Untersuchung: EU-Emissionsgrenzen bedrohen Kohlekraftwerke

14235960849_1947a27466_k [Thomas Liske/ Flickr]

Striktere Emissionsgrenzen in der EU könnten zu teuren Nachrüstungen oder auch Schlieβungen von rund einem Drittel der europäischen Kohlekraftwerke führen.

Am 28. April haben sich die EU-Mitglieder auf striktere Limits für Schadstoffe wie Schwefeloxid (SOx) und Stickoxide (NOx), die Luftverschmutzung und Atemwegserkrankungen verursachen können, geeinigt.

Um ab 2021 den neuen Regeln zu entsprechen, müssen die Betreiber entweder in neue Technologien investieren und ihre Kohlekraftwerke aufrüsten, die Betriebsdauer der Kraftwerke auf 1.500 Stunden pro Jahr reduzieren – oder Werke schlieβen. Das geht aus einer Studie des Institute for Energy Economics and Financial Analysis (IEEFA) hervor.

„Für viele der Werke wird es in Angesicht der erwarteten Marktlage und anderer Probleme extrem teuer werden,  die Standards zu erfüllen,” prophezeit Gerard Wynn, Berater am IEEFA und Co-Autor des Reports.

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Die europäische Kohleenergie habe bereits jetzt Probleme, konkurrenzfähig zu bleiben. Gründe dafür sind niedrige Groβhandelspreise für Energie, schwache Nachfrage und das fortlaufende Wachstum der Erneuerbaren Energien. Letztes Jahr wurden Kohlekraftwerke mit einer Kapazität von 10 Gigawatt geschlossen, und mehrere europäische Regierungen planen, bis 2030 komplett aus der Kohle auszusteigen.

Um die Ziele des Pariser Klimaabkommens zu erreichen, müsste bis 2020 ein Viertel der europäischen Kohlekraftkapazitäten heruntergefahren werden; und 2030 solle Kohlekraft in der EU dann endgültig Geschichte sein, so das IEEFA.

In der Untersuchung von ungefährt 600 Kraftwerken in Europa, die Stein- und Braunkohle sowie Biomasse verbrennen, fand der Think Tank für Klimaanalyse heraus, dass 108 Werke mit einer Gesamtkapazität von 56 GW für einen Groβteil der SOx und NOx Emissionen verantwortlich sind. Die Ausstöβe aller dieser Kraftwerke liegen mindestens 40 Prozent über den EU-Grenzwerten. Mehr als die Hälfte von ihnen werden von den polnischen Betreibern PGE und Tauron, von der italienischen Enel, Spaniens Endesa, Frankreichs EDF, der CEZ aus Tschechien, der britischen Drax sowie PPC aus Griechenland betrieben.

Diese Firmen müssten nun also NOx-emissionsmindernde Technologien einführen, die die Kosten pro Megawattstunden um 2 bis 4 Euro anheben würden. Bei Maβnahmen gegen SOx-Ausstöβe würden sogar 6 bis 7 Euro pro MWh extra anfallen.

„Diese Kostenerhöhungen entsprechen zwischen 5 und 30 Prozent der erwarteten Groβhandelspreise für Energie in Europa im Jahr 2021 (40 Euro). Das ist eine extreme Belastung,“ stellt das IEEFA fest. Im Falle von älteren Kraftwerken seien diese Kosten schlicht zu hoch: „es wäre wirtschaftlich vernünftiger, sie  zu schlieβen.“