Abgeordneter drängt auf „Quartiersansatz“ in neuer EU-Gebäuderichtlinie

Der grüne Europaabgeordnete und ITRE-Berichterstatter Ciaran Cuffe hat dem Parlament am Montag (6. Juni) einen neuen Vorschlag für die Überarbeitung des Entwurfs der EU-Richtlinie über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden (EPBD) vorgelegt. [Shutterstock / Jozef Sowa]

Der EU-Abgeordnete, der die Überarbeitung der EU-Richtlinie über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden (EPBD), anführt, will Gebäude neu denken: Als Teil einer größeren Nachbarschaft anstatt als isolierte Einheit.

Der grüne Europaabgeordnete Ciarán Cuffe, Verhandlungsführer für die EPBD im Parlament, legte seinen Berichtsentwurf am 6. Juni dem Ausschuss für Industrie, Forschung und Energie (ITRE) des Parlaments vor.

„Als Architekt und Stadtplaner weiß ich, dass wir die Energieleistung unserer Gebäude erheblich verbessern können, um wärmere und sicherere Häuser zu schaffen, die besser für unseren Planeten sind“, sagte er.

Die im Dezember von der Europäischen Kommission vorgelegte überarbeitete EPBD zielt darauf ab, die energetische Sanierung der Gebäude mit der schlechtesten Energieeffizienz zu beschleunigen.

Gleichzeitig sollen sozialen Schutzmaßnahmen und der finanziellen Unterstützung von Haushalten, die von Energiearmut bedroht sind, Vorrang eingeräumt werden. Ziel ist es, die Abhängigkeit Europas von fossilen Brennstoffen zu verringern und zur Erreichung der EU-Klimaziele beizutragen.

„Ich weiß, dass wir bedürftige Familien besser vor extremen Wetterereignissen und schwankenden Energiepreisen schützen können und müssen“, so Cuffe.

Die vorgeschlagene Richtlinie beinhaltet soziale Schutzmaßnahmen für Mindestenergiestandards, verstärkten Ausbau der Solarenergie und die Verbreitung von Wärmepumpen in Gebäuden sowie umfassende Sanierungen, die die Umweltqualität in Innenräumen berücksichtigen.

Mindeststandards für die Gesamtenergieeffizienz

Gebäude in der EU sind für etwa 40 Prozent des Energieverbrauchs und 36 Prozent der CO2-Emissionen verantwortlich. Etwa drei Viertel der Gebäude in Europa sind energieineffizient, aber nur 0,4 bis 1,2 Prozent werden jährlich renoviert.

Um dieses Problem anzugehen, schlägt der neue Entwurf vor, Energieeffizienz-Mindeststandards zunächst für die Gebäude mit der schlechtesten Energieeffizienz festzulegen. Darüber hinaus sollen Haushalte zusätzlich unterstützt werden, um sie vor einer hohen Verschuldung zu bewahren.

Cuffe schlägt zudem vor, die finanzielle Unterstützung für gefährdete Bevölkerungsgruppen durch gezielte Darlehen oder Zuschüsse zu erhöhen und den Einsatz erneuerbarer Energien in Gebäuden durch die Ausweitung der EU-Fördermaßnahmen auf Wärmepumpen voranzutreiben.

„Der Berichterstatter schlägt vor, die Regelung auf die Installation von Wärmepumpen auszuweiten, entsprechend dem Vorschlag der Kommission, in den nächsten fünf Jahren 10 Millionen Wärmepumpen einzuführen“, heißt es in der Erklärung.

Neue EU-Gebäuderichtlinie zielt auf Sanierung der ineffizientesten Häuser

Die EU-Kommission hat die Einführung von Mindestnormen für die 15 % der Gebäude mit der schlechtesten Energieeffizienz in Europa vorgeschlagen, die auf der EU-Energieskala mit „G“ bewertet werden sollen.

Umfassende Sanierungen und Quartiersansatz

Die überarbeitete EPBD zielt darauf ab, den Klima-Fußabdruck von Gebäuden auf Netto-Null-Emissionen zu reduzieren. Die Idee dahinter ist, dass Gebäude sich selbst versorgen können, mit erneuerbaren Energien betrieben werden oder sogar überschüssige Energie für andere Zwecke produzieren.

Die Mitgliedstaaten werden ermutigt, bei Renovierungen einen nachbarschaftlichen Ansatz zu verfolgen, um Energiegemeinschaften durch eine auf erneuerbaren Energien basierende Fernwärme- und Fernkälte-Infrastruktur zu fördern. Außerdem sollen Gemeinden dazu gebracht werden, an lokalen Lösungen mitzuwirken.

„Tiefgreifende Renovierungen spielen eine Schlüsselrolle bei der Beendigung der Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen“, schreibt Cuffe in der Begründung zu seinem Bericht. „Es ist wichtig, dass tiefgreifende Renovierungen zur Standardform der Renovierung werden, damit die Haushalte von größeren Energieeinsparungen profitieren und von Heizen und Kühlen mit fossilen Brennstoffen auf erneuerbare Energiesysteme umsteigen können.“

„Das bedeutet, dass wir die Einrichtung von zentralen Anlaufstellen („One-Stop-Shops“) unterstützen müssen, die bei der Gestaltung von Sanierungsplänen beraten und auch die verschiedenen Bedürfnisse der Sozialstruktur eines Stadtteils koordinieren können“, sagte Cuffe gegenüber EURACTIV.

Der irische Europaabgeordnete drängt die Kommission schon seit einiger Zeit, „integrierte Sanierungsprogramme“ auf EU-Ebene einzuführen, um die tiefgreifende Renovierung des Gebäudebestands zu beschleunigen.

Die Idee dahinter ist es, die Sanierung effektiver zu gestalten, wenn die gesamte Nachbarschaft und nicht nur einzelne Gebäude betrachtet werden und auch die lokale Mobilität, die soziale Infrastruktur sowie die Wasser- und Abwassermanagement berücksichtigt werden.

Dieser Ansatz wird von Viessmann, dem deutschen Heizgerätehersteller, unterstützt.

„Wir unterstützen einen von den Bürgern geleiteten  Ansatz, der die Lebensbedingungen sowie deren lokalen Gebäude und Nachbarschaften in den Vordergrund stellt“, sagte Alix Chambris, weltweiter Vizepräsident für Öffentlichkeitsarbeit und Nachhaltigkeit beim Viessman Group.

„Mit integrierten Planungs- und Förderprogrammen für Fotovoltaik, Wärmepumpen und Speicher können wir nicht nur die Energieeinsparungen erhöhen und die Flexibilität auf der Nachfrageseite steigern, sondern auch den Menschen dabei zu helfen, sich stärker an der Energiewende zu beteiligen“, sagte sie gegenüber EURACTIV.

> Der Entwurf des Cuffe-Berichts zur EPBD kann hier heruntergeladen werden. Begründung und relevante Artikel hier. Pressemitteilung von Ciarán Cuffe hier.

[Bearbeitet von Alice Taylor und Frédéric Simon]

Subscribe to our newsletters

Subscribe