EU-Offshore-Strategie für Oktober erwartet

Um Europa zu dekarbonisieren, müsste die Offshore-Windkraft der EU bis 2050 von derzeit 22 auf bis zu 450 Gigawatt erhöht werden, schätzt die Kommission. [TebNad/ Shutterstock]

Die EU-Kommission arbeitet an einer Offshore-Strategie zur Förderung von Windparks auf See. Deutschland macht Druck und möchte noch in diesem Jahr Regelungen für internationale  Projekte entwickeln. Denn um die Ziele des Green Deals zu erfüllen, wird massiv in die Windräder im Meer investiert werden müssen.

Die von der EU-Kommission angekündigte Strategie zur Förderung von Offshore-Windparks soll im Oktober vorgelegt werden. Das bestätigte ein Mitarbeiter der DG MARE gegenüber EURACTIV. In Berlin warte man auf die Vorschläge der Kommission, damit der EU-Rat noch im Dezember unter deutschem Vorsitz Stellung zur Strategie beziehen könne.

Der Ausbau der Offshore-Windenergie ist eine deklarierte Priorität der deutschen Ratspräsidentschaft. Man wolle den EU-Ratsvorsitz sowie den diesjährigen Vorsitz Deutschlands in der Nordsee-Kooperation dazu nutzen, um noch in diesem Jahr Rahmenbedingungen für den Bau multinationaler Windparks zu erarbeiten: „Wir wollen einen europäischen Rahmen schaffen, der uns Planungssicherheit gibt“, verkündete ein Mitarbeiter des Bundeswirtschaftsministeriums am Mittwoch auf einer Konferenz des Bundesverbands der Windparkbetreiber Offshore in Berlin.

Große Windenergie-Pläne in Nordeuropa

Belgien plant eine Verdoppelung der für Offshore-Windparks zur Verfügung gestellten Wasserflächen, während Dänemark den größten Windpark der Welt plant.

Offshore-Wind in EU müsste sich verfünffachen

Auf der Stromproduktion auf See liegen große Hoffnungen; laut europäischer Energieagentur könnte sie Anfang der 40er Jahre zur wichtigsten Energiequelle in Europa werden. Nach Schätzungen der EU-Kommission müsste die EU bis zum Jahr 2050 zwischen 230 bis 450 GW Wind auf See produzieren, um die Ziele des Green Deals zu erfüllen – eine gewaltige Menge gemessen an den derzeit 22 GW in europäischen Gewässern.

Wie dieser massive Ausbau gestaltet werden könnte, hat der europäische Lobbyverband WindEurope im November in einer Studie dargestellt. Demnach müsste die auf See produzierte Stromkapazität jedes Jahr um sieben GW zunehmen, ab 2030 müssten es sogar 18 GW sein. „Um das zu erreichen, müssen wir aber einen neuen Ansatz der maritimen Raumplanung finden. Wir brauchen Mehrfachnutzung von Wassergebieten“, betont Giles Dickson, der Vorsitzende von WindEurope. Derzeit sind die Flächen für potentielle Windparks begrenzt, weil sie für die Fischerei vorgesehen oder aus militärischen oder naturschutzrechtlichen Gründen ausgeschlossen sind. Falls man die Flächennutzung auf See nicht effektiver gestaltet, würde Europa statt 450 nur 112 GW Offshore-Wind errichten können, mahnt der Branchenverband.

Nach der Skizzierung von WindEurope würden auf Deutschland 36 GW Offshore-Windstrom entfallen. Doch die nationale Branche widerspricht. Man traue sich durchaus auch über 50 GW zu, außerdem werde man diese Menge brauchen, um den Kohleausstieg zu kompensieren und das Potential für grünen Wasserstoff in Deutschland ausschöpfen zu können.

Deutschlands Windbranche kränkelt

Die deutsche Windkraftbranche wächst kaum noch. Um das selbstgesteckte Ziele von 65 Prozent erneuerbarer Energien noch zu erreichen, stellt Deutschland erstmals einen stärkeren Ausbau von Offshore-Windparks in Aussicht.

Die deutschen Ambitionen für Offshore-Windparks sind also groß, noch dieses Jahr soll das nationale Ausbauziel für 2030 von 15 auf 20 GW angehoben werden. Momentan hat Deutschland 1.469 Windenergieanlagen auf See, die rund 7,5 GW Elektrizität produzieren.

EU-Staaten erarbeiten Pläne für Windparks bis 2030

„Die Offshore-Ziele für den Green Deal sind extrem ambitioniert, aber sie sind auch eine industrielle Chance für Deutschland“, sagte der Ministeriumsmitarbeiter. Um das Potenzial zu nutzen, müsse Deutschland „über den nationalen Tellerrand blicken“. So sei man bereits mit Polen im Gespräch über Möglichkeiten gemeinsamer Offshore-Projekte in der Ostsee. In der Nordsee ist Deutschland bereits im weltweit ersten grenzüberschreitenden Windpark involviert: Baltic 2, auch Kriegers Flak genannt, ist ein Zusammenschluss dreier Windparks mit einer gemeinsamen Leistung von 600 MW. Über einen Interkonnektor sind die Anlagen an die Stromnetze Deutschlands und Dänemarks angeschlossen, bald wird auch Schweden angedockt.

Aber es mangelt weiterhin an Regeln für gemeinsame Projekte dieser Art. Einige Fragen, wie beispielsweise die Verteilung der hohen Kosten für die Anschlüsse ans Land oder die Verantwortung der nationalen Netzbetreiber, bleiben ungeklärt.

Offshore-Windkraft boomt weiter – aber nicht genug für die Klimaziele

Im Jahr 2019 wurde in Europa ein Rekord bei der Bereitstellung neuer Offshore-Windkraftkapazitäten aufgestellt. Diese nahmen um 3,6 Gigawatt zu. Das Tempo ist dennoch nicht ausreichend, um die ehrgeizigen Klimaziele der EU zu erreichen.

Klare Antworten auf diese Fragen werde die Offshore-Strategie der Kommission wohl noch nicht geben, so der Mitarbeiter von DG MARE. Doch sie könnte der Kommission als Grundlage für eine Reihe von Gesetzesinitiativen für hybride Windparks dienen.

Außerdem soll sie die Mitgliedsstaaten anregen, stärker auf transnationale Raumplanung für Windparks zu achten. Derzeit arbeiten die Länder an ihren maritimen Raumplänen bis zum Jahr 2030, in denen sie darlegen, welche Offshore-Windparks sie errichten wollen. Bis März kommenden Jahres müssen die nationalen Pläne bei der EU-Kommission eingehen. Diese hat dann ein Jahr Zeit, um die Offshore-Pläne der Staaten mit ihren nationalen Klimaplänen und den neuen Klimazielen der EU für 2030 abzugleichen. Ziel wird sein, Raumplanung und Kostenaufteilung unter den Ländern so zu optimieren, dass das Ziel der 450 GW Offshore-Wind umsetzbar wird.

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