerdem das Ziel fest, die Treibhausgasemissionen bis 2030 um mindestens 55 Prozent im Vergleich zu 1990 zu reduzieren. In dieser Zielsetzung ist allerdings auch der CO2-Abbau in Forstwirtschaft und Landnutzung berücksichtigt, so dass das Bruttoziel eher bei 52 oder 53 Prozent liegen dürfte.

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„Erneuerbare Energien spielen eine fundamentale Rolle für die Umsetzung des europäischen Green Deals und für das Erreichen der Klimaneutralität bis 2050,“ heißt es in einem Entwurf der Kosten-Nutzen-Analyse zum Vorschlag, der auf der Website der Renewable Heating & Cooling Alliance, einer Branchenvereinigung, veröffentlicht wurde.

„Der Energiesektor trägt zu mehr als 75 Prozent der gesamten Treibhausgasemissionen in der EU bei. Energieeffizienz und erneuerbare Energien sind daher von zentraler Bedeutung, um die erhöhten Klimaziele für 2030 zu erreichen,“ heißt es in dem Dokument weiter.

Die aktuelle Richtlinie war zuletzt 2018 aktualisiert worden und zielte bisher auf einen Anteil von 32 Prozent erneuerbarer Energien am Energiemix der EU bis 2030 ab. Eine Erhöhung dieses Ziels auf 38-40 Prozent bedeutet in etwa eine Verdopplung des aktuellen Anteils der erneuerbaren Energien, die derzeit rund 20 Prozent des Energiebedarfs der EU decken.

Die Initiativen, die in dem Entwurf erwogen werden, sind in einer Tabelle zusammengefasst. Sie umfassen:

  • Eine Förderung der erneuerbaren Energien im Heizungs- und Kühlungsbereich mit einem neuen verbindlichen Ziel von 1,1 Prozentpunkten jährlicher Steigerung.
  • Ein Verbot von fossilen Brennstoffen in der Fernwärme und -kälte.
  • Ein EU-Benchmark für den Einsatz erneuerbarer Energien in Gebäuden.
  • Eine Erhöhung des Ziels für erneuerbare Energien im Verkehr von 14 auf 26 Prozent.
  • Eine Erhöhung des Teilziels für „fortschrittliche Biokraftstoffe“ von 3,5 auf 5,5 Prozent und die Einführung einer speziellen Abnahmeverpflichtung für den Flugverkehr.
  • Verstärkte grenzüberschreitende Zusammenarbeit bei erneuerbaren Energien im Offshore-Bereich, mit einer Verpflichtung der EU-Mitgliedsstaaten zur Zusammenarbeit in Meeresbecken und einer zentralen Anlaufstelle für die Genehmigung von grenzüberschreitenden Offshore-Windprojekten.
  • Ein EU-Benchmark für die Nutzung erneuerbarer Energien in der Industrie, einschließlich der Kennzeichnung von „grünen Industrieprodukten“ in bestimmten Sektoren.
  • Weitreichende Einbindung von erneuerbarem Strom in die Bereiche Verkehr, Heizung und Kühlung.
  • Ein Zertifizierungssystem für erneuerbare und CO2-arme Kraftstoffe.
  • Eine gezielte Stärkung der Nachhaltigkeitskriterien für Bioenergie, mit möglichen nationalen Obergrenzen für die energetische Nutzung von Stammholz ab einer bestimmten Größe.

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Allerdings herrscht nicht überall Freude über die Ideen im neuen Kommissionsvorschlag: Der Branchenverband SolarPower Europe drückte Frustration über das anvisierte Ziel von 38-40 Prozent aus und teilte mit, dieses hätte höher ausfallen können. „45 Prozent erneuerbare Energien bis 2030 zu erreichen, ist möglich und würde die EU auf einen kosteneffektiven Weg bringen, um vor 2050 klimaneutral zu werden,“ so Miguel Herrero von SolarPower Europe.

Um dieses Ziel zu erreichen, müsse die Überarbeitung der Erneuerbare-Energien-Richtlinie „die verbleibenden Probleme rund um den Genehmigungsprozess für Erneuerbare-Energien-Projekte angehen und den Rahmen für den kommerziellen und industriellen Eigenverbrauch von erneuerbaren Energien verbessern“, sagte er gegenüber EURACTIV.com.

Der Verband WindEurope begrüßte das erhöhte Ziel der Kommission für 2030 zwar, betonte aber, dass insbesondere die Genehmigungsverfahren für den Bau von Windparks, sowohl an Land als auch auf See, beschleunigt werden müssten. „Die ehrgeizigsten Ziele für erneuerbare Energien bleiben reine Theorie, wenn wir das Thema Genehmigungsverfahren nicht lösen,“ warnte Christoph Zipf, Kommunikationsmanager bei WindEurope.

Um die Verfahren zu beschleunigen, fordert WindEurope die Europäische Kommission auf, die „Best Practices“ der EU-Mitgliedsstaaten zu vergleichen und „als Vermittlerstelle für erfolgreiche Genehmigungsverfahren zu fungieren“.

Rekordinvestitionen in Offshore-Windenergie

Im Jahr 2020 wurden in Europa 26,3 Milliarden Euro in neue Offshore-Windparks investiert. Dadurch konnten 7,1 GW an neuer Kapazität finanziert werden – trotz der COVID-19-Pandemie.

Der Naturschutzverband WWF äußerte seinerseits erhebliche Zweifel an der Entschlossenheit der EU-Exekutive, sich ernsthaft mit Nachhaltigkeitsfragen im Zusammenhang mit Biomasse auseinanderzusetzen. „Es scheint der Kommission endlich zu dämmern, dass das Verbrennen von Bäumen im Namen des Klimawandels eine wirklich dumme Idee ist,“ kommentierte Alex Mason, Senior Policy Officer im Europabüro des WWF.

„Aber die Kommission muss zu dieser unausweichlichen Schlussfolgerung förmlich getreten werden – unter Schreien und Zetern. In Brüssel greift man verzweifelt nach allen denkbaren Argumenten, die man gegen das richtige Handeln finden kann. Eine Obergrenze für Stammholz oberhalb einer bestimmten Größe könnte zwar eine gewisse Schadensbegrenzung darstellen, bleibt aber weit hinter dem zurück, was erforderlich wäre. Außerdem ist es schwer vorstellbar, wie dies tatsächlich kontrolliert werden könnte,“ kritisierte er gegenüber EURACTIV.com.

Sanjeev Kumar vom European Geothermal Energy Council begrüßte die ausdrücklichen Verweise auf „erneuerbares Heizen und Kühlen“. Dies sei der Schlüssel zur Dekarbonisierung von Industrie und Gebäuden.

Er zeigte sich insgesamt zuversichtlich: „Während sich die Aufmerksamkeit auf die Zahlen, also auf das Ziel von 38-40 Prozent konzentrieren dürfte, gibt es in diesem sehr frühen Entwurf bereits viele Aspekt, die den Grundstein dafür legen würden, dass die Mitgliedsstaaten dieses Ziel bis 2030 übertreffen könnten.“

[Bearbeitet von Josie Le Blond und Tim Steins]

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