Die Kommission hat ein Ende der territorialen Beschränkungen und Beteiligungsabkommen erreicht, die bisher europäische Unternehmen davon abhielten, algerisches Gas auf EU-Märkten weiterzuverkaufen. Gleichzeitig hat die Kommission ihre Unterstützung für eine neue Gasleitung zugesagt, die nigerianisches Gas über Algerien in die EU bringen soll.
Die Kommissarin für Wettbewerb, Neelie Kroes, begrüßte das Ergebnis der Verhandlungen mit den algerischen Behörden. Sie bezeichnete dieses am 11. Juli 2007 als einen „wichtigen Durchbruch in unseren Beziehungen mit einem der für Europa wichtigsten Erdöllieferanten“. Die Entscheidung, so Kroes, „beseitigt ein wichtiges Hindernis bei der Schaffung eines EU-weiten Binnenmarktes für Erdöl“.
Bislang waren Erdöllieferungen aus Algerien Teil von Beteiligungsabkommen und territorialen Beschränkungen, die von Energiefirmen in Italien, Portugal und Spanien unterzeichnet wurden, und die verhinderten, dass das Gas außerhalb der Mittelmeerregion in die EU-Märkte verkauft wurde. Das italienische Energieunternehmen ENI hat sich zum Beispiel vor kurzem mit dem staatlich gestützten algerischen Energieriesen Sonatrach darauf geeinigt, Gasverkäufe nach Italien zu begrenzen.
Es ist nicht das erste Mal, dass die Kommission in solchen Fällen eingeschritten ist: ENI und die österreichische Firma OMV wurden beide verpflichtet, restriktive Klauseln aus ihren Verträgen mit dem russischen Erdgaslieferanten Gazprom zu entfernen (siehe die Pressemiteilung der Kommission für ENI von 2003 und OMV von 2005).
Derweil planen Sonatrach und die Nigerian National Petroleum Corporation (ein nigerianisches staatliches Mineralölunternehmen) eine Trans-Sahara-Gas-Pipeline (TSGP), die ab 2015 bis zu 30 Milliarden Kubikmeter nigerianisches Erdöl über mehr als 4 300 km durch die Wüste in die EU transportieren soll. Bei einer Konferenz am 9. Juli 2007 in Brüssel, die organisiert wurde, um Partner und Investoren für das Projekt zu gewinnen, wurde die TSGP vom Energiekommissar Andris Piebalgs als „vielversprechende Versorgungsquelle und -Route für die EU“ unterstützt.
Die Trans-Sahara-Pipeline befindet sich bereits seit einiger Zeit in der Planung, jedoch wurde dem Projekt bisher nicht ausreichend Aufmerksamkeit zuteil, um als lohnendes Projekt eingestuft zu werden. Dies wird sich jedoch vermutlich bald ändern, nachdem sich die EU an die unterschiedlichen ölfördernden Staaten wendet, um den wachsenden Erdölbedarf zu decken. Es ist zu erwarten, dass der Bedarf an Erdöl in den nächsten Jahrzehnten um mindestens 1,7% jährlich steigen wird.

