EU-Parlament: Breite Unterstützung für kleine Atomreaktoren

"Investitionen in Zusammenarbeit mit internationalen Partnern können den Wissensaustausch, gemeinsame Forschungs- und Entwicklungsanstrengungen und die Standardisierung von SMR-Technologien erleichtern und so zu größenbedingten Kostenvorteilen und einer verbesserten Wettbewerbsfähigkeit auf der globalen Ebene beitragen", teilte Franc Bogovič Euractiv mit. [Union européenne 2023]

Die Abgeordneten des Europäischen Parlaments haben am Dienstag (12. Dezember) einen Initiativbericht angenommen, der die Entwicklung kleinerer Atomreaktoren in Europa unterstützen soll. Energiekommissarin Kadri Simson fordert, dass die Gesetzesinitiativen in diesem Bereich „in naher Zukunft abgeschlossen“ werden.

„Zum ersten Mal in dieser Amtszeit stimmt das Europäische Parlament für einen Text, der zu 100 Prozent der Atomkraft gewidmet ist“, freute sich der französische Europaabgeordnete Christophe Grudler. Er ist ein starker Befürworter der Atomkraft aus der Renew-Fraktion.

Zuvor hatte das EU-Parlament den von seinem slowenischen Kollegen Franc Bogovič (Europäische Volkspartei, EVP) ausgearbeiteten Beschluss über „kleine modulare Reaktoren“ (SMR) angenommen.

Der Bericht wurde mit 409 zu 173 Stimmen bei 31 Enthaltungen angenommen. Er wurde von einer Mehrheit aus Teilen der Sozialdemokratischen Fraktion (S&D), Renew, der EVP, den Europäischen Konservativen und Reformern (EKR) und den Parteien der rechten Fraktion Inneres und Demokratie (ID) getragen.

Nutzen und Vorteile von kleinen modularen Reaktoren

In dem Bericht stellt das Europäische Parlament fest, dass „die Atomkraft zur Verbesserung der Energiesicherheit in Europa beitragen kann“ und „ein mögliches Mittel zur Erreichung der Energie- und Klimaziele der Union“ darstellt.

In diesem Zusammenhang haben kleine, modulare Reaktoren mehrere Vorteile.

Aufgrund ihrer Größe können sie in verschiedenen Umgebungen eingesetzt werden, zum Beispiel in Industriegebieten, Städten und in Militäranlagen. Im Gegensatz zu den meisten großen Reaktoren könnten sie nicht nur Strom, sondern auch Wärme für den industriellen und städtischen Bedarf erzeugen, heißt es in dem Bericht.

Weitere Verwendungszwecke, die von den Europaabgeordneten in Betracht gezogen werden, sind eine „wettbewerbsfähige und nachhaltige“ Wasserentsalzung und die Herstellung von kohlenstoffarmem Wasserstoff für die Industrie und nachhaltige Kraftstoffe.

Kleine modulare Reaktoren haben auch andere Vorteile, „die mit der Art ihres Designs zusammenhängen.“ Sie sind potenziell sicherer als große Reaktoren, flexibler in der Stromerzeugung, billiger und durch die Massenproduktion schneller zu konzipieren und einzusetzen.

Darüber hinaus reduziert ihr Verhältnis von Größe zu elektrischer Leistung ihren ökologischen Fußabdruck stark.

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Finanzierung und öffentliche Beschaffung

Um kleine Kernreaktoren zu entwickeln, schlagen die Europaabgeordneten vor, sich nicht nur auf Technologien der dritten Generation zu konzentrieren, die bereits in größeren Reaktoren erprobt wurden. Stattdessen sollten auch Technologien der vierten Generation, die sich noch im Forschungsstadium befinden, in Betracht gezogen werden.

Um dies zu erreichen, muss auch die Finanzierung mithalten. Der Bericht drückt „seine Besorgnis über das Gesamtbudget für kleine modulare Reaktoren im Vergleich zu den großzügigen Subventionen aus, die […] insbesondere von China, Russland und den USA gewährt werden.“

Daher müssen laut den Abgeordneten „alle möglichen Optionen“ untersucht und erfasst werden: private Investitionen, nationale öffentliche Investitionen, alle infrage kommenden EU-Fonds, Darlehen der Europäischen Investitionsbank, Unterstützung durch die Plattform Strategische Technologien für Europa (STEP) oder ähnliche Instrumente.

Die finanzielle Unterstützung für die Entwicklung von kleinen modulare Reaktoren muss darüber hinaus auf den europäischen Markt ausgerichtet sein.

Der Beschluss betont die „Einführung des Prinzips der europäischen Präferenz bei künftigen öffentlichen Aufträgen im Zusammenhang mit kleinen modulare Reaktoren.“ Das erklärte Ziel ist es, europäische Projekte zu entwickeln und nicht von der Konkurrenz aus China oder den USA überholt zu werden. Das amerikanische Unternehmen NuScale hat bereits ein Abkommen zur Entwicklung eines kleinen modularen Reaktors in Rumänien unterzeichnet.

Die Europaabgeordneten wollen die internationale Zusammenarbeit jedoch nicht einschränken.

„Investitionen in Zusammenarbeit mit internationalen Partnern können den Wissensaustausch, gemeinsame Forschungs- und Entwicklungsanstrengungen und die Standardisierung von SMR-Technologien erleichtern und so zu größenbedingten Kostenvorteilen und einer verbesserten Wettbewerbsfähigkeit auf der globalen Ebene beitragen“, teilte Franc Bogovič Euractiv mit.

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Sicherheit und Arbeitskräfte

Die erfolgreiche Einführung von kleinen modulare Reaktoren hängt laut dem Beschluss auch von der Anerkennung allgemein akzeptierter Sicherheitsstandards ab. Daher fordert der Text eine Harmonisierung der Verfahren und eine Standardisierung der Modelle zwischen den Mitgliedstaaten.

Cybersicherheit müsse ebenfalls als ein grundlegender Aspekt der nuklearen Sicherheit betrachtet werden.

Darüber hinaus wird die Entwicklung von kleinen modulare Reaktoren qualifizierte Arbeitskräfte erfordern. Die Abgeordneten fordern eine strategische Planung in diesem Bereich, die je nach Bedarf „vorausschauend und anpassungsfähig“ sein soll.

Aus all diesen Gründen fordert der Text „die Entwicklung einer umfassenden Strategie für den Einsatz von kleinen modulare Reaktoren in der Union, die den Bedürfnissen und Besonderheiten der verschiedenen Regionen Rechnung trägt.“

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Unterstützung von der Kommission

Laut der EU-Kommissarin für Energie, Kadri Simson, brauche die EU „alle Technologien“, um ihre Wirtschaft zu dekarbonisieren. Dies schließe auch die Atomkraft ein, sagte sie am Montag (11. Dezember) im Vorfeld der Abstimmung.

„Es gibt noch viel zu tun“, betonte sie nach der Abstimmung. Sie hatte für Anfang 2024 die Gründung einer Industrieallianz für kleine Atomreaktoren angekündigt, um deren Einsatz zu erleichtern und zu beschleunigen.

Die Abgeordneten forderten die Kommission auf, jedes Jahr einen Bericht über die Bewertung der Fortschritte in diesem Bereich vorzulegen.

„Es gibt keine Zeit mehr zu verlieren. Die Kommission hat nun die Pflicht, so schnell wie möglich die von allen geforderte europäische Allianz für kleine modulare Reaktoren ins Leben zu rufen“, so Christophe Grudler.

Die einzigen Gegenstimmen kamen von den Grünen und den Linken.

„Die kleinen modularen Reaktoren sind eine Illusion, eine gefährliche Ablenkung vom dringend notwendigen Klimaschutz“, sagte François Thiollet, Abgeordneter der Grünen/EFA, am Montag. Er wiederholte damit die Worte der verstorbenen Michèle Rivasi, deren Platz er im Europäischen Parlament übernommen hat.

Seiner Meinung nach führt der Bericht zu einer „Umleitung von Investitionen, die vorrangig in den Energieverbrauch und in erneuerbare Energien fließen sollten“, um die Klimaziele der EU bis 2030 zu erreichen. Die ersten kleinen modulare Reaktoren dürften allerdings nicht vor 2035 gebaut werden, so der Abgeordnete.

Mehr Reaktoren bedeuteten auch mehr radioaktive Abfälle, einen Druck, die Standards zu senken und damit das Risiko, Unfälle zu vervielfachen. Außerdem setze man damit ein neokoloniales Verhältnis zu den Uranlieferanten fort, warnte er.

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[Bearbeitet von Frédéric Simon]

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