EU-Kommission will Methan-Emissionen ab 2021 verstärkt regulieren

Um das europäische Klimaziel für 2030 zu erreichen und die Emissionen um 55 Prozent zu reduzieren, "müssten wir Methan um ein Drittel reduzieren", meint auch EU-Energiekommissarin Kadri Simson. [EPA-EFE/FRANCOIS LENOIR]

Die Europäische Kommission hat sich für einen „ganzheitlichen“ Ansatz entschieden, um die Auswirkungen von Methan auf die Erderwärmung anzugehen. Der Schwerpunkt soll zunächst auf die internationale Zusammenarbeit gelegt werden, bevor die Emissionen in Sektoren wie Energie und Landwirtschaft im kommenden Jahr reguliert werden.

In ihrer Methanstrategie, die am Mittwoch (14. Oktober) vorgestellt wurde, scheint sich die EU-Kommission davor zu scheuen, Sofortmaßnahmen zu ergreifen, um Energieunternehmen zu zwingen, Methanlecks entlang der Öl- und Gasversorgungskette aufzuspüren und zu reparieren – obwohl diese wohl am einfachsten zu bekämpfen sind.

Wegen seines hohen Erderwärmungspotenzials wird Methan im Rahmen des europäischen Green Deals – der darauf abzielt, die Emissionen bis 2050 auf netto Null zu senken – als eine Priorität betrachtet.

Um das europäische Klimaziel für 2030 zu erreichen und die Emissionen um 55 Prozent zu reduzieren, „müssten wir Methan um ein Drittel reduzieren“, meint auch EU-Energiekommissarin Kadri Simson. Und obwohl die Landwirtschaft – insbesondere die Viehzucht – der größte Methan-Emittent ist, „können die Emissionen im Energiebereich schnellsten und kostengünstigsten gesenkt werden“, sagte Simson am Mittwoch auf einer Pressekonferenz.

Die Kommission weist des Weiteren darauf hin: “Bei den vorgelagerten Erdöl- und Erdgasaktivitäten gibt es im Allgemeinen eine Reihe von Möglichkeiten zur Emissionsbegrenzung, die keine Nettokosten oder nahezu keine Kosten verursachen.“

"Farm-to-Fork"-Entwurf: Mit Blick auf Emissionen aus der Tierhaltung und das Tierwohl

Der jüngste Entwurf der „Farm to Fork“-Strategie (F2F), den EURACTIV einsehen konnte, enthält einige bemerkenswerte Änderungen gegenüber der vorherigen Version, darunter auch die Hervorhebung der möglichen Rolle der Tierhaltung bei der Reduzierung von Treibhausgasemissionen und die Optionen für ein Tierwohllabel.

Große Öl- und Gasunternehmen wie Shell haben bereits Ziele zur Verringerung der Methanemissionsintensität festgelegt und die politischen Entscheidungsträger in der EU aufgefordert, „strenge Methanvorschriften“ bezüglich Reparatur von Lecks und zur Verringerung der Emissionen zu erlassen.

Die Kommission argumentiert ihrerseits jedoch, es sei noch zu früh, um rechtsverbindliche Maßnahmen durchzusetzen. „Wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass die heutigen Mess- und Berichterstattungsstandards nicht genau sind,“ erläuterte ein EU-Beamter bei einem Briefing mit der Presse vor der Präsentation der Strategie.

Stattdessen wolle die Kommission als ersten Schritt versuchen, die Berichterstattung und Überprüfung von Methanemissionen auf UN-Ebene systematischer zu gestalten, um damit den Weg für die Anwendung von Vorschriften zu einem späteren Zeitpunkt zu ebnen.

Insgesamt sei der Plan: „Die Kommission wird 2021 einen Legislativvorschlag über die obligatorische Messung, Berichterstattung und Überprüfung in Bezug auf energiebezogene Methanemissionen und die Verpflichtung zur Verbesserung der Erkennung und Reparatur von Leckagen in der gesamten Infrastruktur für fossiles Gas vorlegen,“ hieß es in einer Erklärung.

Dies wurde von Grünen-Abgeordneten im Europäischen Parlament allerdings als unzureichend abgelehnt. Sie fordern klare Ziele und Vorgaben zur Reduzierung der Methanemissionen. „Die Europäische Kommission kratzt nur an der Oberfläche und beschränkt sich auf Nebensächlichkeiten wie das Stopfen von Methanlecks und Statistiken. Emissionen zu zählen hilft nicht, wenn es doch in Wirklichkeit darum geht, sie zu reduzieren,“ kritisierte beispielsweise die deutsche Grünen-Europaabgeordnete Jutta Paulus.

Internationale Methan-Emissionen

Derzeit gibt es kein unabhängiges internationales Gremium, das Methanemissionsdaten sammelt und verifiziert. Um diese Lücke zu schliessen, schlägt die Kommission die Einrichtung einer internationalen Beobachtungsstelle für Methanemissionen vor, die unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen die Aufgabe hat, „weltweit Daten über anthropogene Methanemissionen zu sammeln, abzugleichen, zu überprüfen und zu veröffentlichen“.

Der Beitrag der EU zu diesem neuen Gremium könnte in Form von Daten erfolgen, die von ihrem Erdbeobachtungssatelliten Copernicus gesammelt werden, schlägt die Kommission vor. „Zunächst brauchen wir bessere Daten, damit wir alle Leckagen, die in unseren Nachbarregionen und bei unseren Partnern auftreten, angehen können,“ sagte Simson dazu und fügte hinzu, dass die technischen Arbeiten zu diesem Aspekt „sofort beginnen werden“.

Umstrittene Gasprojekte: EU-Parlamentarier fordern Überprüfung der Energieprojekt-Liste

Mitglieder des EU-Parlaments haben gegenüber der EU-Kommission gewarnt, dass die geplanten Investitionen für LNG und andere Gasprojekte „möglicherweise nicht mit den Klimaverpflichtungen der Union im Rahmen des Pariser Abkommens in Einklang stehen“.

Weitere Maßnahmen im Zusammenhang mit Methanzielen oder Emissionsstandards bedürften jedoch einer „sorgfältigen Abwägung“, bevor angegangen werden können, fügte Kommissarin Simson hinzu und betonte erneut die Notwendigkeit, „verifizierte Daten“ auf internationaler Ebene als Voraussetzung zu erhalten.

„Europa kann dies nicht alleine tun,“ teilt die Kommission auch offiziell mit. Ein EU-Beamter erklärte, dass die „erste Vorgehensweise der Dialog“ in bilateralen Gesprächen mit öl- und gasproduzierenden Ländern wie den USA und Russland sowie in multinationalen Foren sein werde. „Sollte dies nicht in dem von uns gewünschten Tempo gelingen, würden wir auch mögliche Standards oder Ziele prüfen, um unseren Partnern Anreize zu bieten, auf diesem Weg weiterzugehen“, fügte der Beamte hinzu.

Klimaziele 2030 

Der Zeitplan ist allerdings bereits knapp bemessen, denn die Klimaziele Europas für 2030 stehen. Die entsprechende Gesetzgebung könnte bereits im Juni nächsten Jahres kommen, wenn die Europäische Kommission eine Überarbeitung ihrer gesamten Energie- und Klimagesetzgebung vorlegen wird.

So werde man in Brüssel „beispielsweise prüfen, ob der Richtlinie über Industrieemissionen bei der Vermeidung und Kontrolle von Methanemissionen eine größere Rolle zukommen könnte,“ heißt es in der Methanstrategie.

Am Ende des Tages seien die Klimavorteile der Emissionsbekämpfung klar: „Wir haben berechnet, dass wir den Temperaturanstieg um 0,18°C verringern könnten, wenn es uns gelingt, die globale Emission von künstlichem Methan um 50 Prozent zu reduzieren. Das wird also wichtig sein, wenn wir das Maximum von 1,5°C Erderwärmung erreichen wollen,“ sagte der EU-Beamte.

Höhere Klimaziele: Mehr Moore, weniger Fleisch

Um die Pariser Klimaziele zu erreichen, muss die Landwirtschaft reformiert werden. Rund 14 Millionen Tonnen Treibhausgase müssen dafür in Deutschland eingespart werden, wo die Landwirtschaft offiziell für 6,3 Prozent der Emissionen verantwortlich ist. Nun soll das EU-Klimaziel erhöht werden – welchen Anteil kann die Landwirtschaft leisten?

Die Gasindustrie begrüßte ihrerseits den zurückhaltenden Ansatz der Kommission in Bezug auf Methan und teilte mit, dass durch die Methan-Leitprinzipien – eine freiwillige Initiative – bereits eine breite Palette von Maßnahmen durchgeführt werde.

„Die Konzentration der Kommission auf die Verbesserung der Datenverfügbarkeit und -genauigkeit für Methanemissionen sowohl durch Messungen als auch durch Quantifizierung ist die richtige und verantwortungsbewusste Maßnahme,“ erklärte beispielsweise James Watson, Generalsekretär des Handelsverbandes Eurogas.

Watson weiter: „Die Schaffung eines gemeinsamen EU-Rahmens für die Berichterstattung wäre kurzfristig von größter Bedeutung und würde den Weg für eine sinnvolle Reduzierung der Methanemissionen ebnen.“

[Bearbeitet von Zoran Radosavljevic]

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