EU-Parlament bestätigt Ehrgeiz im Kampf gegen Umweltverschmutzung durch Plastik

Die EU-Platikstrategie zielt darauf ab, mit Verboten und Auflagen für Hersteller vor allem die Meere wieder sauberer zu machen. [shutterstock]

Das EU-Parlament wird am späten Mittwochnachmittag voraussichtlich die europaweite Plastikstrategie annehmen. Bei der finalen Abstimmung in Straßburg über die im Dezember mit den Mitgliedstaaten erzielte Einigung wird eine breite Mehrheit erwartet. Die Strategie zielt darauf ab, mit Verboten und Auflagen für Hersteller vor allem die Meere wieder sauberer zu machen.

Was wurde beschlossen?
VERBOTE
Einwegprodukte, für die es umweltfreundlichere Alternativen gibt, müssen spätestens ab 2021 vom Markt genommen werden. Dazu gehören Wattestäbchen, Einweggeschirr, Trinkhalme und Luftballonstäbe. Die Mitgliedstaaten müssen dies durchsetzen. Außerdem gibt es weitere Auflagen für Plastikflaschen: Ab 2024 dürfen Getränkebehälter aus Kunststoff nur vertrieben werden, wenn die Verschlüsse und Deckel am Behälter befestigt sind.

WENIGER VERBRAUCH
Der Verbrauch von Einwegprodukten, für die es bislang keine nachhaltigere Alternative gibt, soll spürbar reduziert werden. Das gilt etwa für Trinkbecher und Lebensmittelverpackungen. Die Mitgliedstaaten müssen entsprechende Maßnahmen erlassen, eine verbindliche Zielvorgabe gibt es hier jedoch nicht.

KENNZEICHNUNGSPFLICHTEN
Einwegprodukte mit einem gewissen Kunststoffgehalt müssen gekennzeichnet werden. So soll auf die negativen Umweltauswirkungen etwa von Hygieneeinlagen und Feuchttüchern hingewiesen werden.

ERWEITERTE HERSTELLERVERANTWORTUNG
Hersteller aller Produkte, die von der Richtlinie betroffen sind, sollen an den Kosten für Reinigungsmaßnahmen, Öffentlichkeitskampagnen und das Abfallmanagement im Zusammenhang mit ihren Produkten beteiligt werden. So soll die Tabakindustrie künftig etwa die Kosten für öffentliche Sammelsysteme für Zigarettenstummel übernehmen.

MEHR RECYCLING
Die Richtlinie schreibt verbindliche Ziele für die Verbesserung der Mülltrennungsquote vor. Bis 2025 sollen so mindestens 77 Prozent aller Einwegplastikflaschen im korrekten Müllcontainer landen, bis 2029 mindestens 90 Prozent. Zudem sollen neue PET-Plastikflaschen 2025 zu mindestens 25 Prozent aus recyceltem Plastik bestehen. Bis 2030 soll diese verbindliche Vorgabe auf 30 Prozent angehoben werden.

Welche Maßnahmen sind bereits in Kraft?
Die EU-Kommission hatte 2015 einen Strategieplan zum Ausbau der Kreislaufwirtschaft vorgestellt. Darauf folgte beispielsweise die Plastiktüten-Richtlinie von November 2016, die vorsieht, die Nutzung von Einweg-Plastiktaschen deutlich zu verringern. In Deutschland verpflichtete sich der Handel daraufhin, die kostenlose Abgabe von Plastiktüten
einzuschränken.

Wie viel Plastikmüll wird momentan produziert, wie viel davon recycelt?
Zahlen der EU-Kommission zufolge fallen in Europa jährlich 26 Millionen Tonnen Plastikmüll an. Mit 37,4 Kilo pro Einwohner produziert Deutschland davon deutlich mehr als der EU-Durchschnitt (31,1 Kilo pro Einwohner). EU-weit wird weniger als ein Drittel des entsorgten Plastiks recycelt.

Was passiert mit dem restlichen Plastikmüll?
Der übrige Abfall wird verbrannt oder eingelagert. Bislang exportieren die
Mitgliedstaaten rund die Hälfte des eingesammelten und sortierten Plastikmülls
ins Ausland, 85 Prozent davon nach China. Die Volksrepublik hat den Import von
Plastikmüll mittlerweile jedoch fast vollständig eingestellt. Die EU bleibt
auf einem Großteil ihres Abfalls sitzen.

Nicht ordnungsgemäß entsorgter Plastikmüll landet zum Großteil im Meer.
Einer Studie des US-Wissenschaftsmagazins „Science“ zufolge sind das jährlich
rund acht Millionen Tonnen. Laut EU-Kommission bestehen 85 Prozent des Mülls
in den Meeren aus Plastik. Die Hälfte davon sind demnach Einwegprodukte, ein
Viertel stammt von Fischern. Experten befürchten, dass es 2050 mehr Plastik
als Fisch in den Weltmeeren geben könnte.

Wie wirkt sich Plastik auf die Umwelt auf?
Für zahlreiche Tiere und Pflanzen stellen die Plastikpartikel eine
Bedrohung dar. Wale, Delfine, Robben und andere Meeresbewohner verfangen sich
in alten Fischernetzen, Seevögel verwechseln Müll mit Nahrung. Über die
Nahrungskette gelangt der Abfall auch zurück zum Menschen. Welchen Einfluss
Mikroplastik auf die menschliche Gesundheit hat, ist laut Kommission nicht
bekannt.

Auch die Entsorgung, insbesondere die Verbrennung von Plastikmüll, ist eine
Belastung für die Umwelt. So würde laut EU-Kommission das Recyceln von einer
Million Tonnen Plastik so viel CO2 einsparen wie eine Million Autos weniger
auf den Straßen.

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