EU-Kohlenstoffpreis erreicht Rekordwert von 60€ pro Tonne auf Weg zum Klimaziel

Der Referenzpreis für EU-Zertifikate (EUA) erreichte am Dienstag mit 50,05€ pro Tonne den höchsten Stand seit Einführung des Kohlenstoffmarktes im Jahr 2005. [DesignRage / Shutterstock]

Der Kohlenstoffpreis in der Europäischen Union hat im September ein Rekordhoch von über 60€ pro Tonne erreicht. Dies ist ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zu einem Preisniveau, das nach Ansicht von Analysten langfristig Investitionen in innovative saubere Technologien auslösen soll.

Der EU-Kohlenstoffmarkt ist das wichtigste Instrument der EU zur Eindämmung der Treibhausgasemissionen, die den Klimawandel verursachen, denn er zwingt Kraftwerke, Industrie und Fluggesellschaften zum Kauf von Emissionsrechten, wenn sie die Umwelt verschmutzen.

Mit dem Bestreben der EU zu strengeren Klimazielen hat der Markt neuen Auftrieb erhalten – einschließlich des neuen Ziels, die Netto-Treibhausgasemissionen bis 2030 um mindestens 55 % zu senken.

Der Benchmark-Preis für EU-Allowances (EUA) erreichte am Dienstag 50,05€ pro Tonne. Das ist der höchste Stand seit Einführung des Kohlenstoffmarktes im Jahr 2005. Der Benchmark-Kontrakt für Dezember 2021 ist seit Anfang des Jahres um rund 50% gestiegen.

„Es gibt eine Reihe von positiven Faktoren, die den Preisanstieg erklären“, sagte Refinitiv-Analystin Ingvild Sorhus gegenüber Reuters.

Dazu gehören die politische Unterstützung durch das neue EU-Klimaziel sowie die erhöhte Nachfrage nach Genehmigungen durch Finanzinvestoren, die durch die steigenden Preise auf den Markt gelockt wurden. Analysten sind sich einig, dass die Preise in den kommenden Jahren wahrscheinlich weiter steigen werden.

Begleitet wird dieser Preisanstieg des CO2-Preises von einem starken Preisanstieg von Energie. Strompreise haben sich in den letzten Wochen vervielfacht und inzwischen sind viele Kohle- als auch Gaskraftwerke wieder rentabel, trotz des hohen CO2-Preises.

Analysten zufolge muss der EU-Kohlenstoffpreis nun auf ein höheres Niveau steigen. Das werde CO2-Reduzierungen in der Industrie auslösen, wo kohlenstoffarme Alternativen noch nicht mit den Kosten traditioneller, auf fossilen Brennstoffen basierender Technologien konkurrieren können.

„Der Kohlenstoffpreis muss hoch genug sein, damit die Europäische Union bis 2050 netto null Emissionen erreichen kann“, sagte Mark Lewis, Chefstratege für Nachhaltigkeit bei BNP Paribas. Er bezog sich dabei auf das langfristige Ziel der EU, ihre Nettoemissionen bis 2050 zu eliminieren.

Das würde einen CO2-Preis erfordern, der hoch genug ist, um Wasserstoff aus erneuerbaren Energien gegenüber Wasserstoff aus fossilen Brennstoffen wettbewerbsfähig zu machen, so Lewis.

„Auf dieser Grundlage halte ich 90€ pro Tonne für eine vernünftige Erwartung bis 2030“.

Industrielle Emissionen

Die Emissionen der Kraftwerke und der Industrie, die unter den EU-Kohlenstoffmarkt fallen, sind von 2005 bis 2019 um 35 % gesunken.

Bislang wurden die meisten dieser Senkungen im Energiesektor erzielt. Die höheren CO2-Preise haben dazu beigetragen, dass kohlebasierte Kraftwerke unwirtschaftlich geworden sind. Es wurde daher eine Umstellung von Kohle auf Gas eingeleitet, da Gas weniger CO2 ausstößt.

„Wir haben den einfachen Teil geschafft, nämlich die Umstellung von Kohle auf Gas im Energiesektor“, sagte Berenberg-Analyst Lawson Steele. Er erwartet, dass sich der EU-Kohlenstoffpreis bis Ende dieses Jahres mehr als verdoppeln wird. „Die Industrie muss jetzt ihren Teil dazu beitragen“.

Die meisten Einnahmen aus dem EU-Kohlenstoffmarkt fließen an die nationalen Regierungen zurück. Das bedeutet, dass Länder über mehr Mittel verfügen, um in die Reduzierung der CO2-Emissionen zu investieren.

Damit die europäischen Unternehmen angesichts der höheren Kohlenstoffkosten wettbewerbsfähig bleiben, plant Brüssel die Einführung eines Grenzzolls auf den Import von umweltschädlichen Waren aus dem Ausland.

Dies wird voraussichtlich erst in einigen Jahren in Kraft treten. Einige Industriezweige sagen, dass die höheren CO2-Kosten bereits jetzt ihre Möglichkeiten einschränken, Geld für Investitionen in kohlenstoffreduzierende Technologien zu finden.

„Dass die Preise auf ein Rekordniveau angestiegen sind, bringt eine Reihe von Problemen mit sich“, sagte Charles de Lusignan, ein Sprecher des Stahlindustrieverbands Eurofer.

„Zum einen haben unsere globalen Konkurrenten nicht die gleichen Kohlenstoffrestriktionen. Zum anderen wird es sehr viel schwieriger, in neue Technologien zu investieren, die für einen kohlenstoffarmen Übergang benötigt werden“, sagte er.

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