EU-Kommission wünscht sich globalen Wasserstoffmarkt – mit dem Euro als Leitwährung

"Was wir vorschlagen, ist ein globaler, auf Regeln basierender Markt für Wasserstoff," erklärte EU-Energiekommissarin Kadri Simson. [Ina Fassbender / EC - Audiovisual Service]

Europa will den Euro als Referenzwährung für den Wasserstoffhandel einführen. Allerdings müsse zunächst ein globaler Markt mit harmonisierten Standards geschaffen werden, um die Nachfrage zu befriedigen, so die EU-Energiekommissarin am heutigen Donnerstag.

„Was wir vorschlagen, ist ein globaler, auf Regeln basierender Markt für Wasserstoff und – im Herzen dieses Marktes – harmonisierte Sicherheits- und Umweltstandards,“ erklärte EU-Energiekommissarin Kadri Simson.

Sie fügte heute beim Europäischen Wasserstoffforum hinzu: „Wir sehen großes Potential für die Rolle des Euro als Referenzwährung im internationalen Handel mit nachhaltiger Energie.“

Europa ist derzeit weltweit führend in der Entwicklung der Wasserstofftechnologie und profitiert von diversen legislativen Strategien und finanziellen Mitteln zur Unterstützung dieser Entwicklung. Von den zehn nationalen Wasserstoffstrategien weltweit finden sich fünf in Europa.

„Was vor einem Jahr noch ein Traum war, wird nun zu einer realen Chance. Grüner Wasserstoff kann ein neuer Rohstoff werden,“ zeigte sich Valerie Bouillon-Delporte, Präsidentin des Lobbyverbands Hydrogen Europe, zufrieden. „Europa wird die Geburtsstätte der Überzeugungskraft von Wasserstoff sein; wir werden bei der Wertbestimmung von sauberem Wasserstoff auf der Grundlage seines CO2-Gehalts die Vorreiterrolle übernehmen“, fügte sie hinzu.

Tatsächlich hat erneuerbare Wasserstofferzeugung in Europa und weltweit im Jahr 2020 einen Aufschwung erlebt. Sinkende Technologiekosten haben das Interesse der politischen Entscheidungsträger geweckt, die darauf drängen, die (Schwer-) Industrie zu dekarbonisieren und die im Pariser Klimaabkommen festgelegten Ziele zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen zu erreichen.

Im Juli schlug die Europäische Kommission im Rahmen ihrer Wasserstoffstrategie vor, bis 2025 sechs GW und bis 2030 ganze 40 GW an erneuerbarer Wasserstoff-Elektrolysekapazität in der EU aufzubauen.

Frankreich und Deutschland haben derweil beide ihre nationalen Wasserstoffstrategien veröffentlicht, für deren weitere Entwicklung Milliarden Euro zur Verfügung stehen. Spanien und Portugal verfügen derzeit über Strategieentwürfe, während die Niederlande und Polen ebenfalls Pläne prüfen.

EU-Kommission skizziert Pläne für 100 Prozent erneuerbaren Wasserstoff

Die EU-Kommission hat ihre Pläne zur Förderung von Wasserstoff vorgestellt, der vollständig auf erneuerbarer Elektrizität basiert. Sie fügte jedoch hinzu, dass auch „CO2-armer“ Wasserstoff aus fossilen Brennstoffen unterstützt werden soll.

Die Kommission möchte insbesondere die grenzüberschreitende Zusammenarbeit fördern und verbessern.

„Wir müssen aufzeigen, dass Wasserstoff in Europa grenzüberschreitend sein muss, wenn er ein Erfolg werden soll. Das Ganze darf nicht nur national sein, es muss europäisch sein,“ sagte Frans Timmermans, der für den europäischen Green Deal zuständige Vizepräsident der Kommission.

Die Herausforderung beim erneuerbaren Wasserstoff sind derweil die Kosten, die im Durchschnitt mehr als doppelt so hoch liegen wie bei Wasserstoff, der aus fossilen Brennstoffen erzeugt wird. Laut der Internationalen Energieagentur (IEA) werden derzeit über 90 Prozent des globalen Wasserstoffs aus fossilen Brennstoffen hergestellt.

Die Ausweitung der Produktion würde indes die Kosten senken, sagen Analysten. Wasserstoff könne sogar den Weg der Wind- und Solarenergie einschlagen, deren Kosten seit 2010 spektakulär gesunken sind.

„Je mehr man baut, desto billiger wird es – um etwa 18 bis 20 Prozent, plus oder minus sechs Prozentpunkte für jede Verdoppelung der kumulativen installierten Kapazität,“ meint Martin Tengler, leitender Wasserstoff-Analyst bei BloombergNEF. Er fügt hinzu, dass die Kosten für Elektrolyseure das Potenzial haben, besonders schnell zu sinken.

Trotzdem könnten die EU-Länder mit Elektrolyseur-Zielvorgaben mehr tun, glaubt Tengler: „Sie machen 51 Prozent des EU-Ziels für Elektrolyseure aus, aber 58 Prozent des BIP. Und wenn man sich die Anteile an der Kapazität der EU für erneuerbare Energien ansieht, ist die Lücke noch größer.“

"Wasserstoffallianz" in den Startlöchern

Mit einer neuen „Allianz“, die am Mittwoch vorgestellt werden soll, will die EU-Kommission zusammen mit der Energieindustrie die EU als Führungsmacht im Bereich Wasserstoff positionieren.

Während Europa beim Wasserstoff weltweit führend sein will, ist zu erwarten, dass die Nachfrage die Produktionskapazität schnell übersteigen wird und dass die EU bei der Erzeugung erneuerbarer Elektrizität auf Importe aus dem Ausland mit mehr Sonnenschein und Wind angewiesen sein wird.

Die Schaffung eines globalen Marktes mit harmonisierten Normen würde den Zugang europäischer Unternehmen zu Wasserstoff und die Einführung der Rückverfolgbarkeit durch die Kommission erheblich erleichtern.

„Wenn Europa in der Technologie führend ist, wird der Rest der Welt in dieser Technologie folgen,“ erwartet Timmermans. „Wenn man in einer Technologie führend ist, setzt man die Standards, und wir als Europäer haben im Wasserstoffbereich diese unglaubliche Chance, unseren Vorsprung nicht nur zu festigen, sondern auszubauen.“

Neben der Notwendigkeit der Zusammenarbeit steht die EU jedoch auch vor der Herausforderung, weltweit führend zu bleiben: Die USA entwickeln bereits billigere alkalische Elektrolyseure; und China produziert Wasserstoff zu einem Bruchteil der westlichen Kosten.

Lobbyvertreterin Bouillon-Delporte prophezeiht dazu: „Der Wettlauf darum, wer die globale Wasserstoff-Supermacht sein wird, ist im Gange. Wir waren eigentlich davon ausgegangen, er würde zwischen Europa und China stattfinden. Aber jetzt, da Joe Biden gewählt wurde, wird auch Amerika ins Rennen zurückkehren.“

[Bearbeitet von Frédéric Simon]

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