EU-Klimachef warnt: Europas Energiewende abhängig von China

Europa sei einst führend in der Herstellung von Solarmodulen gewesen, habe diese Position aber vor mehr als zehn Jahren an China verloren, sagte EU-Klimakommissar Wopke Hoekstra (Bild R) am Dienstag (13. Februar) bei einer Veranstaltung in Brüssel. [Photo credit: Bruegel / X]

Die EU werde bei ihren Bemühungen, Treibhausgasemissionen zu reduzieren und auf grüne Technologien umzusteigen, immer abhängiger von China, warnte EU-Klimakommissar Wopke Hoekstra. Dies werde in Zukunft „problematisch“ werden.

Europa sei einst führend in der Herstellung von Solarmodulen gewesen, habe diese Position aber vor mehr als zehn Jahren an China verloren, sagte Hoekstra am Dienstag (13. Februar) bei einer Veranstaltung in Brüssel.

„Jetzt ist das vor allem eine chinesische Sache“, sagte der niederländische Kommissar während der Veranstaltung, die vom wirtschaftlichen Think-Tank Bruegel veranstaltet wurde.

„Und, wissen Sie, wir werden röter [chinesischer], während wir grüner werden“, sagte Hoekstra über Chinas wachsende Dominanz bei klimafreundlichen Technologien.

„Wir werden in unserem Bestreben, grüner zu werden, immer abhängiger von China, was problematisch ist.“

"Rettungsmaßnahmen": Solarbranche steht kurz vor Rückzug aus Europa

Die EU will wieder zu einem der führenden Standorte für die Herstellung von Solarmodulen werden. Europäische Produzenten haben derzeit jedoch mit erheblichen Problemen zu kämpfen. Einige warnen sogar, dass ihre Werke kurz vor der Stilllegung stünden. 

Die europäischen Hersteller von Solarmodulen haben gedroht, ihre Produktionsanlagen stillzulegen, wenn die EU keine Rettungsmaßnahmen für den Sektor ergreift.

Die Lagerbestände haben sich in den letzten Jahren aufgrund des Zustroms billiger Solarmodule aus China angehäuft. Die europäischen Hersteller sehen sich nun einem Überangebot ausgesetzt, das die Nachfrage nach ihren Produkten drückt.

Wenn der Aufkauf überschüssiger Lagerbestände nicht möglich ist, hat die Industrie die Kommission aufgefordert, Schutzmaßnahmen wie Einfuhrzölle und Kontingente zu erwägen.

Die Kommission warnte jedoch davor, dass Importbeschränkungen das Ziel der EU behindern könnten, die Solarstromerzeugungskapazität bis 2030 von derzeit 263 Gigawatt auf 600 Gigawatt zu erhöhen.

„Angesichts der Tatsache, dass wir derzeit in hohem Maße auf Importe angewiesen sind, um die EU-Ziele für den Ausbau der Solarenergie zu erreichen, muss jede potenzielle Maßnahme gegen die Ziele abgewogen werden, die wir uns in Bezug auf die Energiewende gesetzt haben“, sagte EU-Kommissarin für Finanzdienstleistungen Mairead McGuinness.

Die Solarbranche ist nicht der einzige Sektor, der von chinesischen Importen betroffen ist. Auch bei Windturbinen und Elektrofahrzeugen, die dort in Massenproduktion kostengünstig hergestellt und nach Europa exportiert werden, sieht sich die EU verstärkter Konkurrenz aus China ausgesetzt.

Anstatt zu importieren, so Hoekstra, sollte Europa die Führung übernehmen, wenn es um die Herstellung klimafreundlicher Technologien gehe.

„Wir sollten in diesem Bereich eine Vorreiterrolle einnehmen. Unsere Unternehmen wollen an der Spitze stehen. Und ich bin absolut davon überzeugt, dass es hier auch eine riesige Geschäftsmöglichkeit gibt.“

Letzte Woche einigten sich die EU-Gesetzgeber auf den vorgeschlagenen Net-Zero Industry Act (NZIA). Dieser sieht vor, dass bis 2030 40 Prozent der Technologien wie Solarpaneele, Windturbinen, Wärmepumpen und Batterien auf europäischem Boden produziert werden sollen.

EU einigt sich auf Industriegesetz für Solar und Wind

Das Europäische Parlament und die EU-Staaten haben sich darauf geeinigt, die einheimische Produktion grüner Technologien wie Solarmodule und Windturbinen anzukurbeln. Die Liste wurde zudem um Atomkraft erweitert. Der Ausschluss chinesischer Hersteller für die meisten öffentlichen Subventionen wurde jedoch abgelehnt.

[Bearbeitet von Alice Taylor/Kjeld Neubert]

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